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Vladimir Petkovic: «Man darf das nicht schwarz sehen»

Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft reist als Letzte des Final Four aus Portugal heim. Nationaltrainer Vladimir Petkovic bewertet den Turnierauftritt dennoch positiv: Man sei mit grossen Mannschaften auf Augenhöhe.
Christian Brägger, Guimarães
Nationaltrainer Vladimir Petkovic: «Unser Jahr war gut bis sehr gut.» (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (Guimarães, 9. Juni 2019))

Nationaltrainer Vladimir Petkovic: «Unser Jahr war gut bis sehr gut.» (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (Guimarães, 9. Juni 2019))

«Positivität». Vladimir Petkovic mag das Wort, man hört es oft aus seinem Mund. Der Nationaltrainer verwendet es bei Zusammenzügen, in Trainings, an Medienkonferenzen. Petkovic fordert Positivität von sich ein, von Spielern, Fans und Medien. Gegen England war bei den Schweizern nicht viel von ihr zu spüren. Sie waren unterlegen, resultatmässig erst nach Josip Drmics Fehlschuss im Elfmeterschiessen, aber davor während den ganzen 120 Minuten. Die Statistik wies tiefen Ballbesitz und über 250 weniger gespielte Pässe aus.

Als Portugal am Sonntagabend in Porto verdient gegen Holland den Titel in der Nations League gewann und den Nationalfeiertag damit gleich um ­einen Tag vorverlegte, runzelte der eine oder andere Schweizer vielleicht die Stirn. Und mutmasste, weshalb der Schweiz dieser nächste Schritt, einen Grossen in einem Turnier zu schlagen, abermals nicht geglückt war. Das Team von Petkovic war ja nicht an den Westen Europas gereist, um zweimal zu verlieren. Verteidiger Fabian Schär sagte: «Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns für ein Turnier der vier besten europäischen Teams qualifiziert haben.» Er sagte aber auch: «Stets gibt es viel Lob für uns, aber wir bleiben immer mit leeren Händen zurück.»

Wofür steht die Schweiz nun?

Schwarz oder weiss, gut oder schlecht, was ist die Schweiz nun in der Sommerpause? Xherdan Shaqiri, der sich gegen England am Wadenmuskel verletzte, sagte: «Wir sind immer noch eine kleine Schweiz, das werden wir auch in Zukunft sein. Wir müssen über Grenzen gehen, um zu bestehen, aber für Siege reicht es nicht.» Nach solchen Sätzen fragt man sich, was die Saison, in der sich die Schweizer vor allem mit der Nationenliga beschäftigten und in Portugal 7 Millionen Euro als Vierter erhielten, gebracht hat. Zehn Spiele absolvierten sie, bei vier Siegen und vier Niederlagen ist die Bilanz ausgeglichen, aber so schlecht wie nie mehr seit 2010/2011. «Man darf das nicht schwarz sehen, unser Jahr war gut bis sehr gut», zog Petkovic gestern nach dem Flug in die Heimat Bilanz – und verwies auf die ungleich schwierigeren Gegner in der Nations League. Man sei mit grossen Mannschaften auf Augenhöhe, aber nicht so gut, «dass wir gegen solche Gegner gewinnen können».

Doch es gibt auch Positives. Nach der WM hat der Nationalcoach seine Mannschaft modifiziert und jung gehalten, gegen Portugal war die Startformation im Schnitt 26 Jahre alt, gegen England gar ein wenig jünger. Er erweiterte das taktische Spektrum mit der Dreierkette und beliess sie nun in beiden Partien. Er machte Kevin Mbabu auf der rechten Seite zum Fixstarter, weswegen noch mehr fraglich ist, was mit Stephan Lichtsteiner passiert. Von sich aus wird der Captain kaum zurücktreten, und vielleicht denkt er ja auch aus der Ferne, die Schweiz habe ohne ihn schlecht ausgesehen. Dennoch wäre es sinnvoll, wenn die Causa nicht zur Hängepartie verkommt und eine klare Ansage erfolgt, egal von welcher Seite.

Petkovic muss aber auch gesehen haben, dass seine Leader wie Yann Sommer, Granit Xhaka und Shaqiri in Topform sein müssen für Topresultate. Und er spürt wohl, dass der Konkurrenzkampf hinter der Stammformation nicht so gross ist, wie er sich das wünscht; von den 23 mitgereisten Spielern kamen nur 16 zum Einsatz. Der Coach schenkte immerhin Noah Okafor das Début gegen England, der 19-jährige Basler mit nigerianischen Wurzeln wird fortan also für die Schweiz spielen.

Xhaka hat 50 Pflichtspiele in den Beinen

Nun sind Ferien, die Saison war lang, die Spieler verreisen. Xhaka, der 50 Pflichtspiele und 4360 Einsatzminuten mit der Nationalmannschaft und Arsenal absolviert hat, fährt zuerst in die Heimat der Eltern nach Priština. Danach geht’s irgendwohin ans Meer, Sonne tanken, die Batterien aufladen. Shaqiri sagte: «Jetzt will ich einfach mal abschalten vom Fussball. Und in den Ferien von den Medien in Ruhe gelassen werden.» Sehen werden sich die Schweizer in der ersten Septemberwoche wieder, wenn sie in der Folge in der EM-Qualifikation auf Irland treffen.

Bei einigen Schweizern ist offen, was die Zukunft bringt. Petkovic sollen Angebote vorliegen, er geht aber davon aus, weiter der Nationaltrainer zu sein. «Man sollte den Prozess fortführen», sagte er. Und Schär könnte innerhalb der Premier League wechseln, so ist zu hören. Sicher ist zumindest, wie es mit dem Format der Nations League weitergeht. Sie wird nach der EM 2020 im September bis November ausgetragen. Mit der Schweiz in der höchsten Liga als eines von zwölf Teams. Dafür gibt es doch noch Lob.

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