Unentschieden inakzeptabel

Der Schweiz winkt die Möglichkeit, heute mit einem Sieg in Ungarn den perfekten Start in die WM-Qualifikation hinzulegen. Auch wenn Granit Xhaka gelbgesperrt ist, stehen die Vorzeichen gut.

Christian Brägger/Budapest
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Kalt und regnerisch ist es in diesen Tagen in Budapest. Auch heute am Abend dürfte es, Ambiance eines Auswärtsspiels inklusive, frostig zu- und hergehen in der schmucken Groupama Aréna, die dem Kybunpark des FC St. Gallen so sehr zum Verwechseln ähnlich sieht. Immerhin war am Dienstag die Begrüssung freundlich gewesen, als ungarische Anhänger die Gäste aus der Schweiz willkommen geheissen hatten. Ein Autogramm fürs Album von Granit Xhaka da, ein Selfie mit Xherdan Shaqiri hier, das musste sein. Wieder einmal die Nähe von Stars suchen, in einer Zeit, in der solche dem eigenen Land trotz der durch den Premierminister Viktor Orban orchestrierten Investitionen in den Fussball weitgehend fehlen.

Wie das Wetter wird heute auch der Gegner der Schweiz garstig gesinnt sein; die Ungarn sind angezählt und stehen nach den Punktverlusten zum Auftakt der WM-Qualifikation unter Druck, die Felle drohen bereits nach der zweiten Partie davonzuschwimmen. Dies wiederum braucht das Schweizer Nationalteam nicht weiter zu stören, das unter Vladimir Petkovic verinnerlicht hat, nicht auf den Gegner zu schauen. «Ich akzeptiere kein Unentschieden, ich will auf Sieg spielen. Ein Punkt würde mir nicht genügen.» Die Worte, die Trainer Vladimir Petkovic an der Pressekonferenz über die Lippen kamen, überraschten nicht. Wer den Europameister besiegt, der geht mit breiter Brust in das zweite WM-Qualifikationsspiel.

Wer ersetzt Granit Xhaka?

Petkovic hat sein Team seit der Zeit der EM-Vorbereitung stark gemacht und ihm eine gehörige Portion Selbstbewusstsein eingetrichtert. Mit dem Resultat, dass zuletzt Anspruch und Wirklichkeit auf dem Rasen kongruent sind und die Launenhaftigkeit, einst ein Charakterzug der Mannschaft, zumindest aktuell keinen Platz hat. Doch selbst wenn sich die Startformation inzwischen fast von alleine aufstellt, ist der Coach gegen Ungarn gezwungen, umzustellen. Die Leitfigur Granit Xhaka fehlt gelbgesperrt, wer ihn ersetzt, ist Kaffeesatzlesen. Petkovic sagte: «Granit ist wichtig, er allein ist aber nicht das Team. Ich versichere: Jemand wird für ihn spielen.» Auch wer mit Fabian Schär in der Innenverteidigung agiert, ist ungewiss. Laut Trainer sind alle Spieler bereit, eine Hauptrolle zu übernehmen.

Gewiss für eine Hauptrolle vorgesehen ist der wiedergenesene Xherdan Shaqiri; noch am Sonntag stand der Offensivspieler mit Stoke gegen Manchester United im Einsatz – Petkovic wird gegen Ungarn kaum auf seinen Kraftwürfel verzichten. «Wichtig ist für mich, dass ich helfen kann» sagte Shaqiri. Dass einzig der Teamgedanke zählt, hat sogar der 24-Jährige inzwischen verinnerlicht, er, der sich früher schon einmal wichtiger nehmen konnte. Einzig auf die Frage eines ungarischen Journalisten, ob Shaqiri ebenfalls dasjenige EM-Tor des Ungarn Zoltan Gera gegen Portugal zum schönsten gewählt hätte, da erinnerte der kleine Schweizer schmunzelnd an frühere Zeiten: «Meines gegen Polen war natürlich schöner.»

Vorzeichen wie 2012

Lässt die Schweiz heute erneut keine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu, wäre es wie 2012, als sie mit zwei 2:0-Siegen perfekt in die WM-Qualifikation gestartet war. Am Ende stand die WM-Endrunde in Brasilien.