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Der letzte Tanz von Martin Voss-Tecklenburg

Wie Martina Voss-Tecklenburg ihren letzten Abend als Schweizer Nationaltrainerin erlebte
Martina Voss-Tecklenburg wird als Nati-Trainerin verabschiedet. (Bild: Marcel Bieri / Keystone (Schaffhausen, 13. November 2018))

Martina Voss-Tecklenburg wird als Nati-Trainerin verabschiedet. (Bild: Marcel Bieri / Keystone (Schaffhausen, 13. November 2018))

Da sitzt sie. Ein letztes Mal. Zumindest als Trainerin des Schweizer Frauen Nationalteams. Martina Voss-Tecklenburg. Es ist der Morgen nach dem Out in der WM-Barrage der Schweizerinnen gegen die Niederlande. Die Enttäuschung ist da, natürlich. Aber niemand ist am Boden zerstört. Zu gut waren die Europameisterinnen.

Voss-Tecklenburg blieb das Happy-End ihrer Ära verwehrt. Trotzdem war der Dienstag ein bedeutender Abend. Und manch einer Frauenfussball-Seele gelang es bereits, wieder das grosse Bild zu sehen. Jenes Bild nämlich, wie Voss-Tecklenburg den Schweizer Frauenfussball in den letzten sieben Jahren massgeblich geprägt und auf ein neues Niveau gehievt hat.

Auch darum wurde es noch eine lange Nacht in Schaffhausen. Die Spielerinnen und der Staff verabschiedeten «ihre» Martina gebührend. Und bis in die frühen Morgenstunden. «Als ich irgendwann Feierabend machen wollte, erhielt ich als Antwort nur: ‹Du bist jetzt nicht mehr unsere Trainerin, also entscheidest du nichts mehr›. Dann musste ich eben noch ein wenig durchhalten», erzählt Voss-Tecklenburg. Und weiter: «Es waren emotionale Gespräche dabei. Auch lustige. Wir haben Anekdoten und kleine Geschichten, die wir zusammen erlebten, aufgewärmt. Und natürlich gab’s auch den einen oder anderen Tanz.»

Es ist vorbei: Martina Voss-Tecklenburg (lins) umarmt Torhüterin Gaelle Thalmann. (Bild: Walter Bieri / Keystone (Schaffhausen, 13. November 2018))

Es ist vorbei: Martina Voss-Tecklenburg (lins) umarmt Torhüterin Gaelle Thalmann. (Bild: Walter Bieri / Keystone (Schaffhausen, 13. November 2018))

Neue Herausforderung als Bundestrainerin

Die kurze Nacht ist Voss-Tecklenburg nicht anzusehen. Sie nimmt sich am Tag nach der Barrage noch einmal Zeit, um über den Frauenfussball in der Schweiz nachzudenken. Sie tut das mit der gleichen Leidenschaft, als würde sie gerade als neue Nationaltrainerin vorgestellt werden. Man merkt: Ihr liegt der Schweizer Frauenfussball am Herzen.

Sie selbst darf im Gegensatz zu den Schweizerinnen an der WM teilnehmen. Mit Deutschland. Ihre neue Herausforderung nimmt Voss-Tecklenburg offiziell im Januar an. Es ist die Belohnung für die gute Arbeit in der Schweiz.

Wenn die 50-Jährige die Schweiz und ihre Fussball-Kultur betrachtet hat, ist ihr eines immer wieder aufgefallen: der Hang zur Bescheidenheit. Wenn etwas gut war, so hörte sie: «Nicht schlecht!» Es war ihr ein Graus. «Wenn ich jemanden zum Essen einlade, für ihn koche und dann frage: Wie war’s? Dann schwingt bei einem ‹nicht schlecht› doch auch das Negative mit.» Man kann sie verstehen. Zum Abschied wünscht sie der Schweiz also vor allem eine etwas breitere Brust, mehr Selbstvertrauen in die eigene Stärke. Das gilt übrigens auch für die Männer.

Sagt dem Publikum Tschüss: Martina Voss-Tecklenburg. (Bild: Melanie Duchene / Keystone (Schaffhausen, 13. November 2018))

Sagt dem Publikum Tschüss: Martina Voss-Tecklenburg. (Bild: Melanie Duchene / Keystone (Schaffhausen, 13. November 2018))

Apropos Männer: Martina Voss-Tecklenburg hat immer wieder betont, dass es sie reizen würde, einmal ein Männer-Team zu trainieren. Mit der neuen Aufgabe als deutsche Nationaltrainerin rückt dieses Projekt für die nächste Zeit wohl in den Hintergrund. Gleichzeitig ist sie weiterhin als Aufsichtsrätin bei Fortuna Düsseldorf tätig. «Eine komplette Männerwelt. Gott sei Dank sehen mich die acht Kollegen nicht als Frau, sondern als kompetente Fachperson.»

Der Krienser Laurent Prince, der Technische Direktor des Schweizer Fussballverbands, ist überzeugt davon, dass Voss-­Tecklenburgs Nachfolger in der Schweiz, der Däne Nils Nielsen, die nächsten nötigen Schritte im laufenden Umbruch einleitet. «Unser Ziel heisst ab heute: EM 2021. Und ich denke, wir haben beste Chancen dafür.» Die Qualifikation beginnt im Herbst des nächsten Jahres.

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