VIELSPIELER: Vidals unerbittliche Hatz

Die längsten Reisen, die meisten Turniere: Kein anderer Weltklassefussballer belegt die Belastungsfrequenzen im internationalen Fussball so sehr wie der Chilene Arturo Vidal.

Tobias Käufer
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Auf Arturo Vidals Dienste setzen sowohl Chile als auch Bayern München. (Bild: Sebastian Widmann/Freshfocus)

Auf Arturo Vidals Dienste setzen sowohl Chile als auch Bayern München. (Bild: Sebastian Widmann/Freshfocus)

Tobias Käufer

Geht es nach Gianni Infantino, dann wird die WM bald noch grösser, länger und umfangreicher. Der Fifa-Präsident plant bekanntlich eine Ausdehnung des WM-Turniers von bisher 32 auf bald 48 Mannschaften. An Arturo Vidal wird dieser Kelch vermutlich vorbeigehen. Dem Mittelfeldspieler des FC Bayern München kommt die Gnade der frühen Geburt entgegen. Wenige Wochen, bevor Vidal und seine chilenischen Südamerikameister beim Confedcup in Russland antreten, vollendet der Vollblutfussballer sein 30 Lebensjahr.

Doch schon jetzt bewegt sich Vidal hart an der Belastungsgrenze und darüber hinaus. Kein anderer Weltklassefussballer belegt so wie der Südamerikaner, dass die Expansion der Wettbewerbe im internationalen Fussball jegliches Augenmass verloren hat. Früher waren es die Nationalspieler gewohnt, dass es in den ungeraden Jahren einen Sommer zum Durchatmen gibt. EM beziehungsweise Copa América und WM wechselten sich im Zwei-Jahres-Rhythmus ab.

Preis für Expansion der Wettbewerbe

Für Arturo Vidal gilt das schon lange nicht mehr. Seit der WM 2014 spielt Vidal jeden Sommer ein grosses und wichtiges Turnier. Und wenn er seine Nationalmannschafts-Karriere nach einer möglichen WM-Teilnahme 2018 nicht beendet, dann drohen ihm sage und schreibe sechs Sommer in Serie ohne richtige Pause. Denn Vidal zahlt schon jetzt den Preis für die Inflation und die Expansion der Wettbewerbe. Bei der WM 2014 in Brasilien, bei der Vidal und die Chilenen die Vormachtstellung von Weltmeister Spanien bereits in der Vorrunde beendeten, verzauberte «La Roja» die Fans in der Heimat. Ein Jahr später folgte der Triumph bei der Copa América 2015 im eigenen Land, auch hier schrieb Vidal mit dem ersten kontinentalen Titelgewinn Geschichte. Schon damals war die Terminhatz brutal: Zwischen dem Auftaktspiel bei der Copa und dem mit Juventus Turin verlorenen Champions-League-Finale lagen nur ein paar Stunden. Die verdiente Sommerpause 2016 fiel erneut aus: Weil es die damaligen korrupten Machthaber des südamerikanischen Fussballverbandes Conmebol so wollten, erfanden sie zum 100-jährigen Bestehen des Kontinentalverbandes die Copa América 2016 und teilten die «Prämien» für die TV-Rechte unter sich auf. Die Ursache für den grossen Fifa-Skandal. Erstmals mit 16 Mannschaften auch aus Nord- und Mittelamerika wurde in den USA gespielt. Wieder gewann Chile, wieder glänzte Vidal. Und wieder muss «König Arturo» den Preis dafür mit einer weiteren verkürzten Sommerpause zahlen. Während Brasiliens Neymar und Argentiniens Messi im Sommer 2017 Kraft für die anschliessende WM-Saison tanken können, muss Vidal beim Confed-Cup in Russland ran. Im Sommer darauf wartet die WM 2018 und einen weiteren Sommer später ist Brasilien Gastgeber der Copa América 2019.

Ganz nebenbei muss Vidal auch noch die härteste WM-Qualifikation auf diesem Globus durchstehen. In den «Eliminatorias» kämpfen die zehn südamerikanischen Verbände in 18 knüppelharten Spieltagen um die vier Direkttickets für Russland 2018.

Viermal in elf Tagen den Äquator überquert

Zuletzt kostete der Reisestress Vidal den Klassiker zwischen Borussia Dortmund und Bayern München. Innerhalb von nur elf Tagen überquerte Vidal im November für zwei Spiele in der Qualifikationsrunde viermal den Äquator, überstand einen Temperaturunterschied von fast 40 Grad und zwei Klimazonen und absolvierte 35000 Flugkilometer. Immerhin reiste Vidal in diesen Weihnachtstagen nicht noch einmal in die Heimat. In seinem Twitter-Account veröffentliche Vidal ein paar Schnappschüsse aus dem nicht ganz so weit entfernten Dubai. Schon am 3. Januar ist diese kurze Pause schon wieder Geschichte, dann beginnt das Trainingslager der Bayern in Doha.