Unerklärlicher Leistungseinbruch

FUSSBALL. Der Auftritt des FC St. Gallen gegen Zürich stimmte auch am Tag nach der Niederlage nachdenklich. Die offensive Harmlosigkeit und die defensive Instabilität fielen ins Gewicht. Tat der Sieg in Basel der Mannschaft am Ende nicht gut?

Christian Brägger
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Eine Aktion mit Folgen: Mario Mutsch verletzt sich im Zweikampf mit dem Zürcher Marco Schönbächler. (Bild: ky/Ennio Leanza)

Eine Aktion mit Folgen: Mario Mutsch verletzt sich im Zweikampf mit dem Zürcher Marco Schönbächler. (Bild: ky/Ennio Leanza)

14 956 Zuschauer in der AFG Arena – und kein Funke, der auf die Heimmannschaft St. Gallen sprang. Ein Auswärtssieg der Ostschweizer in Basel – mehr als zwei Wochen später zehn von elf Spielern der Startelf meilenweit von jener Leistung entfernt. Nun eine zweite Halbzeit gegen den FC Zürich zum Vergessen – und nicht die Spur eines Aufbäumens, geschweige denn eine Reaktion nach dem Rückstand. Die einfache Frage, die auf der Zunge liegt: Was nur war mit dem FC St. Gallen am Sonntag los?

Darüber grübelte auch Jeff Saibene. Des Rätsels Lösung fand der Luxemburger auch 18 Stunden nach dem Schlusspfiff nicht. Der Coach konstatierte, dass ihn die 0:2-Niederlage schon ziemlich beschäftigt habe. Noch konnte er sich den schwachen Heimauftritt seines Teams nicht erklären. Er haderte, weil St. Gallen am Sonntag das Zepter nach einer halben Stunde scheinbar grundlos aus der Hand gegeben hatte.

Jene Startphase brachte durchaus auch Positives hervor. Die Standards, insbesondere die Corners, sorgten für einige Unruhe vor dem Zürcher Tor. Spielte man den Ball schnörkellos und gradlinig vom Mittelfeld in die Sturmspitzen, wurde es gefährlich. Und Daniel Lopar, der Goalie, agierte als einziger Akteur während des gesamten Spiels auf Topniveau, nicht nur wegen des gehaltenen Penaltys.

Zürich wie St. Gallen im Vorjahr

Zugegebenermassen ist Zürich keine schlechte Mannschaft. Mit der Qualifikation für die Europa League scheint der Zweite der Super League einen ähnlich guten Lauf zu haben wie vor einem Jahr die St. Galler, die damals in der heimischen Meisterschaft und im Europacup auf einer vergleichbaren Erfolgswelle ritten. Dennoch gab sich Saibene zurückhaltend: «Bevor ich voreilig Schlüsse ziehe, muss ich das ganze Spiel nochmals in Ruhe im Videostudium anschauen. Unmittelbar nach dem Match ist das immer schwierig.»

Er bemerkte, dass die für den Fussball St. Gallens so wichtigen Emotionen im Spiel und im heimischen Stadion gefehlt hätten. Auf der Seite des Publikums, aber eben auch innerhalb des Teams. Es ist schweizweit ein offenes Geheimnis, dass der FC St. Gallen in der AFG Arena bei aufgeladener, positiver Stimmung gegen Konkurrenten wie Zürich oder wie Anfang der Saison die Young Boys einiges erreichen können. Fehlt diese spezielle Ambiance, wirkt die Mannschaft auf dem Platz blass, ja beinahe leblos.

Zudem verharrte die Offensivabteilung nach der Auswechslung des angeschlagenen Albert Bunjaku die letzten 20 Minuten in einer gefühlten Reglosigkeit. Man habe aber auch nicht gerade das nötige Wettkampfglück: «Dass der Ball einfach einmal irgendwie ins Tor geht», so der Coach weiter. Und bisweilen fehle die Sicherheit, weil sich eben auch keine Konstanz in den Resultaten einpendelt. Besonders am Sonntag litt die Verteidigung unter der mangelnden Souveränität. Anders konnte auch Saibene den kapitalen Fehler beim 0:1 durch Nisso Kapiloto nicht erklären. Der Trainer sagte: «Diese Aktion war der Wahnsinn.»

Es war augenscheinlich, dass zwischen dem Spiel gegen Zürich und dem nahezu perfekten Auftritt in Basel Welten lagen. «Ich habe mich gefragt, ob meine Spieler nicht bereit waren. Ob uns am Ende der Sieg in Basel nicht gut getan hat. In der Super League musst du in jedem Spiel bereit sein, egal wer der Gegner ist. Sonst reicht es einfach nicht», sagte Saibene. Wie wahr.

Bewusst offensiv ausgerichtet

Gegen Zürich habe er als Trainer ein Zeichen setzen wollen und deshalb eine offensive Formation aufs Feld geschickt. «In Basel, da brauchten wir nur zu reagieren. Zu Hause will ich aktiver spielen und den Zuschauern etwas bieten. Vielleicht war das der falsche Ansatz», so Saibene.

Noch fällt es schwer, den Ansatz zu erkennen, den der Club in dieser Saison gehen wird.

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