UNGLÜCK: Tragischer Unfall wirft viele Fragen auf

Der Tod des erst 23 Jahre alten Michael Goolaerts bei Paris–Roubaix hat die Radsportwelt erschüttert. Gleichzeitig bleiben viele Fragen unbeantwortet. Die genauen Hintergründe sind derzeit noch nicht bekannt.

Jürgen Magh (sid), Lille
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Michael Goolaerts kann am Strassenrand wiederbelebt werden – er stirbt aber später im Spital von Lille. (Bild: Etienne Laurent/EPA)

Michael Goolaerts kann am Strassenrand wiederbelebt werden – er stirbt aber später im Spital von Lille. (Bild: Etienne Laurent/EPA)

Jürgen Magh (SID), Lille

Die Radsportwelt liegt in tiefer Trauer, lähmendes Entsetzen machte sich nach dem Tod des belgischen Profis Michael Goo­laerts am Sonntag beim Frühjahrsklassiker Paris–Roubaix breit. Der 23-Jährige war nach einem Sturz auf einer Kopfsteinpflaster-Passage gut 148 Kilometer vor dem Ziel nach einem Herzstillstand noch an der Strecke wiederbelebt und ins Krankenhaus von Lille geflogen worden, starb dort aber gegen 22.40 Uhr im Beisein seiner Familie und engsten Freunde. Während Offizielle und Fahrerkollegen kollektiv ihre Anteilnahme ausdrückten, lief im Hintergrund die Suche nach den Antworten auf die drängenden Fragen: Wie und Warum?

Weshalb Goolaerts erste Begegnung mit der «Königin der Klassiker» tödlich endete, war auch am Tag nach der Tragödie noch unklar. Als gesichert gilt: Er kam nach gut 100 der insgesamt 253 Rennkilometer auf dem zweiten Kopfsteinpflaster-Sektor Briastreo ohne Fremdeinwirkung zu Fall. TV-Bilder hatten den Sturz nicht eingefangen, zu sehen war lediglich, wie Goolaerts mit gekreuzten Armen auf dem Boden lag, kein anderer Fahrer war zu diesem Zeitpunkt in der Nähe.

Ursache des Infarkts noch ungeklärt

Ungeklärt ist: Hat Goolaerts den Herzstillstand vor dem Sturz erlitten oder war er eine Folge des Sturzes? Die französische Justiz hat eine Untersuchung eingeleitet. In den nächsten Tagen werde eine Autopsie durchgeführt, um die Todesursache zu ermitteln.

«Mit unvorstellbarer Trauer müssen wir den Tod unseres Fahrers und Freundes Michael Goolaerts bekanntgeben. Er starb an einem Herzstillstand, alle medizinische Hilfe half nichts», so die Twitter-Mitteilung seines Rennstalls Veranda’s Willems-Crelan, für den Goolaerts in seiner zweiten Saison fuhr. Teamkapitän Wout van Aert sagte: «Goolie, Dein ewiges Lächeln war für mich Inspiration.» Auch Weltverbandspräsident David Lappartient war erschüttert: «Im Namen der UCI und der gesamten Radsportfamilie möchte ich der Familie, dem Team und allen Nahestehenden mein tiefstes Beileid zum Tod von Michael Goolaerts ausdrücken, der viel zu früh von uns gegangen ist. Wir teilen ihre unermessliche Trauer.»

Rennergebnisse rücken in den Hintergrund

Auch der Slowake Peter Sagan konnte seinen ersten Sieg bei Paris–Roubaix nicht geniessen. «Alle Gedanken und Gebete meines Teams und von mir gehören Michael Goolaerts. Was für eine traurige Nachricht», schrieb der Star des Radzirkus bei Twitter.

In die Trauer mischten sich auch Zweifel. Goolaerts’ Infarkt wirft Fragen auf. «Seit Simpsons Tragödie hinterlassen diese Dramen viel Bitterkeit und viele Fragen», schrieb die italienische «Gazzetta dello Sport». 1967 war der Brite Tom Simpson beim Anstieg auf den Mont Ventoux an der Tour de France kollabiert und erlitt einen Herzstillstand. Der 29-Jährige verstarb am Strassenrand. Im Jahr zuvor hatte er zugegeben, Dopingmittel eingenommen zu haben.