Veränderung ja, Ende nein

Das Buch wird einmal mehr totgesagt. Im Bodmanhaus in Gottlieben diskutierte das Verlegerpaar Elisabeth Tschiemer und Ekkehard Faude am Donnerstagabend über Umwälzungen im Buchmarkt.

Severin Schwendener
Drucken
Teilen
Bodmanhaus trifft Libelle-Verlag: Stefan Keller (links) im Gespräch mit dem Verlegerehepaar Elisabeth Tschiemer und Ekkehard Faude. (Bild: Reto Martin)

Bodmanhaus trifft Libelle-Verlag: Stefan Keller (links) im Gespräch mit dem Verlegerehepaar Elisabeth Tschiemer und Ekkehard Faude. (Bild: Reto Martin)

GOTTLIEBEN. «Verlage sind für die Literatur so wichtig wie Autoren.» Mit diesen Worten eröffnete Moderator Stefan Keller die Podiumsdiskussion mit Elisabeth Tschiemer und Ekkehard Faude, die in Lengwil den Kleinverlag Libelle betreiben. Doch Keller fügte an: «Jedenfalls bisher war das so.» Denn der Literaturmarkt ist in einem grossen Umbruch begriffen. Das digitale Zeitalter eröffnet völlig neue Möglichkeiten, die gleichzeitig altbekannte Strukturen in Bedrängnis bringen. «Quo vadis, Literatur?» daher die berechtigte Frage für all jene, denen das geschriebene Wort am Herzen liegt. Und eine, die bewegt, wie die zahlreichen Gäste am Donnerstag im Bodmanhaus bewiesen.

Der Buchhandel darbt

Eine Branche, die besonders unter der digitalen Revolution leidet, ist der klassische Buchhandel. «Der Konsument hat sich angewöhnt, von daheim einzukaufen», sagte Ekkehard Faude, der selber lange Jahre im Buchhandel tätig war. «Das wird niemand mehr rückgängig machen können, und das führt zu ganz neuen Vertriebsstrukturen.» So würden E-Books bereits heute über spezialisierte Grossverteiler erstellt und online vertrieben, die Buchhandlung um die Ecke bleibt da aussen vor. Dass die Leute allerdings weniger lesen würden, bestritt Faude. «Ich denke, die Leute lesen mehr, aber anders. Man liest halt mal einen Text auf Facebook statt ein Buch, das Angebot ist ja grenzenlos.»

Bücherkauf um Mitternacht

Einig war sich das Verlegerpaar mit Moderator Keller dahingehend, dass sich für Lesebegeisterte viel verbessert habe. «Die elektronischen Texte sind sofort verfügbar, ich kann ein Buch um Mitternacht kaufen und vier Minuten später mit Lesen beginnen», sagt Faude. «Ich kann die Suchfunktion im Text benutzen, ich kann die Schrift grösser machen, wenn ich schlecht sehe – das kann ein gedrucktes Buch nicht.» Diese Umwälzungen machen den Verlagen zu schaffen. Ihnen brechen Umsätze weg, weil Texte, deren Copyright abgelaufen ist, im Netz gratis verfügbar sind. Zudem kann ein Autor einen Text als E-Book herausbringen, ohne einen Verlag zu benötigen, die Erstellungskosten sind vernachlässigbar.

Auch das Lektorat, früher die Kernkompetenz der Verlage, kann auf privatem Wege beschafft werden. «Aufgrund der Krise im Verlagswesen sind viele Lektoren freischaffend – erfahrene Autoren arbeiten mit denen zusammen.» Denn dass ein Text ein Lektorat braucht und dass Feedback von aussen für die Entwicklung eines Autors essenziell ist, darin waren sich alle einig.

Qualität leidet

Denn eben gerade weil es so einfach geworden ist, einen Text online zu verbreiten, machen immer mehr Menschen von dieser Möglichkeit Gebrauch. Doch gerade die Schreibenden sind es, die weiterhin nach dem gedruckten Buch streben: der Libelle-Verlag erhält jedes Jahr mehr als 500 Manuskripte zugestellt. «97 Prozent davon sind nicht brauchbar», zieht Ekkehard Faude Bilanz. «Viele sind handwerklicher Pfusch, einiges ist wirklich schrecklich», erklärt er.

Doch auch handwerkliches Können allein reicht nicht, wie Elisabeth Tschiemer sagt. «Da gibt es diese Bücher, die im Duktus einer Schreibschule geschrieben sind. Handwerklich gut, man kann nichts dagegen sagen, aber leider auch zu wenig dafür.» Denn für ein Buch, so Elisabeth Tschiemer, brauche es das gewisse Etwas. Und dieses zu finden, das ist nach wie vor die Aufgabe der Verlage.

Aktuelle Nachrichten