Verloren – und Sympathien gewonnen

Die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft verliert in St. Gallen das EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland mit 23:25. Damit kann sie die Qualifikation für die EM nicht mehr schaffen. Dennoch begeisterte der Auftritt der Schweizerinnen in der Kreuzbleiche.

Fritz Bischoff
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Die St. Gallerin Karin Weigelt stemmt sich gegen die Niederlage. (Bild: Alexander Wagner)

Die St. Gallerin Karin Weigelt stemmt sich gegen die Niederlage. (Bild: Alexander Wagner)

HANDBALL. Für das Schweizer Frauen-Nationalteam ist das Thema der Qualifikation für die EM in Schweden endgültig abgeschlossen. Das Team von Jesper Holmris verlor gestern abend in St. Gallen vor 1479 begeisterten Zuschauern sein zweitletztes Qualifikationsspiel gegen Deutschland mit 23:25 (14:14) und könnte auch bei einem (unwahrscheinlichen) Sieg im letzten Spiel gegen den Gruppenleader Frankreich am Samstag in Beauvais den erforderlichen 2. Gruppenrang nicht mehr erreichen.

Unerschrocken und mutig

Trotzdem erarbeiteten sich die Schweizerinnen gegen den scheinbar übermächtigen Gegner sehr viel Sympathie und Respekt. Ihre Leistung war über die gesamten 60 Spielminuten von viel Einsatz, Wille und Motivation geprägt. Von Beginn weg traten die Gastgeberinnen mutig und unerschrocken auf. Sie liessen sich von der athletischen Überlegenheit ihrer Gegnerinnen ebenso wenig beeindrucken wie vom Renommée und Palmarès der Deutschen.

Davon war wohl auch das Gästeteam überrascht und geriet so in der Anfangsphase der Partie gar mit zwei Treffern in Rückstand. Wohl glichen die Gäste wieder aus, doch gelang es ihnen im weiteren Spielverlauf nie, sich vorentscheidend abzusetzen, ja die Partie stand immer wieder unentschieden und phasenweise führten gar die Schweizerinnen wieder. «Am Ende fehlt vielleicht ein wenig die Cleverness, um gar noch punkten zu können», zog Jesper Holmris sein Fazit. Dem pflichtete auch Torhüterin Manuela Brütsch bei. «Es ist trotz der guten Teamleistung ärgerlich, am Ende doch noch zu verlieren. Etwas mehr Abgeklärtheit und zwei oder drei bessere Interventionen meinerseits hätten den Überraschungssieg ermöglichen können», gab sich die ehemalige Brühlerin, die auf eine Abwehrquote von 34 Prozent kam, selbstkritisch. Für sie war es eine ebenso emotionale Rückkehr nach St. Gallen wie für Karin Weigelt, die auf die kommende Saison von Norwegen nach Frankreich wechselt. «Es war herrlich, mit einer solch tollen Stimmung in meiner Heimatstadt spielen zu können. Wir haben mit den Deutschen sehr gut mitgehalten und auch kämpferisch erfüllt. Da wurmt es umso mehr, dass es doch nicht mindestens zum Unentschieden gereicht hat. Aber für den Frauenhandball haben wir sicherlich viel positive Werbung gemacht.»

Stolz trotz Niederlage

Mit dieser Feststellung lag die 32jährige Linkshänderin richtig, denn trotz der knappen Niederlage herrscht nach Spielende nicht Frust und Ärger im Übermass, sondern vor allem auch ein wenig Stolz und Freude ob der eindrücklichen Leistung gegen einen weit höher eingestuften Favoriten.

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