Kolumne

Unsere neuen Stimmen des Sports: Die neuen Sport-Kolumnistinnen der «Schweiz am Wochenende» stellen sich vor

Was ist der Unterschied zwischen Xherdan und Granit? Darf die Schweiz je wieder einen Roger bestaunen? Wird Wendy Weltmeisterin? Welche Schattenseiten trüben das Sport-Business? Und: Welchen Sportlerinnen und Sportlern schenken wir viel zu wenig Aufmerksamkeit? Unsere neuen Expertinnen beschäftigen sich künftig jeden Samstag mit solchen und vielen anderen Fragen.

Sarah Akanji, Florence Schelling, Steffi Buchli, Céline Feller
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Die neuen Sport-Kolumnistinnen der «Schweiz am Wochenende» stellen sich vor: Sarah Akanji, Florence Schelling, Steffi Buchli und Céline Feller (von links nach rechts).

Die neuen Sport-Kolumnistinnen der «Schweiz am Wochenende» stellen sich vor: Sarah Akanji, Florence Schelling, Steffi Buchli und Céline Feller (von links nach rechts).

CH Media / Colin Frei

Weil sie Gehör findet!

Sarah Akanji

Sarah Akanji

Sarah Akanji

Sie ist Politikerin, darf sich als ­Historikerin bezeichnen, spielt Fussball im schönen Winterthur und outet sich gerne als Taktik-Fan.

Der perfekte Start für meine Kolumne? Ein Loblieb auf Megan Rapinoe. 2019 war ihr Jahr. Sie gewann mit dem amerikanischen Nationalteam die WM in Frankreich und räumte alle möglichen Preise ab, so wurde sie von der «Sports Illustrated» als «Sportsperson of the year» ausgezeichnet und von der Fifa als Weltfussballerin des Jahres.

Was sie von anderen Fussballerinnen unterscheidet, ist, dass sie nicht nur im Job Weltklasse ist, sondern auch als meinungsstarke, mutige und selbstbewusste Persönlichkeit auftritt. Und dabei nie ihren Humor und ihre Bodenständigkeit verliert. Sie fordert Lohngleichheit für Fussballerinnen, kritisiert Trumps Politik und stellt sich an die Seite von American Football Spieler Colin Kaepernick, der sich öffentlich gegen Rassismus und Polizeigewalt wehrt.

Megan Rapinoe bricht mit Rollenbildern, polarisiert und findet Gehör. Sie ist eine Heldin in den USA, ein Vorbild für junge Sportlerinnen und eine Inspiration für die ganze Gesellschaft. Von mir erhält sie zwar keinen Preis, dafür aber meinen tiefsten Respekt. Auf dass sie uns allen mit ihrer Unerschrockenheit weiter Mut macht, uns mit Witz und Lockerheit unterhält. Und den Sport über das Jahr 2019 hinaus prägt.

Und jetzt: Schlafen

Florence Schelling

Florence Schelling

Keystone

Florence Schelling

Sie trägt Olympia-Bronze, coacht die Eishockey-Nati der U18-Frauen, expertet bei SRF und schaut gerne mal Tennis und Skirennen.

Es ist kurz vor Mittag. Ich sitze am Flughafen Zürich. Und am liebsten würde ich gerade einfach nur: schlafen, schlafen, schlafen. Die heisse Schokolade hindert mich noch knapp daran. Die Vorfreude auf einige Tage nichts tun in den Bergen ist gerade ziemlich gross.

Am Freitag bin ich mit meinen U18-Frauen aus der Slowakei zurückgereist. Meine erste WM als Trainerin ist vorbei. Es waren zehn Tage voller Aufregung, neuen Erfahrungen, grosser ­Anstrengung – verbunden aber auch mit jeder Menge Spass. Ich blicke besser nicht zurück, wie ich als Torhüterin jeweils so eine WM erlebte, mit viel Zeit für mich selbst und zur Erholung. Aber es ist schon faszinierend, welch riesiger Aufwand ein Trainerteam hat – und wie unsichtbar dieser für die meisten Spielerinnen bleibt. Tönt das jetzt neidisch? War nicht so gemeint.

