Viel Aufwand, wenig Ertrag

FUSSBALL. Durch das 0:1 im Achtelfinal gegen die Gastgeberinnen aus Kanada ist die erste WM des Schweizer Frauen-Nationalteams beendet. Bei den Schweizerinnen bleibt vor allem Enttäuschung zurück. Sie haben sich meist selbst nicht belohnt.

Seraina Degen/Vancouver
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Lange nach dem Schlusspfiff schritt Lara Dickenmann am Sonntagabend als letzte Schweizerin durch die Interviewzone. In der Hand trug sie den Matchball dieses denkwürdigen WM-Achtelfinals gegen Kanada, den sie als Erinnerung mit nach Hause nehmen wird. Es war wohl das einzige, über das sich die 29-Jährige in diesem Moment freuen konnte. «Ich fühle vor allem eine grosse Leere. Die Enttäuschung kommt dann wohl erst später», sagte sie nach der 0:1-Niederlage, den Blick auf den Boden gesenkt. Und dann sagte die Krienserin einen Satz, der die Leistung des Schweizer Teams nicht nur gegen Kanada, sondern über das ganze Turnier hinweg auf den Punkt bringt: «Wir hatten einen grossen Aufwand, aber wenig Ertrag.»

«Es war umsonst»

Dickenmann meinte damit, dass die Laufbereitschaft zwar gross, die Effizienz allerdings klein gewesen sei. «Wir sind so viel gelaufen. Aber ich habe das Gefühl, es war umsonst. Es schaute meistens nichts Zählbares dabei heraus.» Die Chancen nutzen – das gelang dem Nationalteam auch im Achtelfinal nicht. Deshalb bleibt der Traum vom WM-Titel im eigenen Land für die Kanadierinnen bestehen. Im Gegensatz zu den Gruppenspielen schafften es die Schweizerinnen allerdings, über 90 Minuten konstant zu spielen. Sie zeigten sich auch von der Kulisse im BC Place Stadion in Vancouver wenig beeindruckt. Fast 54 000 Zuschauer waren gekommen, so viele wie noch nie bei einem Spiel eines kanadischen Nationalteams – egal in welcher Sportart. Nach verhaltenen ersten fünf Minuten hatten die Schweizerinnen doch die erste Chance der Partie. Es war Ramona Bachmann, welche die kanadische Torhüterin Erin McLeod zu einer ersten Parade zwang. Die 24-Jährige war auch im Verlaufe des Spiels ein konstanter Unruheherd. Aber auch ihr gelang kein Tor.

Die Hoffnung auf die Überraschung, den Gastgeber aus dem Turnier zu werfen, währte 52 Minuten. Dann brachte Kanadas Captain Christine Sinclair im Strafraum eine Flanke zu Teamkollegin Josee Belanger. Diese bezwang Gaëlle Thalmann. Im Stadion wurde es danach nur zweimal etwas ruhiger: einmal, als Ana-Maria Crnogorcevic einen Kopfball unbedrängt über das kanadische Tor setzte sowie bei der grössten Schweizer Chance durch Vanessa Bernauer, die ihren Abschluss in der 78. Minute glänzend pariert sah.

«Das Glück war nicht auf unserer Seite», sagte Crnogorcevic nach dem Spiel, gab aber auch zu, dass man beim letzten Pass zu ungenau agierte. Zeichnete sich das Team in der WM-Qualifikation noch durch seine Torgefährlichkeit aus, bekundete es am Turnier selbst Schwierigkeiten mit der Chancenverwertung. Einzig im zweiten Gruppenspiel gegen Ecuador nutzten die Schweizerinnen die Möglichkeiten – dies lag beim 10:1, aber auch am Gegner.

Zwei Gesichter wechseln sich ab

Auch die Konstanz war ein Faktor. Ausser im Achtelfinal gegen Kanada zeigten die Schweizerinnen in jedem der drei Gruppenspiele zwei Gesichter. Dabei darf nicht vergessen werden, dass das Frauen-Nationalteam zum ersten Mal auf der grossen Weltbühne auftrat und die Erfahrung fehlte. Trainerin Martina Voss-Tecklenburg kam daher nach dem Ausscheiden schnell zum Schluss: «Diese WM war für uns ein langer und intensiver Prozess. Von all diesen Erfahrungen werden wir in Zukunft profitieren können.»