Unzufrieden
«Wir haben eine bessere Behandlung verdient»: Nati-Trainer Petkovic fordert mehr Sachlichkeit von den Medien

In der abschliessenden Pressekonferenz zeigt sich der Nationaltrainer zufrieden mit den drei Siegen binnen acht Tagen. Und fordert von den Medien mehr Augenmass. Weil die Schweiz im Ausland mehr Ansehen geniesse.

Christian Brägger
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Nationaltrainer Vladimir Petkovic.

Nationaltrainer Vladimir Petkovic.

Claudio Thoma/Freshfocus

So gesprächig an einer Pressekonferenz hatte man Vladimir Petkovic lange nicht mehr erlebt. Nach dem 3:2 gegen Finnland war der Nationaltrainer im Bauch des Kybunpark guter Dinge, auch weil es mit drei Siegen, Einigkeit rund ums Team und viel Ruhe den wohl besten Zusammenzug der Schweizer unter ihm als Nationaltrainer gegeben hatte. Er sagte: «Auch dieser Sieg ist wichtig, die Spieler können nun viel positive Energie mitnehmen in ihre Vereine.»

Petkovic fand vor allem Gefallen daran, wie sein auf vielen Positionen umgestelltes Team über die gesamte Spielzeit gegen die Weltnummer 55 seinen Prinzipien treu geblieben war. Die Spielidee sei definitiv eingeimpft, sagte er. Und sie wurde gar noch idealer umgesetzt, als nach Wechseln in der zweiten Halbzeit die Balance zwischen den Titularen und den Ersatzspielern bedeutend besser funktionierte.

25 Spieler an die EM?

Offenbar überlegt die Uefa, an der EM Kadergrössen von 25 statt wie gewohnt 23 Spielern zuzulassen. Bei fünf möglichen Auswechslungen gäbe das mehr Spielraum. Das würde Petkovic insofern in die Karten spielen, weil er erst ungefähr 18 Schweizer als Fixstarter sieht. Und dahinter eine grosse Breite mit weiteren 12 Kandidaten, wobei er auch den einen oder anderen Jungen an die EM mitzunehmen gedenkt.

Trotzdem sah Petkovic an der Pressekonferenz auch Anlass zu Kritik. Bei den finnischen Gegentoren hätten sich seine Spieler teilweise zu naiv angestellt. Und weil der «Mister» gerade in Laune war und es aus ihm nur so sprudelte, hinterfragte er gleich noch die Rolle der Medien.

«Wir erhalten im Ausland mehr Anerkennung als in der Schweiz. Es ist auch die Aufgabe der Medien, sachlich zu analysieren und in der Kritik realistisch zu sein.»

Unzufrieden mit der medialen Bewertung

Petkovic hatte dabei die Auftritte gegen durchwegs starke Gegner wie Spanien oder Deutschland in der Nations League im Kopf, die er so positiv gesehen hatte, auch wenn die Schweiz fast aus der Topliga abgestiegen wäre. Und er dachte an die mediale Bewertung der ersten beiden Siege in der WM-Qualifikation (gegen Bulgarien und Litauen), die schon auch kritisch ausgefallen war. Wenngleich renommierte Nationen in anderen WM-Qualifikationsgruppen schon Punkte liegengelassen hätten. Petkovic sagte:

«Wir sind gut, wir haben eine bessere Behandlung verdient.»

Man müsse gemeinsam mit den Medien nun Strukturen schaffen, und nicht nur kritisieren. «Mitleben ist gut, aber man muss auch mitanalysieren. Dann kann man auch über konkrete Dinge positiv oder negativ reden.»

Diese Gedanken kamen in Petkovic auch auf, weil die Frage nach einem möglichen Exploit an einer Endrunde abermals gestellt wurde. Dieser vom Selbstverständnis der Spieler erhoffte, ja irgendwie auch erwartete erstmalige Viertelfinaleinzug wird immer wieder diskutiert. Für den Trainer stellt sich diese Diskussion indes nicht, vielmehr sagte er: «Jeder muss mithelfen, auch die Medien.» Fraglich ist, ob Petkovic die Rolle der Medien nicht ein wenig verkennt. Gelinde gesagt. Wie auch immer. Nächster Treffpunkt ist Ende Mai, wenn das Vorbereitungscamp für die EM-Endrunde losgeht. Mit den Medien.