UNBEZAHLTE RECHNUNGEN: Partner des FC Wil warten auf ihr Geld

Nach dem verpassten Aufstieg droht der neuen Führung des FC Wil weiteres Ungemach. Im Umfeld beklagt man sich über den Arbeitsstil der neuen Clubleitung. Ein Caterer redet von Vertragsbruch, auch der einstige medizinische Partner will rechtlich gegen die Clubführung vorgehen.

Ralf Streule
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Beginn einer neuen Zeitrechnung im Bergholz: Im August 2015 stellte sich das neue Kader des FC Wil vor. (Bild: Ralph Ribi)

Beginn einer neuen Zeitrechnung im Bergholz: Im August 2015 stellte sich das neue Kader des FC Wil vor. (Bild: Ralph Ribi)

FUSSBALL. Ein Fussballmärchen hatte der damalige Präsident Roger Bigger vor knapp einem Jahr angekündigt, als er die Führung des FC Wil in die Hände der türkischen MNG-Group legte. Tatsächlich liess sich das Projekt gut an. Anders als von früheren ausländischen Mäzenen im Schweizer Fussball wurden Spielergehälter stets pünktlich bezahlt. Milliardär Mehmet Nazif Günal hält seine finanziellen Versprechungen und nichts deutet darauf hin, dass die Führung in Wil bald den Geldhahn zudrehen könnte. Zudem freute man sich in Wil, dass junge Spieler aus der Region ins Challenge-League-Team eingegliedert wurden.

So weit das Märchen.

Cila als dominierende Figur

Die Situation in Wil ist aber nicht nur rosig, wie Gespräche mit Personen aus dem Umfeld des Vereins zeigen. Sie unterstellen der neuen Führung, den einst familiären Club wenig einfühlsam zu leiten. Starker Mann in Wil ist der Verwaltungsrat Abdullah Cila, als operativer Leiter der verlängerte Arm Günals. Offenbar überwarf er sich diese Saison mit ehemaligen Dienstleistern des Fussballvereins. Mit Patrick Kugler zum Beispiel, der mit der Firma Art Emotions bis im März fürs Catering in der IGP Arena zuständig war. Er spricht auf Anfrage von «Vertragsbruch» seitens FC Wil. Auf Details geht Kugler nicht ein, spricht aber von einem beträchtlichen Schaden. Er prüfe rechtliche Schritte.

Ähnlich tönt die Situation beim einstigen medizinischen Partner, der Orthopädie St. Gallen mit Arzt Pierre Hofer. Er stellte in Wil acht Jahre lang die medizinische Betreuung sicher, hatte einen Vertrag bis Sommer 2016. Auf Anfrage erzählt er, dass Wils neue Führung gleich zu Beginn mehr medizinische Betreuung gefordert habe. Der Arzt erstellte ein Konzept, drei Physiotherapeuten sollten für den Club abgestellt werden. Doch als es um die Finanzierung ging, sei Cila nicht mehr interessiert gewesen. «Er beendete die Zusammenarbeit, unsere Logos auf den Spielerhosen wurden abgeklebt.» Bis heute seien gut 100 000 Franken ausstehend, so Hofer. Rechtliche Schritte würden eingeleitet.

Auf Anfrage erklärt Cila, dass er diese Verträge nie selber unterschrieben habe. «Alles wurde vor unserer Ankunft vereinbart.» Deshalb seien die Kontrakte irrelevant. Eine Ansicht, die Kugler und Hofer selbstredend nicht teilen. Roger Bigger, der im Sommer als Vizepräsident ins zweite Glied zurücktrat, kann sich zu den Vorfällen nicht äussern, wie er sagt. «Die operative Leitung liegt nicht mehr bei mir.»

Gönnergelder fliessen wieder

Was die Strategie von Wils neuer Führung angeht, ist im Umfeld des Clubs oft von einer verpassten Chance zu hören: Mit dem Geld aus der Türkei und dem Fachwissen der vormaligen sportlichen Leitung sei grosses Potenzial vorhanden, das aufgrund fehlender Kommunikation nicht genutzt werde. In der Wiler Gönnervereinigung Club 2000 sind gemäss Präsident Walo Hegelbach die Meinungen geteilt, einige Austritte habe es aufgrund des Führungswechsels gegeben. Eine Zeit lang hatten die Gönner ihre Gelder eingefroren, weil man die Entwicklung im Club habe abwarten wollen. Dies habe man aufgehoben. Man schenke der Führung Vertrauen und attestiere ihr Fachkenntnis.

So sehen es nicht alle. Oft gehörter Kritikpunkt im Umfeld des Clubs sind die vielen Wechsel in der sportlichen Leitung. Im Herbst ersetzte Kevin Cooper Trainer Fuat Capa. Assistent Mario Cantaluppi begleitete ihn in die Ostschweiz, musste den Verein aber bereits im März wieder verlassen. Schon im August hatte Sportchef Erdal Keser den Hut nehmen müssen. Seither liegt bei Cila neben der operativen auch ein Grossteil der sportlichen Leitung – eine Machtkonzentration, die clubintern ebenso kritisiert wird. Dass trotz x-fachen Budgets keine spürbare sportliche Verbesserung zu beobachten ist, sehen viele als Zeichen von verfehlter Clubpolitik.

Zuletzt wurden der langjährige U20-Trainer Philipp Dux und Goalie-Trainer Georg Koch freigestellt. Dux' Abgang begründet Cila mit der neuen Ausrichtung der Nachwuchsarbeit. Bei Koch hätten Meinungsverschiedenheiten zur Trennung geführt. «Es tut weh, nach vielen Jahren in Wil so gehen zu müssen», sagt Dux. Detailliert äussern sich weder Koch noch Dux. Vor allem diese Freistellungen brachten aber bei den Fans das Fass zum Überlaufen. Sie protestierten am Freitag im Heimspiel gegen Aarau mit Spruchbändern: «Wo soll das hinführen? Mehr Entlassungen als Siege.» Oder: «Wann werden wir entlassen?»

Nie gehe es bei Entlassungen um Persönliches, sondern «alleine um die Leistung», so Cila. Man könne seiner Meinung nach nicht von «vielen Wechseln» sprechen. Doch schon jetzt wird beim Club gemunkelt, dass auch Coopers Auftritt in Wil mit dem Saisonende bereits wieder Geschichte sein könnte.

Aufstieg auch 2017 schwierig

So oder so stehen dem Wiler Märchen schwierige Zeiten bevor – schon rein sportlich. Dass ein Aufstieg auch 2017 nicht einfach wird, ist angesichts der Konkurrenz sicher. Servette, Xamax, Aarau und neu sogar Wohlen sprechen von Aufstiegsambitionen – sollte der FC Zürich absteigen, wird's nicht einfacher. Cila gibt sich diesbezüglich ruhig. Einen Satz wiederholt er gerne: «Wir haben Zeit.»