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UNSPUNNENFEST: Das müssen Sie über das Unspunnen wissen

Was hat der Unspunnenstein mit dem Appenzellerland zu tun? Was macht dieses Fest im Berner Oberland so speziell? Und was ist eigentlich eine Spitzenpaarung? Wir haben die Antworten zu den wichtigsten Fragen rund ums Unspunnen-Fest.
Christof Krapf
Fahnenschwinger am Unspunnen 2011. (Bild: Keystone)

Fahnenschwinger am Unspunnen 2011. (Bild: Keystone)

1) Woher kommt der Name Unspunnen?
Das erste Unspunnenfest 1805 wurde auf dem Bödeli bei der Burg Unspunnen ausgetragen. Der Name "Unspunnen" geht gemäss dem "Schweizerischen Idiotikon" wohl auf den keltischen Flurnamen "ussubonno" zurück. Im 12.Jahrhundert bewohnte dann Freiherr Burkhard von Unspunnen die Burg zwischen Thuner- und Brienzersee. 2011 wurde das Fest erstmals im Zentrum von Interlaken ausgetragen - Grund dafür war der grössere Zuschaueraufmarsch; am Unspunnen-Schwinget werden 15'000 Zuschauer erwartet.

2) Was hat der Unspunnenstein mit der Ostschweiz zu tun?
Zum Erstaunen der Berner brachten die Appenzeller am ersten Unspunnen-Fest einen 92 Kilogramm schweren abgerundeten Stein mit. Seitdem gehört das Steinstossen fest zum Wettkampfprogramm. Später musste der Stein als politisches Protestsymbol herhalten. 1984 stahlen jurassische Separatisten ihn aus einem Museum in Interlaken - erst 2001 kam er wieder zum Vorschein. Die Jurassier hatten den Stein allerdings mit ihrem Emblem und zwölf Europasternen verziert. Dadurch verlor dieser zwei Kilogramm an Gewicht und musste ersetzt werden. 2005 wurde der Originalstein erneut gestohlen - am Tatort blieb ein Wappen des Kantons Jura zurück. Dieses Jahr wird mit einem 83,5 kg schweren Duplikat gestossen. Dieses wird zwischen den Festen in einem Banktresor aufbewahrt.



3) Wie ist das Unspunnenfest entstanden?
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts schwand der Einfluss von Napoleon in der Schweiz. Vier Berner Patrizier initiierten das Alphirtenfest, um eine Versöhnung zwischen Stadt und Land herbeizuführen. Ganz uneigennützig gingen sie dabei nicht vor - es ging den Patriziern auch darum, ihre Macht im ländlichen Bernbiet zu restaurieren. In der Ankündigung des Festes im Pariser "Moniteur Universel" und den "Gemeinnützigen Schweizerischen Nachrichten" schrieb Mitinitiant Franz Sigmund Wagner: "Nach den langen Jahren des Diktats und der Demütigung durch die Franzosen sollte dem Schweizer Volk wieder einmal Gelegenheit zu echter Festfreude geboten werden, sollten schweizerische Kampfspiele und Lieder das Selbstgefühl und das Nationalbewusstsein stärken." Von Erfolg gekrönt war die Idee aber nicht: Im Berner Oberland kam es in der Folge immer wieder zu Unruhen - das zweite Unspunnen-Fest fand deshalb erst 1905 statt.

4) Eidgenössisches, Schwägalp und Unspunnen - ich bin verwirrt. Was unterscheidet diese Feste?
Anlässe mit "Eidgenössischem Charakter" sind die wichtigsten und prestigeträchtigsten Wettkämpfe. Dazu gehören das Eidgenössische, das alle drei Jahre stattfindet, sowie das Kilchberger und das Unspunnen - diese Feste werden im Sechs-Jahres-Rhythmus ausgetragen. Von den Festen, die jedes Jahr auf dem Programm stehen, sind die Bergfeste am wichtigsten. Diese finden auf der Schwägalp, dem Weissenstein, dem Brünig, der Rigi und am Schwarzsee statt.