Sportlich haben wir unser Ziel erreicht – den Ligaerhalt. Zum Glück war das Abstiegsplayout gegen die Slowakei nach zwei Spielen vorbei, bei einigen Spielerinnen waren die Energietanks leer, weil sie krank waren. Das Highlight war unser Sieg gleich zum Auftakt gegen Tschechien. Um übers Ziel hinauszuschiessen, haben uns dann leider einige Tore gefehlt. Es ist eine Analyse, mit der die Schweiz durchaus vertraut ist.

Der Körper lernt

Steffi Buchli

Steffi Buchli

Keystone

Steffi Buchli

Sie ist «MySports»-Programmleiterin, war bei Olympia, an WM und EM und meint darum manchmal, sie habe sportlich alles gesehen.

Ich liege lachend im Schnee und versuche mich aufzurappeln. Die «gschtabigen» Skis liegen wie Mikado-Stäbe über Kreuz. Ich entwirre das Chaos und komme wieder auf die Beine. «Es ist noch kein Dario Cologna vom Himmel gefallen», kalauere ich hoch motiviert. «Los, weiter.»

Ich habe mich in der Altjahres-Woche gleich dreifach herausgefordert: Langlauf-Kurs, Ski­lehrer-Stunde, Online-Yoga. Wann haben Sie zuletzt eine neue Bewegung gelernt, sind dabei kläglich gescheitert und haben sich wenig später diebisch über einen Mini-Fortschritt gefreut? Wow, tat das gut! Ich habe gelacht, gefühlt und der Körper hat gelernt. DER KÖRPER, nicht immer nur der Kopf. Wie «verkopft» ist doch unser Alltag?! Das Leben ist zu wenig Spiel, zu viel Ernst. Zu viel Denken, zu wenig Fühlen. Wir trimmen uns auf erwachsenes Stillsitzen und vergessen das kindliche Herumtollen.

Wobei ich auf der dritten Loipenrunde mit sauren Beinen durchaus mal Flüche in Richtung meiner Zehen schicke: Entkrampfen im Langlauf-Schuh, subito! Eine rüstige Mitt-Achtzigerin überholt mich freundlich grüssend und schiebt ein mütterliches «Prima machen Sie das!» nach. Ich keuche ihr lachend hinterher: «Warten Sie nur, morgen hol’ ich Sie!» Das Leben ist gut.

Leiden mit einer Liebe

Céline Feller

Céline Feller

bz

Céline Feller

Sie bezeichnet Fussball als die schönste Hauptsache der Welt, schreibt täglich darüber und verehrt ohne jede Scham Manchester United.

Nein! Wieso? Unverständlich. Sieg verschenkt. Schon vor dem Spiel. Diese Aufstellung. Mann. Screenshot. Whatsapp-Nachricht an den Bruder. Antwort: Alles Idioten! Und jetzt? 60 Minuten Zeit, um sich auf das Leiden mit der Liebe vorzubereiten. Es ist ein Ritual. Alle drei Tage. Zwischen Weihnachten, Boxing Day – dem schönsten aller Feiertage – und Neujahr gar alle zwei Tage. Einfach immer, wenn die grosse fussballerische Liebe kickt. Manchester. Die Roten. Die Teufel. Natürlich. United. Nicht der Noisy Neighbour. Der Retortenklub. Bäh.

Anpfiff. Fehlpass. Stellungsfehler. Haareraufen. Unverständnis. Einmal. Wieder und wieder. Es ist immer mehr geworden. Seit er weg ist. SAF. Sir. Alex. Ferguson. Der Grösste. Der Beste. Der Goat. Danach? Der Erfolglose. Der Tulpengeneral. Der nicht mehr so Special One. Reinfälle. Und Solskjaer? Hach. Mal so. Mal so. Wie seine Spieler. Unkonstant. Google-Check. Statistik-Update. Schrei des Kommentators. Riesenchance! Adrenalin! Hoffnung! Daneben. Konter. Riesensafe. Dave saves! Und dann? Immer das Gleiche. Boom. Gegentor. Mein ach so schönes neues Trikot? Pechbringer. Fluchen. Niederlage. Ausgerechnet gegen Arsenal. 0:2. Bitter. Aber: Bin daran gewöhnt. Ist ja ein Ritual. Diese Niederlagen. Meist. Leider. Die Liebe? Bleibt.