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Was bleibt nach den Spielen des Schweizer Nationalteams gegen Irland und Gibraltar? Was müssen Supermanager Pierluigi Tami und Trainer Vladimir Petkovic tun? Wir liefern Fragen und Antworten
Christian Brägger und Etienne Wuillemin
Der Start der Versöhnung? Die Tore gegen Gibraltar sorgen für einige gute Gefühle rund um die Schweizer Nati. So soll es im Oktober in Dänemark und gegen Irland weitergehen. (Bild: Keystone)

Der Start der Versöhnung? Die Tore gegen Gibraltar sorgen für einige gute Gefühle rund um die Schweizer Nati. So soll es im Oktober in Dänemark und gegen Irland weitergehen. (Bild: Keystone)

Am Anfang der Schweizer Länderspiel-Woche standen zwei Nachrichten. Erstens: Xherdan Shaqiri verzichtet auf die Nati. Zweitens: Stephan Lichtsteiner muss auf die Nati verzichten. Zwei Fälle. Beide ziemlich aufgeladen. Und beide entwickelten sich über je länger je mehr zum Problem.

Bei Shaqiri wurde vermehrt über sein Hierarchie-Verständnis statt über die mentale Verfassung diskutiert. Und Lichtsteiner äusserte sich an verschiedenen Orten derart clever, fair und pointiert, dass jedem, der zwischen den Zeilen lesen kann, klar wurde, wie sehr ihn die Entscheidung von Vladimir Petkovic, auf ihn zu verzichten, missfällt. Und auch die Art und Weise, wie der Nationaltrainer mit ihm als verdientem Captain umgeht. Am Ende der Woche steht zumindest ein kleines Erfolgserlebnis. Das 4:0 gegen Gibraltar war zwar nicht gleich eine Gala. Aber immerhin ein solider Auftritt.

Wer sind die Gewinner und Verlierer?

Und liefe es noch so gut, wenn der Gegner ein kleines Gibraltar ist, kann man sich aus Prinzip nicht für höhere Aufgaben aufdrängen. Aber es kann Kredit verlieren, wer sich wie Breel Embolo oder Albian Ajeti präsentiert, die ihre Nominationen mit nichts rechtfertigten. Mit solchen Leistungen würde Embolo bei Mönchengladbach viel Mühe bekommen oder schon haben wie Ajeti mit West Ham.

Einer der Gewinner aus sportlicher Sicht: Fabian Schär hat sich zum absoluten Leader und Leistungsträger entwickelt. (Bild: Keystone)

Einer der Gewinner aus sportlicher Sicht: Fabian Schär hat sich zum absoluten Leader und Leistungsträger entwickelt. (Bild: Keystone)

Nimmt man indes die Partie der Schweizer gegen Irland zur Hand oder das vergangene Halbjahr, sticht aus dem Schweizer Team Fabian Schär positiv hervor. Der Innenverteidiger beweist seit längerer Zeit Leadership, spielt offensiv wie defensiv mit Überzeugung und hat sich klammheimlich in der Hierarchie hochgespielt.

Dort, wo hinter Granit Xhaka und Yann Sommer ein Vakuum herrscht, kommt an erster Stelle nun der formstarke Ostschweizer. Während Haris Seferovic im Sturm weiter konkurrenzlos ist, hat Kevin Mbabu dieses halbe Jahr im Nationalteam nicht so gut getan. Weshalb nach den Fehlern gegen Dänemark und Irland, die zu Toren führten, vielmehr die Frage auftaucht, ob der Verteidiger für dieses internationale Niveau und das PetkovicSystem im Fünfer-Mittelfeld schon bereit ist.

Welche Aufgaben muss Petkovic bewältigen?

Während in den vergangenen Monaten um Petkovic herum allerlei Personalrochaden getätigt wurden, scheint sein Status innerhalb des Verbands weiter gefestigt. Der Nationaltrainer hat mehrfach bewiesen, dass er Krisen aussitzen kann, selbst wenn er diese unbeholfen meistert. Und manchmal hilft ihm dabei sein Team mit den Darbietungen auf dem Platz.