5) Was sind Spitzenpaarungen?
Wer gegen wen kämpft, wird im Schwingen nicht ausgelost, sondern eingeteilt. Traditionsgemäss treffen zum Auftakt eines Festes die Besten aufeinander. An grösseren Festen und "Eidgenössischen Anlässen" achtet das Einteilungsgericht darauf, dass möglichst keine Schwinger aus der gleichen Region aufeinander treffen. Das sind die Spitzenpaarungen mit Nordostschweizer Beteiligung am Unspunnen:

Bösch Daniel*** (NOSV) - Stucki Christian*** (BKSV)
Orlik Armon*** (NOSV) - Sempach Matthias*** (BKSV)
Aeschnacher Matthias** (BKSV) - Leuppi Samir*** (NOSV)
Rychen Roger*** (NOSV) - Sempach Thomas*** (BKSV)

6) Das mit den Spitzenpaarungen verstehe ich jetzt. Aber was hat es mit den Sternen neben den Namen der Schwinger auf sich?
Damit wird der Status eines Schwingers angezeigt. Ein Stern bekommt ein Athlet, der an einem Kantonalfest einen Kranz gewonnen hat. Diese Auszeichnung erhalten die ersten 15 bis 18 Prozent der Rangliste. Zwei Sterne gibt es für den Kranzgewinn an einem Teilverbands- oder Bergfest. Wer sich an einem Eidgenössischen einen Kranz erschwingt, wird in der Einteilungsliste mit drei Sternen geführt - und darf sich fortan "Eidgenosse" nennen.

7) Wer ist der Favorit auf den Unspunnensieg?
Für die meisten Experten ist der Berner Christian Stucki der Topfavorit. Der 140 Kilogramm schwere Seeländer hat in dieser Saison mit dem Berner Kantonalen sowie dem Brünig- und dem Weissenstein-Schwinget drei prestigeträchtige Feste für sich entschieden. Aus der Berner Mannschaft bekommt er Konkurrenz von den beiden Königen Kilian Wenger und Matthias Sempach. Von den Ostschweizern haben der Bündner Armon Orlik und der St.Galler Daniel Bösch Chancen auf den Festsieg. Orlik stand letztes Jahr am Eidgenössischen im Schlussgang; Bösch gewann das Unspunnen 2011 und siegte an der Hauptprobe vor einer Woche auf der Schwägalp.

8) Welches sind die grossen Abwesenden am Unspunnen 2017?
Der Toggenburger Schwingerkönig Arnold Forrer musste seine Saison wegen einer Hüftverletzung beenden. Mit Matthias Glarner - er verunfallte Ende Juni bei einem Fotoshooting - fehlt ein weiterer König. Zuletzt musste auch der Thurgauer Hoffnungsträger Samuel Giger wegen einer Schulterverletzung Forfait geben. 

9) Wie viele Ostschweizer triumphierten schon am Unspunnen?
Von den 22 Unspunnen-Siegern stammen lediglich drei aus der Ostschweiz. Nebst Daniel Bösch (2011) siegten mit dem Appenzeller Thomas Sutter (1993) und dem Toggenburger Jörg Abderhalden (1999) zwei Schwingerkönige. Abderhalden ist bisher der einzige Schwinger, dem der "Grand Slam" mit Siegen am Eidgenössischen, dem Kilchberger und dem Unspunnen gelang.

10) Welche Premiere könnte Daniel Bösch schaffen?
Der St.Galler könnte der erste Schwinger sein, der das Unspunnen zweimal gewinnt.

11) Mir ist aufgefallen, dass manche Schwinger in weissem T-Shirt statt im Sennenhemd antreten. Warum?
Der Eidgenössische Schwingerverband unterscheidet zwischen Sennen- und Turnerschwingern. Erstere sind Mitglied in einem reinen Schwingclub und treten im Sennenhemd an. Letztere starten für einen Turnverein mit Schwingsektion und tragen im Ring ein weisses Leibchen und weisse Hosen.

12) Was können die Schwinger am Unspunnen gewinnen?
Der Gewinner erhält den Siegermuni Gottlieb. Daneben gibt es fünf weitere Lebendpreise zu gewinnen. Im Unterschied zu anderen Schwingfesten gibt es am Unspunnen keine Kränze zu holen - nur der Sieg zählt.

Mehr zum Schwingen gibt es in unserem Schwinger-ABC.

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