Interview

Unihockey-Nationalspieler Joël Rüegger nach dem 51:0-Sieg gegen die Elfenbeinküste: «Das war natürlich nicht mehr lustig»

Die Schweizer Unihockey-Nati hat sich wie erwartet für die WM in Finnland qualifiziert. Dabei hat sie sich vorwiegend mit zweit- und drittklassigen Gegnern gemessen. Nationalspieler Joël Rüegger blickt auf das Qualifikationsturnier in der Slowakei zurück.

Alessandro Crippa
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Joël Rüegger hat mit der Nati ein erfolgreiches Wochenende verbracht.

Joël Rüegger hat mit der Nati ein erfolgreiches Wochenende verbracht.

Bild: Swiss Unihockey /Keystone

Es sind Resultate, die aufhorchen lassen: Die Schweiz gewinnt im slowakischen Poprad mit 51:0 gegen die Elfenbeinküste, mit 11:2 gegen Russland, mit 26:1 gegen Belgien und mit 16:3 gegen die Slowakei. Damit hat sie sich wie erwartet für die kommenden Weltmeisterschaften in Helsinki (4. bis 12. Dezember) qualifiziert.

Bei diesen hohen Siegen mit dabei war Joël Rüegger von GC Unihockey. Im Spiel gegen die Elfenbeinküste hat er 13 Punkte verbucht und damit einen grossen Anteil am höchsten Sieg in der Geschichte des Männer-Unihockey. Ein Weltrekord ist es indes nicht, weil insgesamt nur sieben Spieler der Elfenbeinküste ein Visum erhielten. Der internationale Unihockey-Verband hat entschieden, das Spiel nicht zu werten. Der Verband will in Zukunft das Reglement anpassen und festlegen, dass ein Nationalteam mit mindestens zwölf Spielern anreisen muss.

Joël Rüegger, Ihr Trainer David Jansson meinte nach dem Turnier, Sie hätten sich als Team weiterentwickelt. Wie soll das möglich sein, wenn man so hoch gewinnt?

Spielerisch kann man sicherlich darüber diskutieren, weil wir nicht wirklich gefordert wurden. Aber gerade unser Trainer hat auch neue Spieler gesehen, die noch nie aufgeboten waren. Und für das Team bringt es immer etwas. Wir waren wieder fünf Tage zusammen und mit der Nati haben wir ja nicht sehr viele Zusammenzüge.

Die Schweizer Nati posiert nach der geschafften WM-Qualifikation für ein Gruppenbild.

Die Schweizer Nati posiert nach der geschafften WM-Qualifikation für ein Gruppenbild.

Bild: Swiss Unihockey / Facebook

Hatten Sie gegen die Elfenbeinküste trotzdem noch Spass?

Gegen die Elfenbeinküste war es extrem schwierig, weil das Team nur mit sieben Mann angetreten ist. Das war natürlich nicht mehr lustig. Wir haben uns dann extrem zurückgenommen, damit unser Gegner wenigstens noch ein bisschen Ballbesitz hatte und wir hoffen, es hat ihnen wenigstens einigermassen Spass gemacht. Für uns war vor allem das letzte Spiel gegen die Slowakei (Anm. d. Red. Die Schweiz gewinnt mit 16:3) spielerisch wertvoll.

Wie fest ist das Halbfinal-Out von der WM 2018 mit dem Out im Penaltyschiessen gegen Schweden noch in den Köpfen von Ihnen, den Nationalspielern?

Ich denke, wir haben das durchaus verdauen können – auch, weil es einige Veränderungen im Team gegeben hat. Aber natürlich, immer, wenn man darauf angesprochen wird, kommen Erinnerungen hoch. Auch die Spieler der Elfenbeinküste haben uns darauf angesprochen, weil sie dieses Spiel live auf Youtube angeschaut haben. Und schlussendlich war es auch ein guter Match unsererseits. Wir waren dort, wo wir sein wollten – einfach ohne den krönenden Abschluss. Aber wir konnten 60 Minuten plus in der Verlängerung mit den Schweden mithalten.

«Wir wollen an der nächsten WM in den Final, wir wollen den Titel holen. Und ich denke, das ist auch realistisch.»

Welches sind die nächsten Ziele mit der Nati?

Wir wollen an der nächsten WM in den Final, wir wollen den Titel holen. Und ich denke, das ist auch realistisch. Deshalb war auch dieses Spiel gegen die Schweden ein wichtiges Zeichen unsererseits.

Für Sie geht es nun zurück in den Verein, wo Sie am Samstag mit GC als Leader auf Waldkirch-St.Gallen treffen, den aktuellen Sechsten. So einfach wie gegen die Elfenbeinküste wird es aber da nicht, oder?

Nein, auf keinen Fall. Das wird wieder ganz anders. Unser Gegner will in die Playoffs, er wird motiviert sein und deshalb werden wir uns sicher nicht zurücklehnen können.

Am Wochenende geht Rüegger (Mitte) wieder für seinen Klub, GC Unihockey, auf Torejagd.

Am Wochenende geht Rüegger (Mitte) wieder für seinen Klub, GC Unihockey, auf Torejagd.

Bild: Freshfocus