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Kommentar

Vladimir Petkovic und das fehlende Vertrauen – Analyse zur Zukunft der Schweizer Fussball-Nati

Seit fünfeinhalb Jahren ist Vladimir Petkovic Trainer der Schweizer Nati. Sein Fussball ist unterhaltsam, häufig gut, manchmal gar aufregend. Trotzdem wird er in der Schweiz nur geschätzt, nicht geliebt. Weshalb ist das so?
Etienne Wuillemin

Als der aufwühlende Abend in Genf vorbei war, wurde aus Vladimir Petkovic kurzzeitig ein Geniesser. Direkt vor dem Stadion setzte er sich zusammen mit seiner Frau auf die Terrasse der nahegelegenen Pizzeria und genehmigte sich ein Glas Wein. Ab und an posierte er mit einigen Fans, die ausgeharrt hatten, für Selfies. Es sind die schönen Momente im Leben eines Nationaltrainers. Das Wissen, dass die Fussball-Schweiz nach dem 2:0-Sieg gegen Irland gerade wieder etwas besänftigt ist, tut ihm gut. Petkovic trug in der Nacht von Genf das Lächeln eines Siegers.

Aber ist er das wirklich, ein Sieger? Die Frage ist kompliziert. So kompliziert wie sein Verhältnis mit der Schweiz ganz allgemein. Der Nationaltrainer ist im Idealfall der Botschafter für ein ganzes Fussball-Land. So war das immer bei Köbi Kuhn, der überall im Land verehrt wurde, weil er so nahbar und normal war. So war das immer bei Ottmar Hitzfeld, zu dem man aufschaute, weil er ein Trainer von Welt war. Und so ist das eben nie bei Petkovic. Petkovic wird geachtet, in guten Momenten geschätzt – aber nicht geliebt. Warum ist das so?

Das jüngste Indiz: Das Schweizer Team wächst zusammen – auch dank Petkovic

Seit fünfeinhalb Jahren ist Petkovic nun Nationaltrainer. Sein Fussball ist unterhaltsam, häufig gut, manchmal gar aufregend. Er hat eine Schweizer Mannschaft gebaut mit einer klaren Identität. Eine Mannschaft, die das Selbstverständnis hat, dominant aufzutreten und gegen jeden Widersacher ihre Spielweise durchzuziehen – und sei es Brasilien, Belgien oder Spanien. Dazu kommt der Eindruck, und das ist ebenso bemerkenswert, dass gerade eine richtig tolle Schweizer Einheit zusammenwächst. Die Harmonie ist spür- und sichtbar. Da sind Spieler, die alles füreinander und für den Trainer tun – nie war der Balkangraben weiter weg.

Nati-Trainer Vladimir Petkovic ist seit über fünf Jahren im Amt. (Bild: KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Nati-Trainer Vladimir Petkovic ist seit über fünf Jahren im Amt. (Bild: KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Das Team ist und war wiederholt in der Kritik, häufig zu Recht. Entscheidend ist aber: Wie es darauf reagiert hat. Mit starken Leistungen unter maximalem Druck. Das ist ein gutes Indiz. Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass mit Captain Stephan Lichtsteiner und seinem designierten Nachfolger Granit Xhaka zwei einflussreiche Akteure jetzt das Wort erheben und sich in aller Deutlichkeit für einen Verbleib von Petkovic aussprechen. Xhaka sagt: «Es gibt keinen besseren Trainer für uns als Petkovic.» Doch die entscheidende Frage ist: Denken die neuen Kräfte im Fussballverband, Präsident Dominique Blanc und Nati-Direktor Pierluigi Tami, genauso? Oder wollen sie die Gelegenheit nutzen für einen Neuanfang?

Bis zum Sommer 2020 läuft Petkovics Vertrag, wenn sich die Schweizer wie erwartet für die EM qualifizieren. Wie es danach weitergeht, ist völlig offen. Die Debatte ist in vollem Gang – und dürfte noch eine Weile anhalten. Denn klar ist: An der Person Petkovic scheiden sich die Geister. Denn sobald es über den Sport hinaus geht, bietet der 56-Jährige Angriffsflächen. In seiner Ära als Nationaltrainer gibt es stets Nebenschauplätze. Zuletzt das belastete Verhältnis mit Xherdan Shaqiri. Wenn der Verband also eine Antwort sucht in der Petkovic-Frage, so wird auch das Thema «Image» eine wichtige Rolle spielen.

Petkovic und die fehlende Gabe, das Nationalteam gut zu verkaufen

Es war vor der WM 2018, als Petkovic sagte: «Ich will etwas bewegen, als Trainer bin ich auch ein bisschen Verkäufer.» Aber genau das ist er nicht: ein guter Verkäufer. Wer den Quervergleich macht zum Eishockey, der staunt, wie viel besser es Patrick Fischer gelingt, sein Team zu präsentieren. Es hat auch damit zu tun, dass sich Petkovic quasi exklusiv für den Sport interessiert. Alles andere gewichtet er kaum. Hinzu kommt, dass er sehr misstrauisch ist. Sogar intern fehlt ihm zu manch einem Mitarbeiter das Vertrauen. Gegenüber der Öffentlichkeit sowieso. Es ist eine Problematik, welche die neuen Kräfte im Verband nicht ausblenden wollen.

Wie weiter also? Es ist nicht mit einer einfachen, schnellen Entscheidung zu rechnen. Ist das ein Problem? Nein. Solange die Diskussionen das Team nicht belasten. Sollte Petkovic gar die Bereitschaft signalisieren, sich nochmals zu öffnen, wie er es beispielsweise schon vor der EM 2016 getan hat, so dürfte das seine Position zumindest verbessern. Die Würfel sind erst geworfen.

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