Von «Cool Runnings» inspiriert

Der Jamaikaner Michael Williams startet heute und am Samstag in der Qualifikation zum Slalom und Riesenslalom. Der 43-Jährige, der 1995 in St. Gallen American Football spielte, will sein Land zudem an Olympia in Sotschi vertreten.

Christof Krapf/Schladming
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Michael Williams trainiert seit eineinhalb Jahren für die WM. (Bild: Stefan Sigwarth)

Michael Williams trainiert seit eineinhalb Jahren für die WM. (Bild: Stefan Sigwarth)

SKI ALPIN. 1988 sass der damals 18jährige Michael Williams im kanadischen Toronto vor dem Fernseher. Der Jamaikaner sah, wie seine Landsleute an den Olympischen Winterspielen in Calgary im Viererbob antraten – diese Geschichte wurde später im Film «Cool Runnings» nacherzählt. «Das will ich auch», sagte sich Williams damals. Er wuchs in Kanada auf und bewunderte als junger Mann Pirmin Zurbriggen und Alberto Tomba. Am Anfang seiner Skikarriere stand allerdings ein trauriger Anlass. Vor fünf Jahren starb sein Bruder an Krebs. Kurz vor seinem Tod sagte dieser zu Williams: «Du hast nur ein Leben. Lebe deine Träume.» Williams hat sich dies zu Herzen genommen. Vor zwei Jahren stand er zum erstenmal auf Ski. Als Kind hatte er in Toronto Eishockey gespielt und war später als American-Football-Profi in Frankfurt tätig. 1995 spielte er für eine Saison als Quarterback und Wide Reciver für die St. Gallen Vipers. Der Club wurde 2008 aufgelöst. «Ich habe viele Freunde in der Schweiz. In St. Gallen hatte ich eine schöne Zeit», sagt Williams.

Zweimal Letzter in FIS-Rennen

Seit eineinhalb Jahren trainiert Williams für die Ski-WM. Unterstützt wird er von seinen Trainern Matthias Kraupe und Andre Hurlbrink. Die Coaches sagen: «Er hat überraschend rasch Fortschritte gemacht.» Seit vergangenem November hat sich Williams nahe Schladming einquartiert. «Ich bin ehrgeizig. Es macht Spass, etwas von Grund auf zu lernen», sagt der 43-Jährige. Ende November bestritt er zwei FIS-Rennen in Davos. Er wurde auf den Rängen 50 und 57 zweimal Letzter. Auf die Siegerzeit verlor er jeweils über zwei Minuten. «Ich weiss, dass ich noch viel lernen muss.» Williams trainierte weiter, doch kurz vor der WM folgte der Schock. Er riss sich bei einem Trainingssturz das Kreuzband. «Ich war am Boden zerstört und weinte. Ich dachte meine WM-Träume platzten», sagt Williams.

Er reiste an seinen Wohnort nach Frankfurt zurück, weilt seit dieser Woche aber wieder in Schladming. Aus Deutschland brachte er eine Karbonschiene mit, die es ihm erlaubt, trotz der Verletzung Ski zu fahren.

Zwischenschritt zu Olympia

Williams bestreitet heute und am Samstag auf der Reiteralm die Qualifikationswettkämpfe für die WM-Rennen im Riesenslalom und Slalom. Die Chancen, dass er sich durchsetzt, sind gering. Denn in seinem Leben stand er bis anhin nur während 80 Tagen auf den Ski. «Mein Ziel ist es, von oben nach unten zu kommen», sagt er und fügt ein Zitat seiner Grossmutter an: «Eine Kokosnuss nach der anderen füllt den Korb.» Daran hält sich Williams: «Ich gehe einen Schritt nach dem anderen.» Denn die WM in Schladming ist ein Zwischenschritt. Sein Hauptziel sind die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi. Dort will er 26 Jahre nach Calgary ein zweites «Cool Runnings»-Märchen schreiben und den einen oder anderen jungen Jamaikaner für seinen Sport begeistern.

Bild: CHRISTOF KRAPF/SCHLADMING

Bild: CHRISTOF KRAPF/SCHLADMING