ÜBERZEUGEND: Weniger Siege, mehr Vorsprung

Marcel Hirscher gewinnt den Weltcup-Riesenslalom in Garmisch und steht vor seinem sechsten Gesamtsieg. Aus Schweizer Sicht überzeugen Justin Murisier als Achter und Loïc Meillard als Zwölfter.

David Bernold (sda)/Garmisch
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David Bernold (SDA)/Garmisch

Die Siege sind in diesem Jahr weniger geworden. Erst einmal seit Beginn seiner vor fünf Jahren gestarteten Serie von Gesamtweltcup-Siegen, im Winter 13/14 nämlich, hatte Hirscher Ende Januar erst vier erste Plätze auf dem Konto. Gleichwohl dürfte er den neuerlichen Gewinn der grossen Kristallkugel so früh perfekt machen wie noch nie. Hirscher nimmt gegenüber seinem ersten Verfolger, dem Norweger Henrik Kristoffersen, einen Vorsprung von 432 Punkten mit nach Stockholm, wo am Dienstag ein Parallel-Slalom im Programm steht.

Der Franzose Alexis Pinturault liegt 497, Kristoffersens Teamkollege Kjetil Jansrud, der im Speed-Bereich noch fünf Rennen vor sich hat, 585 Punkte zurück. Hält Hirscher in Schwedens Hauptstadt den Vorteil über der 400-Punkte-Grenze, reist er als Gesamtsieger an die WM in St. Moritz. Nach dem Saisonhöhepunkt im Engadin stehen für die Techniker lediglich noch je ein Slalom und Riesenslalom in Kranjska Gora in Slowenien und beim Finale in Aspen im US-Staat Colorado im Weltcup-Kalender.

Hirscher, der Konstante

Der Grund für die sich anbahnende vorzeitige Entscheidung: Hirschers unfassbar anmutende Konstanz in seinem Kerngebiet. In den sechs bisherigen Riesenslaloms wurde er zweimal Erster und viermal Zweiter, in den acht Slaloms verpasste er einen Podiumsplatz einzig in Zagreb, wo er Sechster wurde. Daneben hat er in seiner saisonalen Bilanz zwei erste, vier zweite Ränge und einen dritten Platz stehen. Da vermögen seine direkten Konkurrenten nicht mitzuhalten. Kristoffersen tut sich im Riesenslalom nach wie vor deutlich schwerer als im Slalom, Jansrud steht in den Speed-Disziplinen in dieser Saison zwar mit vier Siegen zu Buche, seine Dominanz ist mittlerweile aber verebbt. Pinturault ist im Riesenslalom eine Macht und punktet fleissig auch in den Kombinationen, von denen in der laufenden Saison aber lediglich zwei ausgetragen wurden. Im Slalom und im Super-G ist seine Ausbeute dagegen zu gering. In Garmisch-Partenkirchen hatte Hirscher nach dem ersten Durchgang mit neun Hundertsteln Rückstand auf Pinturault auf Platz zwei gelegen, im Finale vermochte er im Gegensatz zum Franzosen sein Niveau trotz schwierigsten Bedingungen noch einmal anzuheben, siegte schliesslich mit anderthalb Sekunden Vorsprung und sorgte für ein Jubiläum. Es war der 100. Riesenslalom-Sieg eines Österreichers im Weltcup. Pinturault blieb nach einem zeitraubenden Fehler der vierte Platz hinter dem überraschenden Schweden Matts Olsson und dem Deutschen Stefan Luitz. Olssons Coup, der ihm persönlich seine erste Klassierung auf oberster Ebene unter den ersten drei sicherte, sorgte für den ersten Podestplatz eines Schweden in einem Weltcup-Riesenslalom seit fast elf Jahren und dem dritten Platz von Fredrik Nyberg beim Saisonfinale Mitte März 2006 in heimischen Gefilden in Are. Aus Schweizer Sicht ist im Moment Justin Murisier am ehesten für eine Podiumsklassierung befähigt. «Das ist mein nächstes Ziel. Aber das Niveau ist so hoch. Da wird einem nichts geschenkt.» Der Walliser verpasste als Achter seine Bestmarke in seiner stärksten Disziplin lediglich um einen Rang. Eine noch bessere Plazierung vergab er im ersten Lauf mit einem Patzer im unteren, flachen Streckenteil. Murisier ist der einzige Schweizer Riesenslalom-Fahrer, der die Selektionskriterien für die WM erfüllt hat. Für ein Aufgebot empfahl sich auch Loïc Meillard. Der 20-jährige Walliser machte mit zweitbester Laufzeit im Finale 13 Plätze gut und schaffte als Zwölfter sein mit Abstand bestes Ergebnis des Winters. Meillards Abschneiden ist umso bemerkenswerter, zumal er sich kurz vor Weihnachten einer Meniskus-Operation hat unterziehen müssen. Das Schweizer «Riesen»-Quartett in St. Moritz dürften Carlo Janka und Gino Caviezel komplettieren. Janka missriet die Hauptprobe vollends. Nachdem er schon im ersten Lauf klar ins Hintertreffen geraten war, fiel er im Schlussklassement nach einem zwischenzeitlichen Stillstand während der zweiten Fahrt ans Ende der Rangliste zurück. Caviezel, der Rang 16 in Sölden als saisonales Bestergebnis ausweist, verpasste die ersten 15 in Garmisch mit Platz 18 ein weiteres Mal knapp.