Vom Trinkspiel zum Erfolgsgarant

Warum singen die englischen Rugby-Zuschauer an Länderspielen einen Gospel-Song?

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Warum singen die englischen Rugby-Zuschauer an Länderspielen einen Gospel-Song?

Das Lied erklingt während der Spiele der englischen Rugby-Mannschaft. «Swing low sweet chariot, coming for to carry me home», singen die 80 000 Zuschauer im Londoner Twickenham. Das Lied hat wenig mit Sport zu tun. Geschrieben wurde es 1860 vom afroamerikanischen Sklaven Wallace Willis – er besingt seine Sehnsucht nach dem Tod, der ihn von der Sklaverei erlösen würde. Der Song wurde ab 1960 aber auch von Rugbyteams gesungen und war Teil eines Trinkspiels. Den Weg ins Stadion fand «Swing low, sweet chariot» erst 1988. In diesem Jahr steckte Englands Rugbyteam in einer Negativspirale. Im Heimspiel gegen Irland lag die Mannschaft im Twickenham zur Pause mit 0:3 zurück – dem Publikum schwante Böses. Eine Gruppe Studenten stimmte verschiedene Lieder an, um die anderen Zuschauer anzuspornen und die Mannschaft anzufeuern. Keiner der Songs fand zunächst Anklang, bis die jungen Männer «Swing low, sweet chariot» zu singen begannen. Die England-Spieler, die damals auf dem Feld standen, sprachen später von einem magischen Moment im Twickenham. Und weil England gegen Irland schliesslich 35:3 siegte, wurde «Swing low, sweet chariot» zum Erfolgsgarant. (chk)

Weshalb tun die das? Die Welt des Sports steckt voller kleiner Rätsel. Einigen zentralen und weniger zentralen Fragen aus der Welt der Profis geht die Sportredaktion in dieser Rubrik nach.