Träume im Fürstentum: Der FC Vaduz klopft an die Tür zur Super League

Nach einem 2:0-Sieg im Barrage-Hinspiel gegen Thun hat der FC Vaduz gute Chancen auf den Aufstieg. Zu verdanken ist dies auch einem Strategiewechsel.

Raphael Gutzwiller
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Manuel Sutter (rechts) jubelt mit Nicolae Milinceanu über seinen Treffer zum 2:0-Sieg.

Manuel Sutter (rechts) jubelt mit Nicolae Milinceanu über seinen Treffer zum 2:0-Sieg.

Claudio Thoma / freshfocus

Es ist der unbedingte Wille, das Tor machen zu wollen. Zunächst scheint die Aktion bereits geklärt. Doch Manuel Sutter läuft einfach weiter in Richtung des gegnerischen Tors. Die Kopfballrückgabe des Thuners Nicola Sutter gerät zu kurz, der Vaduzer Manuel Sutter geht dazwischen und schiebt ein zum 2:0. Es ist ein Tor, das die Tür zur Super League weit aufstösst für Vaduz. Am Montag im Rückspiel der Barrage muss Thun mindestens drei Treffer schiessen, wollen sie in der höchsten Spielklasse verbleiben.

Der Vorarlberger Manuel Sutter steht sinnbildlich für den neuen FC Vaduz. Als sich die Liechtensteiner 2017 aus dem Oberhaus verabschiedet haben, ändern sie ihre Strategie. Statt auf zusammengekaufte Akteure will Vaduz neu auf Spieler aus der Region setzen. Dabei begrenzt man sich nicht nur auf Liechtensteiner, sondern blickt über die Landesgrenze. Der Vorarlberger Sutter passt ideal in die Strategie. «Es macht besonders Freude, in meiner Region die Euphorie auszulösen», sagt er.

Vaduz siegt auch dank starkem Goalie

Der Hinspiel-Sieg für Vaduz geht in Ordnung, weil sie eine starke Vorstellung zeigen gestern im Rheinpark-Stadion. Kurz vor der Pause gehen sie durch Spielmacher Tunahan Cicek mit 1:0 in Führung. In der Schlussphase aber deutet Thun das höhere spielerische Potenzial an, drückt auf den Anschlusstreffer. Der eigentliche Stammtorhüter Benjamin Büchel, der nach einer frühen Verletzung für Justin Ospelt eingewechselt wurde, verhinderte mit mehreren starken Paraden ein Gegentor. Beide Goalies sind Liechtensteiner und unterstreichen die Philosophie, die durchgetragen wird durch den Verein.

Wird der Liechtensteiner Mario Frick zum Aufstiegstrainer?

Wird der Liechtensteiner Mario Frick zum Aufstiegstrainer?

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Mit Trainer Mario Frick und Sportchef Franz Burgmeier bilden zwei ehemalige Nationalspieler die sportliche Führung. Burgmeiers Bruder Patrick Burgmeier ist seit letztem Herbst Präsident. Auch die Zusammenarbeit zwischen Vaduz und dem Liechtensteiner Fussballverband wurde grösser. Mit Peter Jehle als Geschäftsführer und Martin Stocklasa als Cheftrainer der Juniorennationalteams sind dazu zwei ehemalige Nationalspieler dabei. Guter Austausch ist wichtig. Der Erfolg des Liechtensteiner Nationalteams ist immer auch verbunden mit dem Erfolg des FC Vaduz. Und umgekehrt.

Anfangs kritisch beäugt, kommt die Strategie inzwischen gut an im Ländle. Gerne wird getratscht im Fürstentum, Neid gibt es oft. Nach dem Abstieg 2017 ist die Unruhe gross, die Zuschauerzahlen brechen ein. Jetzt aber herrscht Aufbruchstimmung. «Man merkt, dass sich etwas tut beim FC Vaduz», beobachtet die ehemalige Präsidentin Ruth Ospelt. «Es ist wichtig, dass man den Weg konsequent weitergeht und ruhig bleibt», sagt sie. Genau das machen die Gebrüder Burgmeier, als im letzten Herbst die Mannschaft nicht performt. Im November steht Vaduz nur auf Rang acht. Trainer Mario Frick wird nicht in Frage gestellt. 2020 spielt Vaduz plötzlich stark auf, ist das beste Team der Rückrunde und klassiert sich vor GC auf dem zweiten Rang.

Vaduz hätte klar das kleinste Budget der Liga

Falls der Aufstieg klappen sollte, stehen die Liechtensteiner vor einer Herkulesaufgabe. Die finanziellen Möglichkeiten sind klein. Sportchef Franz Burgmeier sagt: «Es ist nicht mehr der FC Vaduz mit dem vielen Geld, wie vor 10 oder 15 Jahren. Wir müssen auf die Finanzen schauen.» 3,5 Millionen Franken beträgt das Budget der Vaduzer, bei einem Aufstieg könnte dieses auf 5 bis 6 Millionen Franken aufgestockt werden. Auch so wäre es klar das kleinste der Liga. Das Kader würde zusammengehalten werden – maximal eine oder zwei Verstärkungen scheinen realistisch.

Die beiden Vaduz-Spieler Fuad Rahimi und Yannick Schmid verteidigen gegen Nias Hefti.

Die beiden Vaduz-Spieler Fuad Rahimi und Yannick Schmid verteidigen gegen Nias Hefti.

Claudio Thoma / freshfocus

Aber noch ist nichts gegessen. Vaduz-Trainer Mario Frick will nichts von einer Entscheidung wissen. «Es ist erst Halbzeit. Wir müssen auf die Euphoriebremse treten», sagt er. Thun, das in der Rückrunde das drittbeste aller Super-League-Teams, zeigt erst in der Schlussphase, welchen Druck sie aufbauen können. Im Rückspiel wollen sie dies über 90 Minuten zeigen. «Dann bleiben wir in der Super League», ist Topstürmer Ridge Munsy überzeugt.

Vaduz wird sich dagegen stemmen. Am Willen wird es auf alle Fälle nicht mangeln.

Vaduz - Thun 2:0 (1:0)

1000 Zuschauer. - SR Bieri. - Tore: 45. Cicek (Sutter) 1:0. 58. Manuel Sutter 2:0.
Vaduz: Ospelt (28. Büchel); Rahimi, Schmid, Simani; Dorn, Lüchinger (63. Gasser), Wieser, Schwizer; Cicek; Coulibaly (57. Milinceanu), Manuel Sutter.
Thun: Faivre; Glarner (78. Breitenmoser), Havenaar (46. Nicola Sutter), Stillhart, Hefti; Fatkic (78. Bertone); Tosetti, Hasler; Karlen (46. Castroman); Rapp (74. Bandé), Munsy.
Bemerkungen: Vaduz ohne Gajic (verletzt). Thun ohne Kablan und Salanovic (beide verletzt). 28. Ospelt verletzt ausgeschieden. 86. Pfostenschuss Castroman. Verwarnungen: 45. Cicek (übertriebener Torjubel). 60. Tosetti (Foul). 90. Wieser (Foul).

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