Verlorene Jahre des Sports

Zur Sache

Drucken
Teilen

Es sind düstere Tage für den Sport, denn die Beweislast ist erdrückend. Die russische Anti-Doping-Agentur Rusada hat erstmals die Vertuschung systematischen Dopings zugegeben. Dass die Rusada-Chefin Anna Anzeliowitsch wenig später versuchte, ihre Aussagen zu relativieren, weil sie aus dem Zusammenhang gerissen worden seien, wirkte wie ein letztes, verzweifeltes Aufbäumen. Denn schon Richard McLaren, der Chefermittler der Welt-Antidoping-Agentur Wada, hatte Russland in zwei umfassenden Berichten Staatsdoping vorgeworfen. Also bestätigte die Rusada-Chefin gegenüber der «New York Times» lediglich, was alle schon wussten.

Den Dopingfahndern steht ein ausgeklügeltes System zur Verfügung. Doch wenn der Staat mitmischt und verheimlicht, sind alle Bemühungen zwecklos, kriminelle Machenschaften aufzudecken. Was in Russland vorgefallen ist, kam nur dank Whistleblowern und Medien ans Tageslicht. Keiner weiss, wie ernst andere Länder die Dopingproblematik nehmen.

Einer der Verlierer ist das Internationale Olympische Komitee. Es liess zu, dass ein grosser Teil der russischen Athleten an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro an den Start gehen durfte – obwohl Dopingfahnder McLaren schon im Vorfeld nachgewiesen hatte, dass in Russland, vom Staat geschützt, betrogen wurde. Bald also werden Ranglisten umgeschrieben und Medaillen aberkannt, werden aus Siegern Verlierer. All die Grossanlässe der vergangenen Jahre sind Muster ohne Werte. Das Publikum wurde getäuscht. Und die olympische Idee verraten.