Versöhnte Rogers an den Swiss Indoors

Es ist wohl der meistgehörte Kalauer im Vorfeld der Swiss Indoors: «Alles Roger!» Roger und Roger, der Tennisspieler Federer und der Turnierdirektor Brennwald, haben sich im Frühjahr dieses Jahres nach langem Hin und Her wieder angenähert.

Ralf Streule
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Es ist wohl der meistgehörte Kalauer im Vorfeld der Swiss Indoors: «Alles Roger!» Roger und Roger, der Tennisspieler Federer und der Turnierdirektor Brennwald, haben sich im Frühjahr dieses Jahres nach langem Hin und Her wieder angenähert. Federer wird kommende Woche wieder mit einem offiziellen Vertrag und Antrittsgage beim Turnier antreten – und damit auch die Plakate der Swiss Indoors wieder zieren. Alles Roger, alles in Butter. Zuvor war das während zweier Jahre ganz anders gewesen.

2012 hatte Federers Manager Tony Godsick eine Offerte für eine Vertragsverlängerung mit den Swiss Indoors abgewiesen, finanzielle Gründe, aber auch atmosphärische Störungen sollen vorgelegen haben. Gemäss Insidern ging es um ein Machtspiel der beiden Rogers. Am Ursprung des Zanks stehen könnte, dass Federer 2010 öffentlich Interesse bekundete, das Turnier in Zukunft allenfalls zu übernehmen – und damit Brennwald ärgerte.

Seitenhiebe und Giftpfeile

Mit Federers Vertragsverzicht fehlte dem Turnier 2013 und 2014 die Sicherheit, mit dem Baselbieter als Aushängeschild fest planen zu können. Letztlich spielte Federer dennoch beide Turniere – fürs heimische Publikum, wie er mit Seitenhieb Richtung Turnierleitung oft betonte.

Die ablehnende Grundstimmung zwischen Roger und Roger zeigte sich in der Öffentlichkeit an subtilen verbalen Giftpfeilen, die sich manchmal nur schwer zwischen humoristisch und bitterernst einordnen liessen. Brennwald liess 2013 Journalisten an einer Medienkonferenz miterleben, wie der offenbar stets unabkömmliche Federer den Telefonanruf des Turnierdirektors nicht beantwortet. Eine Entschuldigung Brennwalds für diese Aktion via Medien nahm Federer nicht öffentlich an. «Ich bespreche Entschuldigungen nicht via Presse, wie er das tut», sagte er. Und vergangenes Jahr tat Federer an der Sieger-Pressekonferenz seinen Unmut darüber kund, dass er den Pokal – nicht wie bei anderen Turnieren – zurückgeben müsse. «Das ist ja das Problem an diesem Turnier hier», hiess das bissig im Wortlaut. Federer sagte es zwar mit einem Lächeln, liess es aber als weiteren Seitenhieb so stehen.

Brennwald seinerseits machte 2014 mehrmals klar, dass Federer für die Sponsorensuche und ganz allgemein für das Turnier nicht unersetzlich sei. «Auch Spiele ohne ihn sind ausverkauft.» Brennwald schoss vor einem Jahr einen weiteren Pfeil in Richtung Federer-Management. Der Einbezug des Sportvermarkters Infront Ringier war ein Affront gegenüber Federers und Godsicks Sportagentur Team 8, die am Auftrag interessiert gewesen wäre.

Antrittsgage geht an Foundation

Nun aber soll also «alles Roger» sein in Basel. Einen Schritt zur Versöhnung machte gemäss der «Basler Zeitung» Swiss-Indoors-Vizepräsident Daniel Chambon, der im Januar in Melbourne an den Australien Open mit Federers Manager Tony Godsick einig wurde. Wie der neue Vertrag aussieht und wie hoch die Antrittsgage ausfällt, ist nicht bekannt. Federer wolle das Geld jedenfalls an seine Foundation weitergeben.

Wie auch immer: Dass sich das Verhältnis normalisiert hat, dürfte beiden Rogers recht sein. Und auch dem Publikum – obschon die eine oder andere Roger-Episode wohl Gesprächsstoff beim Cüpli vor den Spielen lieferte.