Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Michi Böbner wechselte vom Fussballfeld in den Käfig - um zu kämpfen

Am Freitag tritt der Luzerner Michi Böbner gegen den Spanier Guilherme Cadena im Casineum Luzern im Mixed Martial Arts (MMA) bei City Cage an. Es geht darum, den Gegner möglichst schnell zum Aufgeben zu zwingen.
Natalie Ehrenzweig
Keine Angst vor dem Käfig: der Luzerner Michi Böbner. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 5. Mai 2019))

Keine Angst vor dem Käfig: der Luzerner Michi Böbner. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 5. Mai 2019))

Die Hände von Michi Böbner sehen lädiert aus. In seinem Gesicht sind ein, zwei kleinere Schrammen. Die Verletzungen hat sich der Luzerner Sportler beim Training zugezogen. Am Freitag (19 Uhr, Casineum Luzern) wird er seinem Gegner im Octagon gegenübertreten. Und beide werden versuchen, den anderen zum Aufgeben zu zwingen.

Michi Böbner spielt schon als Fünfjähriger begeistert Fussball. «Ich war recht ambitioniert, habe vier-, fünfmal in der Woche bei den Junioren des SC Kriens trainiert. Ein guter Freund von mir hat damals schon geboxt. Mit 16 Jahren spürte ich, dass ich das Fussballspielen nicht zum Mittelpunkt meines Lebens machen wollte und entschied mich für eine Pause», erzählt der 32-Jährige. Kampfsport hat ihn schon immer interessiert. Er begleitet seinen Freund zum Training und es nimmt ihm schnell den Ärmel rein.

«Ich probiere viele Sportarten aus. Aber mich interessiert immer, welchen Output ich aus einem Training erzielen kann, was ich rausholen kann. Ich messe mich gerne – mit mir selbst und mit anderen», beschreibt der IT-Spezialist seine Motivation. Rasch zieht es ihn vom Training zu Kämpfen im Ring. 2005 besucht er mit seinem Freund einen Kickbox-Event, bei dem es eine Mixed-Martial-Arts-Demonstration (MMA, siehe Box) gibt.

Gefragt: Taktik und Intelligenz

«Das Interessante an MMA ist, dass man sich aus den vielen Kampfsportarten die Techniken aussuchen kann, die passen und für den eigenen Körper adaptieren. Durch die Kombination vieler Techniken wird der Sport sehr vielseitig. Man braucht sehr viel Taktik und Intelligenz, weil es sehr viele Variablen gibt», schwärmt Michi Böbner.

Heute gibt es eine Amateurszene: «Die Runden sind kürzer, die Handschuhe grösser, Schläge und Tritte am Boden, Ellbögen und Knie zum Kopf sind nicht erlaubt. An manchen Kämpfen werden ausserdem Schienbeinschoner getragen» erklärt Michi Böbner. Als er mit dem Sport anfängt, kämpft er – wegen Mangel an Events – schon rasch gegen Profis. Anders als seine Kontrahenten kann der 32-Jährige in der Schweiz aber nicht vom Sport leben. Also hat er eine Vollzeitstelle als IT-Experte.

Drei bis vier Kämpfe pro Jahr sind möglich

«Das führt dazu, dass ich während den acht intensiven Wochen der Wettkampfvorbereitung neben der Arbeit noch zweimal am Tag trainiere – Ausdauer, Bodenkampf, Boxen und so weiter – in meinem Heimgym City Martial Arts in Luzern, in Aarau und Zürich», erzählt er. Auch in weniger intensiven Zeiten findet man ihn drei-, viermal pro Woche im Training. Als er damals mit MMA beginnt, hat er, vom Boxen kommend, erst mal Mühe mit dem Bodenkampf. «Bodenkampf ist sehr komplex», so Michi Böbner.

