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Interview

Veranstalter des Alpentöne-Festival: «Wir wurden kopiert, aber nie erreicht»

In Altdorf erklingt ab Donnerstag wieder alpine, zeitgenössische Musik. Wie schafft das Festival Alpentöne ein solches Echo?
Pirmin Bossart
Die Band Moes Anthill aus Uri. (Bilder: zvg)

Die Band Moes Anthill aus Uri. (Bilder: zvg)

Für den künstlerischen Leiter Johannes Rühl ist es die letzte Ausgabe, für den neuen Gesamtleiter Pius Knüsel die erste: Die elfte Austragung des Festivals «Alpentöne» in Altdorf ist inhaltlich so dicht wie noch nie.

Sie nehmen nach sechs Ausgaben Abschied als Leiter von Alpentöne: Worauf sind Sie stolz?

Johannes Rühl: Das Festival hat sich verdichtet. Wir haben mehr Projekte lanciert und Künstler ans Festival gebunden, intensiv mit der Musikhochschule Luzern zusammengearbeitet und auch die Internationalisierung ausgebaut. Natürlich freue ich mich über das riesige Echo. Der Erfolg ist von Jahr zu Jahr grösser geworden.

Pius Knüsel: Zum Erfolg hat sicher beigetragen, dass Alpentöne immer noch seiner ursprünglichen Form entspricht. Das macht es erkennbar und überschaubar.

Gab es Enttäuschungen?

Johannes Rühl: Natürlich. Wir lehnen uns mit Experimenten oft weit aus dem Fenster, so dass manchmal etwas in die Hose geht. Aber das ist uns immer verziehen worden. Die grösste Niederlage war für mich, als das Volksmusikfestival gegründet wurde. Ich glaubte, alles falsch gemacht zu haben.

Pius Knüsel (links) und Johannes Rühl.

Pius Knüsel (links) und Johannes Rühl.

Wie kann es sein, dass am selben Ort ein ähnliches Festival entsteht, wo es doch Alpentöne gibt?

Inzwischen haben wir ein gutes Verhältnis zum Haus der Volksmusik.

Was hat Alpentöne für die Zentralschweiz ausgelöst?

Johannes Rühl: Alpentöne war eine strategische Entscheidung, die Idee kam von Kulturpolitikern. Die Strategie ist aufgegangen: Alpentöne ist das wichtigste Alpenmusikfestival im Alpenraum. Wir wurden oft kopiert, aber nie erreicht.

Wie wird sich Alpentöne weiterentwickeln?

Pius Knüsel: Das Fundament alpine Kultur wird bleiben. Aber wenn ich alpine Kultur sage, ist das breiter gedacht als nur alpine Musik. Wir werden weiterhin mit Aufträgen und Entdeckungen arbeiten, das ist die DNA dieses Festivals. Ich kann mir vorstellen, dass wir mehr klassische Musik in Crossover-Konstellationen einbringen. Und dass wir verstärkt in andere Disziplinen vorstossen.

Denken Sie noch an andere Sparten?

Pius Knüsel: Mich interessiert der Spoken-Word-Bereich: Sprache und Musik. Wenn man am Alpentöne regelmässig zwei, drei wichtige Spoken-Word-Künstlerinnen und -Künstler vorstellen könnte, stark musikalisiert, fände ich das eine interessante Erweiterung. Auch Film könnte ein dauerhaftes Element werden, jetzt, da wir mit dem Kino Leuzinger zusammenarbeiten. Ich denke an Film-Musik-Kombination, Reprisen, Neuaufführungen von restaurierten Filmen.

Einen Akzent setzt die Zusammenarbeit mit Musikhochschulen, also die akademische Auseinandersetzung mit Volksmusik. Ist das nicht ein gar elitärer Spagat?

Johannes Rühl: Ich habe den Anspruch an eine Hochschule, dass sie die Elite ist, die Avantgarde. In der Hochschule sollte das gemacht werden, was in der Zukunft stattfindet. Wenn es schon eine Hochschule mit einer Volksmusikabteilung gibt, muss ihr Output am Festival einen Platz haben. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Abgänger der Hochschule sofort die Spitze der Szene wurden. Das Publikum wird immer grösser, die Säle sind ausgebucht, Zuschauer mussten schon abgewiesen werden.

Wie reagieren Sie darauf?

Pius Knüsel: Dieses Jahr haben wir erstmals das Kino Leuzinger. Dort hat es 300 Plätze. Zudem haben wir das Programm nach innen verdichtet. Es gibt mehr Auswahl für den Besucher. Das heisst, das Publikum wird sich mehr verteilen. Sollte es sich zeigen, dass das Publikum weiterhin das Festival stürmt, werden wir 2021 eine richtige Kapazitätserweiterung ins Auge fassen. Es gibt noch einen grossen Saal in Altdorf, den Uristier-Saal mit 500 bis 600 Plätzen. Aber dieser liegt etwas abseits vom Festivalzentrum.

Ist es inzwischen leichter geworden, das Festival zu finanzieren?

Pius Knüsel: Das Festival ist zu 80 Prozent fremdfinanziert. 20 Prozent müssen wir selber erwirtschaften. Öffentliche Geldgeber wie der Kanton Uri, die Gemeinde Altdorf und Pro Helvetia sind einigermassen stabil. Bei den Stiftungen ist es sehr wechselhaft. Aber ich betrachte diesen Umstand als interessante Herausforderung. Denn es erzwingt mehr Dynamik im Programm. Es motiviert, gute Projekte zu lancieren und gut zu argumentieren. Dank meiner Erfahrung als öffentlicher Kulturförderer weiss ich, wie der Mechanismus funktioniert und wer worauf anspricht. So gesehen ist mir die Finanzierung der ersten Ausgabe besser gelungen als erwartet.

Auf welche Programmpunkte sind Sie in diesem Jahr besonders gespannt?

Johannes Rühl: Ich freue mich aufs Alpentöne-Blasorchester, das dieses Jahr mit Tessiner Musikern bestückt ist und mit Persönlichkeiten wie Pino Minafra, Michel Godard oder Nataša Mirkovi zusammenarbeitet. Diese Musiker waren über Jahre meine Weggefährten, genauso wie jene beim Projekt «Bella Ciao», die das musikalische Erbe der italienischen Partisanen in den Alpen zum Klingen bringen.

Pius Knüsel: Ob es musikalisch eine Revolution ist, weiss ich nicht, aber ich bin unglaublich gespannt auf die Early Plastic Band um den Basler Forscher Ricardo Simian. Sie spielt historische Musik auf Instrumenten, die frisch aus dem 3D-Drucker kommen. Sie klingen wie Instrumente, die 500 Jahre alt sind. Das ist eine Welturaufführung, ein solches Ensemble gab es noch nie.

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