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Fenati: Von der Rennpiste in den Eisenwarenladen

Er hätte ein Sportstar und Millionär werden können. Aber der Italiener Romano Fenati (22) hat seine Karriere in Sekundenbruchteilen ruiniert.
Klaus Zaugg

Romano Fenati griff am letzten Sonntag bei Tempo 200 km/h während des Moto2-Rennens in Misano seinem italienischen Landsmann Stefano Manzi (19) in die Vorderbremse. Eine lebensgefährliche Aktion, die der Angegriffene als Versuch wertete, ihn zu töten. Die Hitzköpfe waren zuvor in heftigen Gefechten aneinandergeraten, Romano Fenati fühlte sich provoziert.

Das System hätte die Missetat toleriert. Der britische MotoGP-Star Carl Crutchlow war am Sonntag der einzige, der Romano Fenatis Aktion scharf verurteilte und sagte: «Dieser Mann sollte nie mehr ein Rennen fahren dürfen.» Die anderen Stars – Andrea Dovizioso, Valentino Rossi oder Marc Marquez – drückten sich vor einer klaren Aussage. Wohl wissend, dass in diesem Glashaus niemand mit verbalen Schraubenschlüsseln um sich werfen sollte.

Romano Fenati wäre praktisch ungeschoren davongekommen, wenn die TV-Kameras die Bilder nicht in die Welt hinausgetragen hätten. Am Sonntagabend war er für seine Missetat von der Renndirektion bloss für zwei Rennen gesperrt worden. Die Sache schien erledigt. Erst der Aufruhr ausserhalb des Fahrerlager (der sich über die sozialen Medien viel Luft verschaffen kann) hat nun Folgen. Sein Team kam unter dem öffentlichen Druck nicht um eine Entlassung herum. Und sein neuer Arbeitgeber, für den er nächste Saison hätte fahren sollen, beeilte sich, die sofortige Vertragsauflösung zu melden.

Welle des Hasses in den sozialen Medien

Romano Fenati hat sich inzwischen entschuldigt und erklärt, er werde sich ins Eisenwarengeschäft seiner Eltern in Ascoli zurückzuziehen. Der GP-Zirkus sei nicht mehr seine Welt. Und er klagt über eine Welle des Hasses, die ihm in den sozialen Medien entgegenschlage. Morddrohungen inklusive. Fenati mag ein «verrückter Hund» sein. Aber er personifiziert die wahrscheinlich verrückteste Sportszene der Welt. Längst machen nicht nur Talent, waghalsige Manöver, Mut und Risikobereitschaft die Differenz. Auf eine verstörende Art und Weise machen sich Respektlosigkeit, Aggressivität und Rücksichtslosigkeit breit. Heute wird der Kampfgeist bereits im Kindesalter geschärft. Im «Red Bull GP Rookies Cup» (im Rahmenprogramm der Töff-GP) treten seit 2007 Buben zwischen 13 und maximal 17 Jahren auf identischen Viertaktern an, die auf über 200 km/h beschleunigen.

Permanenter Stress in der Todeszone

Es gibt keinen anderen Sport – nicht die Formel 1, nicht das Eishockey, nicht American Football – der so sehr mit Testosteron aufgeladen ist und der so sehr dem Männlichkeitswahn huldigt. Weil auch in keinem anderen Sport der Tod so nahe ist. Es ist ein permanenter Stress in der Todeszone.

Wer sich einfach in Romano Fenatis Verurteilung und Verteufelung ergeht, macht es sich zu leicht. Er ist ein Produkt dieses Systems. Ein extremer Vertreter der neuen Generation, die da heranwächst. Sein Problem war schon von Anfang an, dass er seine Aggression, die in diesem Geschäft geschätzt und gefördert wird, zu wenig kontrollieren konnte. Aber selbst ein Mentaltrainer konnte ihm nicht helfen. Die Geister, die er rief …

Angesichts der weltweiten Empörung ist der Italiener nun auch noch von Vito Ippolito, dem Präsidenten des Töff-Weltsportverbandes FIM, zur Anhörung an den FIM-Hauptsitz in Genf aufgeboten worden. Kein böser Zyniker, der ob diesen Umtrieben und Inszenierungen denkt: die Hunde bellen, die Karawane aber zieht weiter. Dem nächsten Zwischenfall entgegen.

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