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UNRUHE: Die grauen Grasshoppers

Der morgige Gegner des FC St. Gallen ist im Mittelmass versunken. Für Schlagzeilen sorgt der Rekordmeister vor allem neben dem Platz – zum Beispiel in der Führungsetage.
Pascal Berger
Die erste Euphorie um Trainer Murat Yakin ist bei den Grasshoppers verflogen. (Bild: KEY)

Die erste Euphorie um Trainer Murat Yakin ist bei den Grasshoppers verflogen. (Bild: KEY)

Pascal Berger

Als die Grasshoppers im vergangenen August die Notbremse zogen und Carlos Bernegger durch Murat Yakin ersetzten, verbanden sie die Massnahme auch mit der Hoffnung, dass bessere Zeiten anbrechen. Dass sie nun einen Trainer haben, der Träume erfüllen kann. Der einen Club wieder gross machen kann, der sich zwar immer noch Rekordmeister nennen darf, aber die Ausstrahlung seiner glamourösen Tage ver­loren hat. Der von Basel und den Young Boys abgehängt worden und ins graue Mittelmass abgedriftet ist.

Yakin verfügt über Selbst­vertrauen, sein grösstes Interesse besteht darin, Titel zu gewinnen. Und wenn er bei den Zürchern diese Sehnsucht spürt, diesen Hunger nach Erfolg, wehrt er sich nicht dagegen. Er hält das Projekt für ambitioniert, aber auch für realistisch. Der Anfang war so, wie sich Yakin das vorgestellt ­hatte. Und die Clubleitung war entzückt, wie reibungslos alles lief. Sieben Mal in Serie blieben die Grasshoppers ungeschlagen – bis die Reise nach St. Gallen führte und der neue Chef beim 1:3 seine erste Niederlage erlitt.

Umbrüche hüben wie drüben

Inzwischen ist die Euphorie jener Wochen im Spätsommer ver­flogen. Und die Grasshoppers sind wieder ein Club, der weniger für Schlagzeilen auf, sondern neben dem Platz sorgt. Da sind zum einen die regen Transfer­aktivitäten, die nicht zur Identitätsstiftung beitragen – im vergangenen Sommer verliessen zwölf Spieler den Club, acht kamen hinzu; im Winter wurden sieben Neue geholt, und sieben gingen. Und da ist zum andern die Spannung auf der Führungsebene. Nichts konnte das deutlicher zum Ausdruck bringen als die Entlassung von Verwaltungsrat und Vizepräsident Roland Klein. An dieser Personalie lassen sich Strömungen im Verein festmachen. Um dem entgegenzuwirken, griff Stephan Anliker als Präsident durch, setzte die Freistellung durch und erklärte das damit, dass Klein der falsche Mann in diesem Gremium ge­wesen sei. Er habe, so der Vorwurf, zu stark in die operativen Vorgänge eingegriffen und sich in Bereiche eingemischt, die nicht zu seinen Kernkompetenzen gehörten.

Dazu muss man wissen, dass Klein eine enge Bindung zu Yakin hat. Das Duo bildete zusammen mit Sportchef Mathias Walther auch die Sportkommission. Einigermassen erstaunlich ist die Freistellung auch, weil Klein nicht nur bei Yakin hoch im Kurs stand, sondern auch bei Heinz Spross und Peter Stüber. Seit Anfang Jahr gehören den beiden je 30 Prozent der Aktien des Clubs, weitere 30 Prozent sind in Besitz von Anliker. Und: Klein war auch ein Vertrauter von Erich Vogel, dem Spross sowie Stüber nahestehen. Und der frühere GC-Manager Vogel, inzwischen 79 Jahre alt, kann es offensichtlich nicht lassen, aus dem Hintergrund zu wirken. Präsident Anliker erklärt, dass die Absetzung von Klein mit Spross und Stüber abgesprochen sei. Und er weiss, dass er nun auch Vogels Einflussnahme beenden muss, um nicht permanente Unruhe im Haus zu haben.

Klein ist also gescheitert. Ihn dürfte Geschäftsführer Manuel Huber in der Geschäftsführung er­setzen. Und wieder gestärkt ist die Position von Sportchef Walther. Aber es fragt sich, wie Yakin damit umgeht und ob es ihn überhaupt tangiert. Sicher ist, dass er noch als unantastbar gilt. Aber fraglich ist, ob er weiterhin Spieler aussortieren kann, die in seinen Überlegungen keine Rolle spielen. Milan Vilotic ist eines dieser Beispiele, der einst Captain war und jetzt bis zum Ende seines Vertrags einen Stammplatz hat – auf der Ersatzbank.

Die Schraube stetig anziehen

Yakin hat deutliche Vorstellungen, wen und was er will. Und er hat unlängst deutlich gemacht, dass er mit unangenehmen Entscheiden fortfährt, wenn es im Sinn des Erfolgs ist. Nach dem 0:0 gegen Lausanne sagte er – sichtlich und hörbar genervt –, er müsse wohl weiter die Schraube anziehen, bis er eine Mannschaft mit einer Mentalität beisammenhabe, die solche Spiele gewinne. Zu tun hat Yakin noch genug, bis die Grasshoppers ihr graues Kleid abgestreift und sich wieder attraktiv gemacht haben.

Vor zwei Wochen verloren sich gerade einmal 3100 Zuschauer im Letzigrund. Sie sahen eine schwache Partie, keine Tore. Und am Ende vergriff sich Yakin derart im Ton, dass ihn der Schiedsrichter auf die Tribüne schickte. Ob er morgen in St. Gallen seine erste Sperre absitzen muss oder an der Seitenlinie stehen darf, ist von der Liga noch nicht kommuniziert worden.

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