VERPASST: Schnelle Beine im Regen

An den Schweizer Meisterschaften in Zürich überzeugen die Sprinterinnen mit Spitzenzeiten. Auch Salomé Kora läuft stark, dennoch verpasst sie bei Regen erneut die WM-Limite.

Raya Badraun, Zürich
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Mujinga Kambundji (links) gewinnt an den Schweizer Meisterschaften im Zürcher Letzigrund mit dem Sieg im 100-m-Lauf den prestigeträchtigsten Titel. (Bild: Ennio Leanza/KEY)

Mujinga Kambundji (links) gewinnt an den Schweizer Meisterschaften im Zürcher Letzigrund mit dem Sieg im 100-m-Lauf den prestigeträchtigsten Titel. (Bild: Ennio Leanza/KEY)

Raya Badraun, Zürich

Die Kulisse im Zürcher Letzigrund war gestern Abend während der Schweizer Meisterschaften nicht gerade berauschend. Es regnete und immer wieder erhellte ein Blitz den Nachthimmel, dem ein lauter Donner folgte. Den Sprinterinnen schien das garstige Wetter jedoch nichts anzuhaben. Sie rasten über die Tartanbahn, «als ob sie so schnell wie möglich ins Trockene kommen wollen», scherzte der Sta­dionspeaker. Die Zeiten, die sie dabei aufstellten, waren beeindruckend. Die Bernerin Mujinga Kambundji steigerte sich über 100 Meter von Lauf zu Lauf. Im Final lief sie schliesslich nach 11,08 Sekunden über die Ziellinie und blieb dabei nur eine Hundertstelsekunde hinter ihrem Schweizer Rekord.

Während die Bernerin interviewt wurde, tigerte Salomé Kora über die Tartanbahn. Silber hatte sie gewonnen, das wusste die Athletin des LC Brühl. Doch für sie war die Zeit in diesem Moment entscheidender. Der Limite für die WM in London kam sie zuletzt sehr nahe, konstant lief sie im Bereich von 11,30. Nun wollte die St. Gallerin die Marke endlich unterbieten. Doch auch die letzte Chance konnte sie im Dauerregen knapp nicht packen. Im Final überquerte sie die Linie nach starken 11,32 Sekunden – und blieb sechs Hundertstelsekunden über der Limite. Zwar konnte sie das Wetter ausblenden, unter besseren Bedingungen wäre jedoch wahrscheinlich noch mehr möglich gewesen.

Büchel besteht Geschwindigkeitstest

Kurz bevor der Regen einsetzte, kam die Toggenburgerin Selina Büchel zum Einsatz. Die 800-m-Spezialistin startete für einmal über die 400 Meter – mit Erfolg. Ihren Vorlauf gewann sie gestern dank einem starken Schlusssprint in 53,29 Sekunden. Damit senkte sie ihre persönliche Bestzeit um 24 Hundertstelsekunden. «Ich habe lange darauf hingearbeitet», sagte die 25-Jährige, die heute auch noch im Final starten wird. «Doch bisher machte ich nur Minischritte.» Den Grund für ihren jetzigen Leistungssprung sieht sie in ihrem Leben als Profi. Vor einem Jahr hat sie ihren Job als Raumplanungszeichnerin aufgegeben und konzentriert sich seither ganz auf den Sport.

Obwohl Büchel in Form ist, konnte sie diese Saison in ihrer Paradedisziplin noch keine Spitzenzeit aufstellen. Zwar blieb sie dreimal unter zwei Minuten, ihre Bestzeit liegt mit 1:59,46 Minuten jedoch deutlich über ihrem Schweizer Rekord. Auch diese Woche in Bellinzona reichte es trotz Sieg nicht für eine Steigerung. «Für mich persönlich wäre eine bessere Zeit schön gewesen», sagte Büchel. «Ich hoffe nun, dass ich im August schneller unterwegs bin.» Dann startet die Ostschweizerin an der WM in London.