Um Mitternacht in der AFG Arena

Am vorletzten Freitag kurz vor 23 Uhr in der AFG Arena. Das Testspiel Spanien – Chile gehört seit knapp einer halben Stunde der Vergangenheit an. Die Medienkonferenz mit den beiden Trainern ist vorbei und die chilenische Mannschaft auf dem Weg ins Hotel.

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Am vorletzten Freitag kurz vor 23 Uhr in der AFG Arena. Das Testspiel Spanien – Chile gehört seit knapp einer halben Stunde der Vergangenheit an. Die Medienkonferenz mit den beiden Trainern ist vorbei und die chilenische Mannschaft auf dem Weg ins Hotel. Doch wo sind die spanischen Spieler? 50 zumeist iberische Journalisten warten auf sie, um mit ihnen Interviews zu führen. Stehen die Europameister und Weltmeister Iniesta, Xavi, Torres, Villa, Fábregas, Xabi Alonso oder Casillas nach wie vor unter der Dusche? Oder lassen sie sich etwa in der Umkleidekabine eine St. Galler Bratwurst schmecken? Es ist inzwischen nach 23 Uhr. Warum brennt das Flutlicht noch immer mit voller Stärke? Das Stadion müsste längst leer sein. Doch vom Spielfeld her sind laute Anweisungen zu vernehmen: «Schneller! Schiess!» Von den Zuschauerrängen ist Gekreische zu hören: «Iniesta!!! Xavi!!!» Die Spanier trainieren doch nicht etwa? Sie trainieren.

Del Bosques Lächeln

Vicente Del Bosque sitzt bequem in einem Sessel und verfolgt mit einem Lächeln auf dem Gesicht die Übungseinheit seiner Mannschaft, die von einem seiner Assistenten geleitet wird. Es ist kein simples Auslaufen nach 90 anspruchsvollen Minuten gegen Chile, in denen es für den Favoriten ein 0:2 aufzuholen galt. Etwa 300 Anhänger haben mitbekommen, dass der Weltmeister zu nachtschlafender Stunde noch eine rund 75minütige Trainingseinheit abhält und sind in die AFG Arena zurückgekehrt. Ohne Fleiss, kein Preis – das haben uns schon die Eltern und Lehrer eingetrichtert. Und das gilt auch für die Stars aus Madrid und Barcelona.

Vier Tage nach dem Abstecher nach St. Gallen wartet Liechtenstein als Prüfung in der EM-Qualifikation auf Spanien. Doch Del Bosque kümmert das wenig. Der Trainer lächelt weiter auf seinem Sessel. Kurz vor Mitternacht ist das Training zu Ende. Die Spieler keuchen und sind gleichwohl bester Laune.

«Hübsches Stadion»

Die meisten von ihnen kritzeln Autogramme und posieren für Fotoalben, Xavi schreibt SMS, Fábregas telefoniert und Álvaro Negredo vom FC Sevilla spricht mit einem St. Galler Radiojournalisten. Nein, er wisse nicht, wo St. Gallen liege, gibt der Stürmer zu. Noch nie hätte er zuvor von St. Gallen gehört. Aber der Stadionrasen sei hervorragend und könne jeglichen Vergleichen mit spanischen Spielfeldern standhalten. Am Tag zuvor hatte Xabi Alonso die AFG Arena als «hübsches Stadion» bezeichnet. Das Lob kam aus berufenem Mund, schliesslich hat der Mittelfeldakteur von Real Madrid und ehemalige Lohnempfänger des FC Liverpool schon in manchem Stadion dieser Welt gespielt.

Es wurde schliesslich Samstagmorgen, ehe die Lichter in der AFG Arena nach Spanien – Chile tatsächlich gelöscht werden konnten. Weit nach Mitternacht, die letzten Anhänger waren nun auch auf dem Heimweg, stand Fábregas Medienvertretern noch immer Rede und Antwort. Ein Profi eben, von Allüren keine Spur. Andreas Werz

Der nächste «Freistoss» erscheint am Dienstag, 27. September.

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