Vier Tage entscheiden über die Zukunft des Thurgauer Olympiaruderers Nico Stahlberg

In einem Monat finden die verbandsinternen Olympia-Ausscheidungen der Schweizer Ruderer statt. Der Thurgauer Nico Stahlberg ist zuversichtlich.

Raya Badraun
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Nico Stahlberg

Nico Stahlberg

Bild: KEY

Nico Stahlberg spürt die Veränderung. Ausserhalb vom Boot, abseits des Wassers, wird immer noch geplaudert, Witze werden gerissen, es wird gelacht. Doch im Training ist es kein Spiel mehr, die Stimmung ist ernst. Die Konkurrenz wird beobachtet und läuft ein Training nicht wie gewünscht, verunsichert das. Schliesslich geht es jetzt um alles, den Traum, bei den Olympischen Spielen in Tokio dabei zu sein.

Rennen in allen Kombinationen

In einem Monat finden die Trials, die internen Ausscheidungsrennen der Schweizer Ruderer, statt. Vier Tage dauert der Wettkampf in Italien, der über die Zukunft entscheidet. Ergometertests gehören dazu sowie Rennen im Zweier und Vierer ohne in allen Kombinationen.

Nico Stahlberg an der EM im vergangenen Jahr auf dem Rotsee

Nico Stahlberg an der EM im vergangenen Jahr auf dem Rotsee

Alexandra Wey / KEYSTONE

Sie sollen zeigen, welche der sechs Ruderer das Boot schneller machen, welche am besten harmonieren. Am letzten Tag, wenn die Entscheidung bereits gefallen ist, muss sich die neue Crew schliesslich in einem Rennen über 2000 Meter beweisen. Bestehen die Ruderer auch diesen letzten Test, bleibt das Team bis nach den Sommerspielen zusammen im Boot.

Rückenprobleme unterbrechen Vorbereitung

«Ich werde erleichtert sein, wenn ich diesen Test erfolgreich überstanden habe», sagt Stahlberg am Telefon. Er befindet sich zur Zeit im Trainingslager in Italien. In den 18 Tagen findet der Feinschliff für die Trials statt, die Schlagzahl erhöht sich. «Es wird sehr eng werden», sagt der 28-jährige Thurgauer. 

«Alle sind auf einem guten Weg.»

Zudem sei schwierig zu sagen, wer Topfavorit ist, da immer im Zweierteam gerudert wird. Dennoch ist er zuversichtlich, dass er einen Platz im Vierer ohne ergattern wird. Dabei verlief die Vorbereitung nicht ganz so, wie er es sich gewünscht hatte. Sein Körper hatte Mühe mit der Umstellung von Skull auf Riemen. Bei Letzterem ist die Belastung einseitig, da die Athleten nur ein Ruder durch das Wasser führen.

Die ungewohnte Bewegung führte bei Stahlberg zu einer Disbalance. Muskeln im oberen Rücken und der Schulter verspannten sich, Wirbeln blockierten. «Es war, als hätte ich eine heftige Halskehre», sagt Stahlberg.

«Ich konnte mich kaum mehr bewegen. Das war heftig.»

So war er für ein paar Tage gezwungen, vom Boot auf das Velo zu wechseln. Der Besuch beim Chiropraktiker half zwar, jedoch nur kurzfristig. Das Problem tauchte immer wieder auf, da die Verspannung der Muskeln blieb.

Langlauf im Oberengadin hilft gegen die Beschwerden

Geholfen hat ihm schliesslich ein zweiwöchiges Trainingslager in St.Moritz. Anfang Januar, zur kältesten Zeit des Jahres, reisen die Schweizer Ruderer traditionell in die Berge, wo sie für einmal auf Langlaufskiern trainieren.

So werden die Grundlagen für den Sommer gelegt. Denn im Boot sind längere Einheiten über 1,5 Stunden nicht möglich, im Langlauf schon. Die Pause vom Rudern tat Stahlberg gut. Seither ist er beschwerdefrei – und sitzt wieder entspannter im Boot. «Ich mache jeden Tag Fortschritte», sagt er. «Ich werde besser und besser.»

Die Wettkampfsaison rückt näher

Trotz der Probleme ist Stahlberg zufrieden mit dem Winter – und froh über den Wechsel. In den vergangenen Jahren verbrachte er die Vorbereitung im Skiff, nun ist er wieder ein Teamsportler. «Die Zeit ist noch nie so schnell vergangen wie dieses Jahr», sagt er.

Es liegt ihm, sich anzupassen, auf Kollegen einzulassen und miteinander Lösungen zu finden. «Beim Riemen-Rudern ist das noch viel wichtiger als im Skull», sagt er.

Dann wird es wieder ruhiger

Stahlberg freut sich bereits auf die Zeit nach den Trials. Dann, wenn es wieder ruhiger wird, der Druck abgefallen ist. «Dann können wir anfangen, zu arbeiten», sagt er. Viel Zeit bleibt nicht. Im April beginnt bereits die Wettkampfsaison. Und auch die Olympischen Sommerspiele in Tokio rücken näher und näher.