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Unersättlich

Warum Sam Allardyce nach genau 67 Tagen als englischer Nationaltrainer seinen Hut nehmen musste. Notabene nach seiner zweiten Verfehlung innert zehn Jahren. Ein Skandal, der noch weite Kreise um sich ziehen wird.
Sebastian Borger/London

Grundsätzlich gilt die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen, selbst für Fussballtrainer. Im Fall des zurückgetretenen englischen Nationalcoachs Sam Allardyce sind Zweifel berechtigt. Der Ruf des 61-Jährigen wurde nun zum zweitenmal binnen zehn Jahren durch Undercover-Reporter in Zweifel gezogen. Und obwohl Allardyces Vergehen im Vergleich zu den damaligen Machenschaften harmlos wirken, musste er nach genau 67 Tagen und einem Spiel – 1:0 gegen die Slowakei – vom Amt des englischen Nationaltrainers zurücktreten.

Der englische Verband FA begründete den Entscheid damit, der Cheftrainer stehe in einer Vorbildfunktion und müsse «jederzeit Respekt für die Integrität des Sports» zeigen. Die Enthüllungen des «Daily Telegraph» offenbarten einen Mangel an Respekt. Im Gespräch mit den Journalisten des Blattes, die sich als Abgesandte einer asiatischen Sportvermarktungsfirma vorgestellt hatten, und im Beisein zweier Berater machte sich Allardyce über den Sprachfehler seines Vorgängers Roy Hodgson lustig, äusserte Zweifel an den Fähigkeiten von dessen Assistenten und beurteilte den Neubau des Wembley als «dämlich».

Wie man den Verband aushebelt

Allardyces Jahresgehalt war auf 3,8 Millionen Franken ausgehandelt worden. Diese Summe scheint dem Nationalcoach nicht gereicht zu haben. Jedenfalls nahm er ein Angebot jener angeblichen Geschäftsleute an: Als Gegenleistung für vier Abende mit einer launigen Rede und anschliessenden Bargesprächen in Singapur und Hongkong sollte Allardyce 505 000 Franken erhalten. Das Genick brach ihm aber etwas anderes: Allardyce bot den Geschäftsfreunden Ratschläge dazu an, wie man Verbandsregeln zu Spielertransfers umgehen könne. Dabei ging es darum, dass Sportmarketingfirmen einen Teil der Rechte an Spielern besitzen, was seit 2008 auf der Insel verboten ist. Der frühere Uefa-Präsident Michel Platini bezeichnete die Praxis einmal als moderne Form der Sklaverei. Den englischen Nationalcoach schienen ethische Bedenken nicht zu beeinträchtigen.

Das muss seine Arbeitgeber bei der FA an Ermittlungen erinnert haben, die 2006 ein Undercover-Report der BBC ausgelöst hatte. In einer investigativen Sendung behaupteten zwei Spieleragenten, Allardyce, damals Trainer des Erstligaclubs Bolton, sowie sein Sohn Craig, ein Spielervermittler, hätten sich bei Transfers korrumpieren lassen. «Wenn du mit Sam einen guten Deal machen willst, musst du ihm auch etwas geben», sagte einer der beiden Zeugen. Allardyce junior brüstete sich dem Reporter gegenüber mit seinen guten Kontakten zum Papa – und erhielt demnach bei drei Transfers ausländischer Spieler zum väterlichen Club illegale Zahlungen.

Die Affäre Allardyce war nur die Spitze des Eisbergs: 18 Trainer der 92 englischen Profiteams waren demnach involviert. In einer gründlichen Untersuchung kam damals die FA zum Ergebnis: An 17 von 362 Transfers bleibe ein Makel haften.

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