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Ramon Untersander,
der unterschätzte Rheintaler

Alle reden von Roman Josi, gerühmt wird Mirco Müller und respektiert Captain Raphael Diaz. Aber der erstaunlichste Verteidiger an der Eishockey-WM ist der 27-jährige Widnauer Ramon Untersander.
Klaus Zaugg, Herning
Voller Einsatz: Ramon Untersander (links) im Spiel gegen Russland. (Bild: Andy Müller/Freshfocus)

Voller Einsatz: Ramon Untersander (links) im Spiel gegen Russland. (Bild: Andy Müller/Freshfocus)

Die Statistik erzählt schon fast die ganze Geschichte. Zehnmal hatte Ramon Untersander an Titelturnieren gespielt, an der WM 2017 sowie an den Olympischen Spielen 2018 und kein einziges Mal getroffen. In Kopenhagen ist er nun mit drei Toren der treffsicherste Verteidiger der Schweiz.

Die Erklärung für die Steigerung ist so banal wie folgerichtig: üben, üben, üben. «Wir haben in Bern ein Ritual. Nach jedem Aufwärmtraining am Vormittag vor einem Spiel machen wir intensives Schusstraining. Das hat mir geholfen. Wie gut Direktschüsse gelingen, hängt von der Sicherheit der Bewegungsabläufe und dem Timing ab. Je mehr man übt, desto besser wird man.» Und jetzt schlagen Untersanders ­Direktgeschosse auch in den internationalen Netzen ein. Dabei schiesst der Verteidiger den zugespielten Puck direkt aufs Tor. Heute sind gute Torhüter aus der Distanz praktisch nur noch so zu überwinden.

33 Tore in 171 Partien für den SC Bern

In der Karriere des Ostschweizers, dessen erster Club der SC Rheintal war, gibt es einen entscheidenden Punkt. Sozusagen ein «Pfingsterlebnis», das ihm die Augen geöffnet hat. Doch der Reihe nach. In Davos von 2006 bis 2012 bringt er es vom Junior zum durchschnittlichen NLA-Verteidiger. Aber in den vier nächsten Jahren stagniert er beim EHC Biel. Bis zu seinem Wechsel nach Bern im Sommer 2015 gelingen ihm in 284 NLA-Einsätzen bloss elf Tore. Und Kritiker orakeln nach seinem Transfer nach Bern bereits von einer baldigen vorzeitigen Rückkehr zu Biel. Weil Untersander nicht zugetraut wird, bei einem Titanen wie dem SC Bern eine tragende Rolle zu übernehmen. Er hat es zwar zu ein paar «Operetten-Länderspielen» gebracht. Aber zu keiner WM-Nomination. Doch er rockt den SC Bern und erzielte bisher für den Club in 171 Partien bereits 33 Tore. Er hat im besten Wortsinne den «Knopf aufgetan» und weiss warum. «Trainer Guy Boucher hat mir damals beim ersten Gespräch gesagt, dass er auf mich setzen werde und dass ich ein grosses Potenzial habe. Das hat mich überrascht und mir viel Selbstvertrauen gegeben.»

Es ist also ein NHL-Coach, der sein wahres Potenzial entdeckt hat. Ein wenig mahnt das Beispiel von Untersander an Luca Cunti, der bei den ZSC Lions sogar ins Farmteam verbannt worden war, ehe ihn der NHL-General Bob Hartley entdeckte und förderte. Cunti hat es dann bis zum WM-Silberhelden gebracht. Inzwischen hat der Rheintaler Untersander einen ähnlichen kulturellen Anpassungsprozess hinter sich wie Lars und Sven Leuenberger – der ZSC-Sportchef hat seinen Lebensmittelpunkt immer noch in Bern – Alex Chatelain oder Ivo Rüthemann: Auch er ist als Ostschweizer im Bernbiet heimisch geworden. Wie gut sich Sportler aus dem Land «hinter Zürich» – von Bern aus gesehen – im Eishockeyclub integrieren, ist bemerkenswert.

«Es ist einfach schön in Bern»

Kein Wunder, hat Untersander den Vertrag beim SC Bern im Februar 2017 vorzeitig bis 2022 prolongiert. Warum es für Menschen vom östlichen Rand des Landes so einfach ist, sich im Herzen der Schweiz zurechtzufinden, weiss er auch nicht. Er sagt: «Es ist halt einfach schön in Bern.»

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