Vier Tage für ein 2:0

Volleyball. Noch nie stand der TV Amriswil dem Schweizer Meistertitel näher als jetzt, nach dem 2:0 in der Serie. Doch Trainer Jalal Baghdady warnt: «Wir müssen konzentriert bleiben.»

Patricia Loher
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Die Amriswiler Alan Soares, Marco Bär, Adrian Rutishauser, Thomas Büsser und Nenad Karic (von links) freuen sich über einen Punktgewinn. (Bild: ky/Eddy Risch)

Die Amriswiler Alan Soares, Marco Bär, Adrian Rutishauser, Thomas Büsser und Nenad Karic (von links) freuen sich über einen Punktgewinn. (Bild: ky/Eddy Risch)

Die Zahlen auf dem Papier hatten vor dem Playoff-Final keine anderen Schlüsse zugelassen: Obwohl sich der TV Amriswil zum drittenmal in Folge für die Finalspiele um den Meistertitel qualifiziert hatte, war er gegen Qualifikationssieger Lausanne lediglich der Aussenseiter. Vor dem Playoff-Final hatte Lausanne während der gesamten Saison nur einmal verloren. Zudem entschied es auch den Cupfinal für sich. Vier Tage und zwei Spiele haben aber genügt, um die Ausgangslage zu verändern. Die Thurgauer fügten den Waadtländern in der Meisterschaftsentscheidung auswärts und zu Hause die Saisonniederlagen zwei und drei zu, «weil wir mental sehr stark waren», sagt Amriswils Trainer Jalal Baghdady.

Ein Teilziel erreicht

Vor dem Heimspiel von morgen um 17 Uhr, dem zweiten in Folge, führt der TV Amriswil in der Best-of-7-Serie mit 2:0-Siegen – weder gegen Chênois vor zwei Jahren (0:4) noch gegen Näfels in der vergangenen Saison (1:4) waren die Thurgauer je so deutlich im Vorsprung. Noch ist die Mannschaft zwei Erfolge vom ersten Gewinn des Meistertitels entfernt.

1050 begeisterte Zuschauer feierten am Mittwoch ihre Spieler nach einer Partie, die spannend und spektakulär verlaufen war. Doch danach war Schluss. Es ist erst ein Teilziel erreicht. «Diese Phase ist körperlich und mental anspruchsvoll», sagt Baghdady. Und natürlich kommt hinzu, dass er seine Mannschaft auf dem Boden behalten will. Erst nach dem vierten Sieg, sagt der gebürtige Iraner, sei die Gefahr einer Wende gebannt. «Beide Teams sind gut. Aber bis anhin gelang es uns stets, die entscheidenden Punkte zu machen.» Vor einem Jahr hätten sie im Final teilweise fast noch besser gespielt, glaubt der Trainer: «Aber in den wichtigen Phasen unterliefen uns damals immer wieder Fehler. Nun haben wir hart für unser Glück gearbeitet.» Natürlich freut sich der 46jährige über die Auftritte seiner Mannschaft. «Wir geben das Spiel nie aus der Hand – auch wenn wir im Rückstand sind. Früher war das anders.» Was ihm vor allem aufgefallen ist: Spieler, die zuvor kaum eingesetzt wurden, haben sich problemlos eingefügt. «Die Mannschaft spielt auch in einer anderen Aufstellung gut zusammen», sagt der Trainer. Er verfüge über Akteure, welche auf dem Feld die richtigen Entscheidungen treffen könnten. Natürlich wurden die Spieler auch durch die Zuschauer getragen. «Die Stimmung war unglaublich», sagt Baghdady.

«Die gute Laune nützen»

Im vergangenen Jahr hat sich beim Thurgauer NLA-Verein viel verändert. Nach zwei Finalteilnahmen in Folge setzten sich die Verantwortlichen den Meistertitel und den Cupfinal zum grossen Ziel. Dafür war man bereit, in professionellere Strukturen zu investieren und den Spielern die Möglichkeit zu bieten, deutlich mehr zu trainieren. «Im Verein wird sehr gut gearbeitet», sagt Baghdady. Nun lastet nicht mehr die gesamte Verantwortung auf seinen Schultern. «Es gibt viele Leute, die helfen. Schon die Saisonvorbereitung verlief anders als früher. Es ist nicht möglich, dass eine Person alles alleine macht.» Heute sei es, beispielsweise, schneller möglich, Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen. «Die Mannschaft kann ihrem Umfeld vertrauen», sagt Baghdady.

Gestern stand ein Regenerationstraining auf dem Programm, schon heute aber versucht der Trainer, «die gute Laune zu nützen, um den Spielern noch das eine oder andere beizubringen». Er spürt, dass die Mannschaft bereit ist – und über ein grosses Selbstvertrauen verfügt. Baghdady sagt: «Wir müssen konzentriert bleiben. Ich weiss, dass wir noch besser sein können.» Lausanne ist erstmals unter Druck geraten.

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