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Unter Beschuss: Warum «Trainer-Genie» Mourinho gegen YB unter Druck steht

Die Kritik an José Mourinho wird im verflixten dritten Jahr in Manchester lauter. Rund um die United brodelt es – immerhin die Fans stehen fast schon unerklärlicherweise noch hinter dem «Trainer-Genie».

Jakob Weber
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José Mourinho
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José Mourinho ist seit 2016 der Trainer von Manchester United.
Zuvor war er Trainer bei Real Madrid.
Danach trainierte er den FC Chelsea, bevor er schliesslich zu Manchester United kam.
Der Portugiese ist ein ehemaliger Fussballspieler.
Mit ihm als Trainer hat Manchester United bereits drei Premier-League-Titel gewonnen.
Doch die Presse ist kein Freund von Mourinho.
Gerardo Seoane, der YB-Coach, hält ihn aber für einen "grossen Trainer".
Doch je schlechter es sportlich läuft, umso mehr motzt Mourinho.
«Mourinho kam als ein Trainer-Genie. Jetzt schaut er neidisch in Richtung Manchester City und Liverpool. Im Vergleich zu deren Spielweise sieht Mourinho mit seiner Art zu spielen veraltet aus.»
Auch 2018/19 stellt Manchester United den fünftwertvollsten Kader der Champions League.
Doch reicht das für einen Champions League-Sieg?
Für Manchester United beginnt die Champions League mit dem Spiel gegen den BSC Young Boys am Mittwochabend im Stade de Suisse.
Wird sich Man United durchsetzen?
Oder bleibt Mourinhos "Schweiz-Fluch" bestehen?

José Mourinho

Jean Francois Robert/freshfocus

Augenkontakt verboten. Erst ist Mourinhos Blick stur auf sein Handydisplay gerichtet. Dann starrt der United-Coach ins Leere, während er die Fragen der Journalisten vor dem Spiel gegen YB beantwortet. Pressekonferenzen mag er nicht und das zeigt Mourinho auch.

Die Beziehung zwischen dem egozentrischen Coach und der Presse war nie besonders gut, hat sich aber nach der jüngsten Kritikwelle weiter verschärft. Nach 13 Minuten dürfen am Dienstagabend keine weiteren Fragen gestellt werden. Das Eingewöhnungs-Training auf dem ungeliebten Kunstrasen steht an.

Drei Finger, drei Titel

Immerhin ist Mourinho nicht wie vor drei Wochen vorzeitig gegangen. Nach der 0:3-Heimpleite gegen Tottenham, der zweiten Niederlage im dritten Spiel, war der Fehlstart perfekt. «Wollt ihr gewinnen oder schön spielen? Entscheidet euch», faucht Mourinho die Journalisten an.

Wenig später hat er genug. Der Coach hebt drei Finger und sagt mit einem Blick, der töten könnte: «Wisst ihr, was das bedeutet? Das sind drei Gegentore, aber auch drei Titel. Ich alleine habe mehr Premier-League-Titel gewonnen als die 19 anderen Trainer zusammen.» Mourinho steht auf und flucht beim Verlassen des Podiums: «Drei für mich, zwei für die anderen. Wo bleibt der Respekt? Respekt, Männer. Respekt. Respekt.»

Provoziert er seinen Rauswurf?

Dieser neuerliche Arroganzanfall ist ein gefundenes Fressen für die vielen Mourinho-Kritiker. Gut für das Ego des Portugiesen, dass ihn Gerardo Seoane als «grossen Trainer» bezeichnet. Doch der YB-Coach schickt gleich einen Seitenhieb hinterher. Angesprochen auf Mourinhos «Schweiz-Fluch» sagt Seoane: «Ich hoffe natürlich, dass diese Serie bestehen bleibt.»

Zweimal gastierte Mourinho bisher in der Schweiz, sowohl mit Chelsea als auch mit ManUnited verlor er gegen den FC Basel jeweils mit 0:1. «Wenn ich wieder verliere und anschliessend wieder wie die beiden Male zuvor die Gruppe gewinne, kann diese Serie gerne bestehen bleiben», entgegnet Mourinho ohne auch nur eine Miene zu verziehen.

Selbst verschuldete Störfeuer

Es ist schwer, in das Seelenleben des José Mourinho zu blicken. Doch eine Regelmässigkeit ist auffällig. Egal ob bei Chelsea, in Madrid oder jetzt in Manchester. Je schlechter es sportlich läuft, umso mehr motzt Mourinho. Dann degradiert er auch mal ohne ersichtlichen Grund verdiente Spieler wie Iker Casillas oder entlässt eine Ärztin, weil diese angeblich zu früh zu einem verletzten Spieler aufs Feld geeilt war.

Diese selbst verursachten Störfeuer führten sowohl in Madrid als auch bei Chelsea im verflixten dritten Jahr zu Mourinhos Entlassung. Jetzt ist auch die dritte Saison bei Manchester United von Nebenschauplätzen geprägt. Nach ausbleibenden Star-Transfers stänkerte Mourinho: «Ich habe aktuell nicht die Spieler, um arbeiten zu können.»

Martial will nun doch bleiben, weil...

Den 22-jährigen Franzosen Antony Martial sortierte er aus, weil dieser nach der Geburt seiner Tochter nicht gleich ins Trainingslager nach Amerika zurückgekehrt war. Martial wollte weg, musste aber bleiben.

Jetzt überlegt sich der Franzose tatsächlich, einen neuen Fünfjahresvertrag zu unterschreiben. Martial geht davon aus, länger hier zu sein als der Trainer. Auch der britische Boulevard spekuliert längst, Mourinho wolle mit seinem Verhalten die Entlassung bei United provozieren. Mit Zinedine Zidane stünde auch ein potenzieller Nachfolger bereit.

Die Fans stehen hinter Mourinho

Die Kritik flacht auch nach zuletzt zwei Siegen nicht ab. Der ehemalige Chelsea-Stürmer Chris Sutton bringt es auf den Punkt: «Mourinho kam als Trainer-Genie. Jetzt schaut er neidisch in Richtung Manchester City und Liverpool. Im Vergleich zu deren Spielweise sieht Mourinho mit seiner Art zu spielen veraltet aus.»

Einziger Lichtblick für Mourinho: Obwohl er von allen Seiten unter Beschuss ist, geniesst er bei den Fans unerklärlich grossen Rückhalt. Das machen Gesänge und Flugzeugbanner, die gegen Ed Woodward gerichtet sind, deutlich. Der stellvertretende Geschäftsführer ist in vielen Augen der Schuldige für die sportliche Misere, weil er nicht gekauft hat, wen Mourinho unbedingt wollte.

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