Viel Spektakel zum Auftakt

Zwei rote Karten, ein verschossener Penalty, zwei Tore und ein gerechtes Unentschieden: Polen und Griechenland trennen sich im ereignisreichen Eröffnungsspiel der EM vor über 56 000 Zuschauern im Nationalstadion von Warschau 1:1.

Daniel Theweleit/Warschau
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Polens Robert Lewandowski freut sich nach seinem Führungstreffer im ersten Gruppenspiel der EM in Warschau gegen Griechenland. (Bild: EQ Images/Tomasz Jastrzebowski)

Polens Robert Lewandowski freut sich nach seinem Führungstreffer im ersten Gruppenspiel der EM in Warschau gegen Griechenland. (Bild: EQ Images/Tomasz Jastrzebowski)

FUSSBALL. Es gibt Unentschieden, über die kann man sich vorbehaltlos freuen, andere Remis sind immerhin noch irgendwie akzeptabel, auch wenn man mit hohen Erwartungen in ein Fussballspiel gegangen ist. Aber dieses 1:1 der Polen gegen Griechenland im Eröffnungsspiel schmerzt die Co-Gastgeber der EM gewaltig. Denn die Stadt quoll über vor positiver Energie am ersten Turniertag. Die Menschen freuten sich, dass es losgeht. Beseelt von dieser Kraft war die polnische Equipe in die Partie gegangen.

Immer wieder griffen die Polen über ihre rechte Angriffsseite an, wo die beiden Dortmunder Lukasz Piszczek und Jakub Blaszczykowski Druck ausübten. Die ersten beiden Grosschancen vergaben die EM-Gastgeber noch. Der dritte Versuch sass dann aber. Blaszczykowski flankte und Lewandowski versenkte einen wunderbaren Kopfball zum 1:0 für die Polen im Tor (17.).

Der Moment gehört den Stars

Es war ein Treffer wie aus dem Lehrbuch, und der Jubelschrei war imposant. Die beiden Superstars, deren Gesichter überall in der Stadt auf den Plakatwänden und Häuserfassaden zu sehen sind, lieferten den ersten grossen Moment dieser EM. Und die stabile griechische Defensive, vor der die Polen sich so sehr gefürchtet hatten, war überwunden.

Und es kam noch schlimmer für den Europameister von 2004. Während die Polen das Tempo ein wenig reduzierten, verletzte sich zunächst Abwehrchef Avraam Papadoupulos, er wurde durch seinen Namensvetter Kyriakos ersetzt. Und kurz vor der Halbzeit ging dann auch noch Sokratis Papastathopoulos, der andere Innenverteidiger, verloren. Schon die erste gelbe Karte, die er wegen eines Ellbogeneinsatzes im Luftkampf gesehen hatte, hätte sich der spanische Schiedsrichter Carlos Carballo sparen können, ohne das Regelwerk zu beugen. Gelb-Rot nach einem Zweikampf mit Marcin Murawski, der ausrutschte, war dann definitiv überzogen.

Auf und Ab der Emotionen

Nach diesem Platzverweis war nun angerichtet für ein grosses Fest in Warschau, doch merkwürdigerweise kamen die Polen aus der Pause, als hätte ihnen jemand ein Betäubungsmittel in den Tee gemischt. «Wir wollten das Ergebnis nur noch halten», sagte Trainer Franciszek Smuda verärgert. Und das wurde bestraft. Griechenland war plötzlich dominant. Und als Polens Torhüter Wojciech Szczesny in der 51. Minute mit etwas Pech an einer Flanke von Vassilis Torosidis vorbeiflog, erzielte der eingewechselte Dimitris Salpingidis das 1:1. In der 69. Minute versetzten die Griechen Polen endgültig in einen Schockzustand. Torschütze Salpingidis tauchte völlig frei vor dem gegnerischen Tor auf. Goalie Szczesny liess ein Bein stehen, verursachte einen Penalty und sah die rote Karte. Es waren spektakuläre Minuten. Denn nur zwei Minuten später jubelte das Stadion schon wieder vor Glück. Ersatzgoalie Przemyslaw Tyton hielt den von Giorgos Karagounis geschossenen Penalty. So gesehen müssen die Polen mit dem Ergebnis zufrieden sein.