Nicht seine Lieblingsbeschäftigung, aber jetzt zentral: Nati-Trainer Petkovic sollte seine «Problemfälle »Shaqiri und Lichtsteiner besuchen. (Bild: Keystone)

Nicht seine Lieblingsbeschäftigung, aber jetzt zentral: Nati-Trainer Petkovic sollte seine «Problemfälle »Shaqiri und Lichtsteiner besuchen. (Bild: Keystone)

Für die kommenden Tage und Wochen bis zum nächsten Zusammenzug gilt aber nun: Petkovic muss in einen ihm fremden Aktionismus und offensiven, deutlichen Kommunikationsmodus verfallen, um seine mitverschuldeten Problemfälle Shaqiri und Lichtsteiner zu be- und verhandeln.

Er muss die dringend benötigte Reintegration Shaqiris lancieren und moderieren, dessen Status im Team gelitten hat, wenngleich das kein Spieler öffentlich kundtut. Er muss Lichtsteiner wieder aufbieten, oder ihm klarmachen, dass es keine Zukunft mehr im Nationalteam gibt. Er muss also mit dem Duo Klartext reden. Und zwar in Liverpool und Augsburg, Face-to-Face mit den Spielern.

Bewusst unterliess es Petkovic im Nachgang der Gibraltar-Partie, seine nächsten Schritte zu verraten. «Es ist gut, haben wir diesen Zusammenzug nun gemeistert», sagte er, und: «Wenn es die Möglichkeit gibt, werden wir alles machen.» Was auch immer das heissen mag.

Was macht eigentlich Pierluigi Tami?

Pierluigi Tami ist der neue Chef von Petkovic. Als Direktor des Nationalteams seit Sommer im Amt, will er zuwarten mit Reden und Handeln, bis er nach dem Ende der EM-Qualifikation alles gesehen und analysiert hat. Was für eine fatale Idee! Tami flankierte Petkovic an die Pressekonferenz nach dem Irland-Spiel, er begleitete ihn vor einer Woche bei Beginn des Zusammenzugs.

Dabei muss er mit Schrecken festgestellt haben, was die drängendsten Themen sind. Nicht der Fussball. Sondern Nebenschauplätze, Eitelkeiten, Egos, kommunikative Versagen. Allein, um solche Dinge zu antizipieren, wäre er eigentlich angestellt.

Muss antizipieren und schlichten: Der neue Supermanager Pierluigi Tami. (Bild: Keystone)

Muss antizipieren und schlichten: Der neue Supermanager Pierluigi Tami. (Bild: Keystone)

Damit die immer grösser werdenden Brandherde zu keinem Flächenbrand auswachsen, muss Tami jetzt Konzepte und Lösungen bereit haben. Der Tessiner hat angekündigt, er werde zu Shaqiri fliegen. Das macht aber nur Sinn, wenn er Petkovic mitnimmt.

Kritiker glauben zwar, Tami sei die falsche Besetzung, weil er ein Leisetreter und deutsch nicht die Muttersprache sei. Vielleicht tut er als ruhender, sachlicher Pol dem eitlen Nati-Laden aber auch ganz gut, man hört, es sei sehr angenehm mit dem unaufgeregten Tami. Bleibt die Frage: Wie sehr ist die Position Direktor des Nationalteams akzeptiert, im Verband, bei den Spielern? Dabei hat doch das Schweizer Nationalteam selbst schon Hierarchiefragen hinreichend zu klären.

Wie sieht die sportliche Ausgangslage aus?

Zum Schluss: Wie sieht es nun hinsichtlich der EM aus? Schafft die Schweiz die direkte Qualifikation, also Rang eins oder zwei in dieser Gruppe D? Der Fehltritt (1:1) in Irland bleibt quasi folgenlos. Zumal Dänemark in Georgien zwei Punkte verspielte.

Mit zwei Siegen im Oktober in Dänemark und gegen Irland wäre die Schweiz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für die EM qualifiziert. Auch mit vier Punkten sieht es sehr gut aus. Und sogar bei zwei Unentschieden verkäme die Mission EM nicht zum aussichtslosen Projekt – wenngleich der Druck zunähme.

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