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US SPORTS: Die Philadelphia Eagles in der Super Bowl: Der Pfarrer und die Desperados

Eigentlich haben die Philadelphia Eagles in der Super Bowl nichts verloren. Aber ihre Geschichte zeigt, wie gefährlich es ist, Menschen zu unterschätzen.
Nicola Berger
Schmächtige Postur, aber erfolgreich: Nick Foles (links), Quarterback der Philadelphia Eagles. (Bild: Jason Szenes/EPA (Philadelphia, 13. Januar 2018))

Schmächtige Postur, aber erfolgreich: Nick Foles (links), Quarterback der Philadelphia Eagles. (Bild: Jason Szenes/EPA (Philadelphia, 13. Januar 2018))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: <strong style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;"><em style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;">www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

50:1. So quotierten die Buchmacher im Sommer die Chance der Philadelphia, die 52. Super Bowl zu gewinnen. Die Eagles waren ein krasser Aussenseiter, niemand sah ihren kometenhaften Aufstieg voraus, nicht nach der sehr mittelmässigen Vor­saison, in der sie nur 7 von 16 Partien gewannen. Und erst nicht nachdem etliche Führungsspieler der Eagles verletzt ausfielen, dar­unter der Quarterback Carson Wentz. Aber das Team, diese Ansammlung an Desperados, hat sich durch nichts beirren lassen, es setzte sich im Playoff als Underdog gegen Atlanta und Minnesota durch und fordert nun in der Nacht auf Montag den Favoriten New England Patriots.

Die Eagles spielen so, als befänden sie sich auf einer Mission für eine grössere Sache. Und auf mehrere Protagonisten trifft das auch zu. Sechs Schlüsselfiguren stehen stellvertretend für die Seele dieser Equipe.

Doug Pederson

Die Eagles machten Doug Pederson (50) 2016 zum Cheftrainer. Seine Selektion wurde kritisch beäugt, er galt als Verlegenheitslösung, nachdem einige Kandidaten abgesagt hatten. Die Skepsis war nachvollziehbar, denn Pederson fehlte es trotz seines fortgeschrittenen Alters an Erfahrung. Headcoach war er lediglich drei Jahre lang bei einer kleinen katholischen Privatschule in Louisiana auf wenig kompetitivem Niveau. Kein anderes NFL-Team dachte auch nur daran, ihn als Cheftrainer einzustellen. Doch Pederson hat die Eagles mit kreativem und sehr aggressivem Coaching in die erst dritte Super Bowl der Klubgeschichte geführt. Es wäre eine Überraschung, würde er nicht als NFL-Coach des Jahres geehrt.

Nick Foles

Nick Foles, der 29-jährige Quarterback, stand 2015 vor dem Karriereende. Ein Jahr zum Vergessen bei den St. Louis Rams hatte Foles, schmächtige Postur, jungenhaftes Gesicht und Studentenbrille, den Spass am American Football verlieren lassen. Er setzte die Karriere fort, doch es schien, als sei sein weiterer Karriereweg vorgezeichnet: Ein Dasein abseits des Scheinwerferlichts, auf der Ersatzbank. Dann verletzte sich Carson Wentz. Und Foles brillierte gegen Atlanta und Minnesota. Nun wird darüber spekuliert, dass ihn andere Teams nach der Saison als Nummer 1 verpflichten könnten. Unter anderem suchen Denver, Cleveland und Arizona einen neuen Quarterback. Foles mag nicht wissen, was seine unmittelbare Zukunft bringt. Aber für die Zeit nach der Karriere hat er ­einen Plan: Er will Pfarrer werden.

Howard Roseman

Es war der Kindheitstraum von Howard Roseman, General Manager in der National Football League zu werden. Als Jugendlicher schrieb er allen 32 Teams ­einen Brief: Man möge ihm doch bitte eine Chance geben. Die New York Jets taten das, sie stellten ihn 1999 als Praktikanten ein. Von dort arbeitete er sich nach oben, bis die Eagles ihn 2010 zum jüngsten General Manager der Liga machten. Roseman war lange umstritten, und 2015 wurde er zurückgestuft, nachdem er einen Machtkampf gegen den damaligen Trainer Chip Kelly verlor. Er nutzte das Jahr für eine Art Sabbatical, bereiste Europa und studierte unter anderem, wie Fussballklubs in der britischen Premier League gemanagt werden. Als Kelly 2016 entlassen wurde, kehrte Roseman zurück – und baute das Team mit einer Reihe mutiger Entscheidungen zu jener Einheit um, die nun nach dem ersten Super-Bowl-Triumph der Klubgeschichte greift.

Jay Ajayi

Als einer von nur sechs britischen NFL-Profis ist der Running Back Jay Ajayi ein Exot. Die Eagles akquirierten den 24-Jährigen Ende Oktober für den geringen Gegenwert eines Viertrunden-Draft­rechts. Der abgebende Klub, die Miami Dolphins, streuten Gerüchte darüber, dass Ajayi ein Problemspieler sei, ein schwieriger Charakter. Und ausserdem seien seine Knie in so desolatem Zustand, dass er drohe, sport­invalid zu werden. Die Eagles aber nahmen den flinken Offensivspieler mit Handkuss – und haben es nicht bereut. Ajayi gilt als einer der Katalysatoren im Angriffsspiel der Eagles.

Jenkins und Long

Malcolm Jenkins und Chris Long (Safety und Defensive End) sind zwei Spieler, deren Horizont weit über den letzten Rasenhalm des Spielfelds hinausragt. Sie werden nicht müde, auf das soziale Ungleichgewicht in den USA aufmerksam zu machen, auf Probleme im Justizsystem. So hat der auf diese Saison hin vom Finalgegner New England nach Phi­ladelphia gewechselte Defen­sivspieler Long sein gesamtes ­Jahressalär von 2,25 Millionen US-Dollar für karitative Zwecke gespendet.

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