Vom «FC Wallis» zum «FC International»

Freistoss Es war einmal ein Fussballclub, der weitherum Respekt genoss und den einige Vereine gar fürchteten – vor allem dann, wenn sie im Schweizer Cup gegen ihn antreten mussten. Zehnmal stiess der FC Sion dort in den Final vor, zehnmal gewann er ihn – eine einzigartige Bilanz.

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Freistoss

Es war einmal ein Fussballclub, der weitherum Respekt genoss und den einige Vereine gar fürchteten – vor allem dann, wenn sie im Schweizer Cup gegen ihn antreten mussten. Zehnmal stiess der FC Sion dort in den Final vor, zehnmal gewann er ihn – eine einzigartige Bilanz.

Früher war das gesamte Wallis stolz auf den FC Sion, wegen der Cupsiege und der zwei Meistertitel, aber auch aufgrund der Vereinspolitik. Der Club förderte einheimische Talente, die Bevölkerung identifizierte sich mit ihm und nannte ihn «FC Wallis». Viele regionale und einige ausländische Spieler verzückten die Anhänger, etwa Balet, Baljic, Barberis, Bonvin, Bouderbala, Bregy, Brigger, Calderón, Cina, Clausen, Débonnaire, Fournier, Geiger, In-Albon, Luisier, Pascolo, Piffaretti, Quentin, Rey, Trinchero und Wicky.

Mehr Ausländer als Real Madrid

In diesem Jahr feiert der FC Sion sein hundertjähriges Bestehen. Der Glanz von einst ist längst verblasst. Sion steht für eine verfehlte Vereinspolitik, für die Präsident Christian Constantin verantwortlich ist. 25 Trainer hat er schon verschlissen und den Club beinahe in den Ruin geführt; 2003 wurde Sion gar zwangsrelegiert. Constantin ist noch immer im Amt, daran änderte auch sein Tritt in den Unterleib eines Schiedsrichter-Assistenten nichts. Der Verein ist finanziell angeblich vom Architekten aus Martigny abhängig, der die Mannschaft im vergangenen Jahr sporadisch gar selber führte.

Inzwischen sitzt Umberto Barberis auf dem Sittener Schleudersitz und trainiert eine Mannschaft, die in der Super League eine Nebenrolle spielt und zuletzt abseits des Rasens Aufsehen erregte. In einer Untersuchung von 440 europäischen Vereinen landete der FC Sion mit einem Ausländeranteil von 68 Prozent auf Rang 18 – vor Hertha Berlin, Manchester United und Real Madrid.

Achtung, Cup!

Das bunt zusammengewürfelte Team trifft den Gusto des Walliser Fussballanhängers nicht. Als Sion kürzlich ein Heimspiel gegen Vaduz im Stade de Genève bestritt, verloren sich 1850 Personen in der modernen Arena. Auch im heimischen Tourbillon haben sich die Zeiten geändert. Früher wurden dort auffallend häufig Elfmeter für das Heimteam gepfiffen, kaum einer Mannschaft gelang es, auch nur mit einem Punkt aus dem Wallis heimzureisen. Die oft hitzige Atmosphäre im Tourbillon liess manchen Schiedsrichter seltsame Entscheide fällen. 1989 provozierte ein Pfiff von Bruno Klötzli Spieler des FC Wettingen dermassen, dass sie den Referee tätlich angingen.

Im Tourbillon zu gewinnen ist längst keine Rarität mehr, selbst für den FC St. Gallen nicht. Heute abend trifft er indessen zu Hause auf den FC Sion. Eine lösbare Aufgabe? Aufgepasst: Der Wettbewerb heisst Cup, und da muss immer mit den Wallisern gerechnet werden. Andreas Werz

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