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Interview

SFV-Präsident Gilliéron: «Es wäre ein Hammerschlag, wenn sie gesperrt würden»

Fussballverbandspräsident Peter Gilliéron nimmt Stellung zur Doppeladler-Debatte um Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. «Die Fifa wird darauf bedacht sein, wie weit sie geht», ist er überzeugt. Und Captain Stephan Lichtsteiner hat in seinen Augen «super reagiert».
Sven Schoch, Togliatti
Peter Gilliéron am Sonntag vor Medienvertretern in Togliatti (Bild: Keystone)

Peter Gilliéron am Sonntag vor Medienvertretern in Togliatti (Bild: Keystone)

Peter Gilliéron, die FIFA hat gegen Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri ein Verfahren eingeleitet. Was ist zu erwarten?

Mir ist kein vergleichbarer Fall bekannt. Deshalb ist es auch schwierig, ein Strafmass abzuschätzen. Ich bin überzeugt, dass die FIFA diese Verfahren mit Augenmass führen und beurteilen wird.

Wie würde Ihre Reaktion ausfallen, wenn der Weltverband das Duo sperrt?

Es wäre ein Hammerschlag, wenn sie tatsächlich gesperrt würden.

Der sogenannte Doppeladler-Jubel lässt extrem viel Interpretationsspielraum offen – er reicht vom harmlosen Gruss bis zur Provokation der serbischen Kontrahenten.

Das ist ja die Krux in diesem Fall. Die Fifa wird entsprechend darauf bedacht sein, wie weit sie geht. In Zukunft müsste man dann jede einzelne Geste auf dem Rasen unter die juristische Lupe nehmen. Man wird sich die Frage stellen müssen, wohin ein entsprechendes Urteil führen würde.

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SFV-Präsident Peter Gilliéron zum Fifa-Disziplinarverfahren

Der serbische Coach Mladen Krstajic liess sich zur Aussage hinreissen, man müsste den deutschen Schiedsrichter der Partie gegen die Schweiz (Felix Brych) vor das UN-Tribunal in Den Haag stellen.

Ich habe von seinen Aussagen gehört. Sie haben mich sehr überrascht und enorm irritiert. Sie werden bei der Fifa ein Thema sein.

Wie fallen die Reaktionen auf die Doppeladler-Debatte intern aus?

Ausserhalb des Teams wird bedeutend mehr Staub aufgewirbelt als innerhalb. Auf mich machen die Spieler einen ruhigen Eindruck. Ich deute das ebenfalls als Zeichen dafür, dass sie bereits wieder voll auf das Sportliche konzentriert sind und am Mittwoch alles dafür tun werden, die Schweiz in die WM-Achtelfinals zu führen.

Captain Stephan Lichtsteiner vollzog sofort den Schulterschluss mit seinen beiden Teamkollegen. Wie werten Sie seine Haltung?

Lichtsteiner hat super reagiert. Von ihm ging ein wichtiges und spontanes Zeichen betreffend Solidarität im Team aus. Unser Captain handelte absolut richtig.

Lenken die Diskussionen nun aber nicht vom Wesentlichen ab?

"Meines Erachtens lässt sich niemand stören. Jeder ist total auf den Fussball fokussiert. Einen negativen Einfluss kann ich mir nicht vorstellen. Vielleicht rückt die Mannschaft sogar noch näher zusammen."

Welche Rückmeldungen erhalten Sie zum Image des Nationalteams?

Ich weiss, dass an gewissen Stammtischen von einer zusammengewürfelten Truppe schwadroniert wird. Aber grundsätzlich geniessen wir bei den Fans ein sehr gutes Image.

Für was steht das Team?

Für Spielfreude, für angriffigen, erfolgsorientierten Fussball, für Leidenschaft. Wir spielen keinen Abwarte-Fussball. In dieser Mannschaft steckt sehr viel Spektakuläres drin.

Ist die Betriebstemperatur der Equipe generell höher als früher?

Das Team hat Temperament. Und meistens setzt es diesen Wesenszug auch kanalisiert ein. Oft bringt uns diese temperamentvolle Art auf dem Feld etwas.

In der hitzigen Atmosphäre in Kaliningrad behielten die Protagonisten in den Schlüsselmomenten die Nerven.

Hätten sie an andere Dinge gedacht, wäre ein Comeback auf diesem Niveau nicht möglich gewesen. Shaqiri und Xhaka machten mir nicht den Eindruck, als wäre es ihnen primär darum gegangen, den Serben eins auszuwischen. Sie trugen enorm viel dazu bei, dass das Schweizer Team in der zweiten Halbzeit immer noch dominanter, noch zwingender und konkreter wurde.

Vladimir Petkovic verhielt sich auffällig moderat und wich kritischen Voten aus.

Er führt mit einer ruhigen Hand. Unser Coach ist schon länger gut und wird immer besser. Petkovic wächst an der Aufgabe. Er ist exakt der richtige Trainer für diese im positiven Sinne multikulturelle Gruppe. Die Stabilität im sozialen und sportlichen Bereich ist sein Verdienst.

Seine Bilanz fällt sehr gut aus, 61 Prozent der 42 Partien mit der SFV-Auswahl hat der Tessiner gewonnen - deutlich mehr als seine Vorgänger Ottmar Hitzfeld und Köbi Kuhn.

Die Zahlen sind imposant, überraschen mich aber nicht. Ich kenne seine Qualitäten, ich weiss, wie gut er seine Spieler liest, wie gut er jeden Einzelnen abholen kann.

Ihr Coach träumt vom Viertelfinal - und Sie?

Ich traue der Mannschaft alles zu.

Konkreter?

Wir spielen hier die vierte WM in Folge. Im Sport sollte man immer einen Schritt weiterkommen. Aber am Ende geht es auch darum, das Turnier erhobenen Hauptes verlassen zu können.

Der erste Viertelfinalvorstoss seit 1954 ist ein Thema?

Wir haben zuletzt mehrfach den Beweis erbracht, eine Partie wenden zu können. In der Knock-out-Phase könnte dieser Erfahrungswert enorm wichtig sein. Und: Wir haben quasi schon ein erstes K.-o.-Spiel hinter uns - das gibt uns Schubkraft.

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