Zwar kommt dem Athleten seine jahrelange Erfahrung zu Gute, aber mit 32 Jahren brauche er mehr Erholungsphasen und trainiere gezielter. «Die harte Vorbereitungszeit fordert meinen Körper, drei bis vier Kämpfe pro Jahr liegen da drin. Denn zum Training kommt auch noch das Gewicht machen», betont Michi Böbner. Beim Einwiegen einen Tag vor dem Kampf darf der Sportler nicht mehr als 70.5 Kilo wiegen, normalerweise wiegt er mehr als 80 Kilo.

Wenn der Luzerner im Octagon, dem sogenannten Käfig, steht, hat er keine Angst, aber gesunden Respekt. «Als Anfänger hat man sogenannte Schlaghemmung im Kampf. Doch mit der Erfahrung verliert man die. Meinem Gegner Schmerzen zuzufügen ist nicht mein Ziel, sondern ihn zum Aufgeben zu bringen. Und er kämpft ja freiwillig. Es ist ein sportlicher Wettkampf, den ich dominieren will. Mein Vater hat früher Karate gemacht, er kommt, wenn möglich, an meine Kämpfe zuschauen. Meine Mutter ist nicht so begeistert von Kampfsport», erzählt er lächelnd.

Emotionen müssen draussenbleiben

Im Octagon wird er nicht wütend. Man müsse die Emotionen raushalten, sonst mache man Fehler. Und Fehler können zu Verletzungen führen. «Ich habe schon die Hand gebrochen und es erst nach dem Kampf bemerkt, weil das Adrenalin den Schmerz betäubt. Handverletzungen sind häufig. Vor allem langwierige Verletzungen will ich vermeiden. Cuts, die sehr bluten, sehen zwar im Kampf krass aus und führen oft zu Kampfabbruch durch den Schiedsrichter oder Ringarzt, weil der Betroffene nicht mehr gut sieht. Die sind aber schnell verheilt. Ebenso ein blaues Auge», weiss der Athlet.

Damit Michi Böbner gegen Guilherme Cadena bestehen kann, checkt er seinen Gegner, schaut sich Kampfvideos an, legt sich eine Strategie zurecht, die aber nicht nur auf den Schwächen des Gegenübers, sondern vor allem auch auf seinen eigenen Stärken basiert. Auf Grund von Verletzungen kann es nämlich sein, dass er kurzfristig einen anderen Gegner bekommt – eigentlich hätte er gegen Mehdi Ben Lakhdar antreten sollen, der hat sich aber am Sonntag verletzt. Und mental muss er auch fit sein. «Daheim, mit meiner Freundin und meiner Familie, muss es stimmen. Ohne ihren Support wäre mein Sport für mich nicht möglich». Meist kämpft er im Ausland. Vor heimischem Publikum zu kämpfen, habe nicht nur Vorteile. «In Kampfstimmung zu kommen ist schwieriger, weil ich in meinem Alltag bleibe. Aber dafür kann ich nach dem Kampf in mein eigenes Bett», freut er sich.

Zahlreiche Kampftechniken

Der Vollkontakt-Kampfsport Mixed Martial Arts (MMA) erlaubt bei den Profis eine Vielzahl von Kampftechniken von unterschiedlichen Sportarten. Sowohl stehend wie auf dem Boden sind Schlag-, Tritt- und Ringtechniken erlaubt. Die Kämpfe werden beendet durch: Knockout, Abklopfen oder Abbruch durch den Schiedsrichter. Die Gegner werden nach Gewichtsklassen und Erfahrung gepaart. MMA wurde vor allem durch den Veranstalter UFC (Ultimate Fighting Championship, 1993 gegründet) erst in den USA populär. Der Ursprung war, herauszufinden, welche der Kampfsportarten die «beste» sei. Heute werden die Kämpfe in über 165 Länder übertragen. Die Reality-Show «The Ultimate Fighter» verhalf der UFC ins amerikanische Kabelfernsehen. Ab und zu finden UFC-Events auch in Deutschland statt. Die Hauptkämpfe werden via Pay-per-View verkauft. Der Erfolg der Sportart zeigt sich in der Wertsteigerung des Unternehmens UFC: 2015 bis 2017 hat sich der Wert des Brands vervierfacht. (nez)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.