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ÜBERRASCHUNG: «Ich wollte niemanden töten»

Der mutmassliche Attentäter auf die Fussballer des Bundesligaclubs Borussia Dortmund hat gestern am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht Dortmund ein Teilgeständnis abgelegt.
Ralph Durry (sid)

Ralph Durry (SID)

Sergej W. betrat mit weissem Hemd, dunkler Strickjacke und in Handschellen Saal 130 des Landgerichts in Dortmund. Und er hatte eine Überraschung parat. Am zweiten Tag des Prozesses gegen den mutmasslichen Attentäter auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund räumte der 28-Jährige den Anschlag ein, er bestritt aber laut eigener Aussage eine Tötungsabsicht. Er entschuldigte sich bei den Spielern des Bundesligaclubs und dem verletzten Polizisten.

Ein Ermittler des Bundeskriminalamtes betonte hingegen nach Angaben der «Bild», dass die 65 durch die drei Splitterbomben verschossenen Metallbolzen tödliche Wirkung gehabt hätten. Die Staatsanwaltschaft wirft W. versuchten Mord in 28 Fällen, das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und schwere Körperverletzung in zwei Fällen vor. Der spanische BVB-Innenverteidiger Marc Bartra hatte einen Armbruch und Fremdkörpereinsprengungen erlitten, ein begleitender Polizist ein Knalltrauma.

«Ich bedauere mein Verhalten zutiefst», betonte W. und unterstrich: «Ich wollte niemanden verletzen oder schwer verletzen und erst recht niemanden töten.» Nach Angaben des Anwalts von W., Carl Heydenreich, wollte sein Mandant lediglich ein Drohszenario schaffen. Borussia Dortmund sollte gegen Monaco aus der Champions League ausscheiden, mit Börsenspekulationen wollte W. einen satten Gewinn einstreichen.

W. hätte eine halbe Million Euro Gewinn erzielt

Verteidiger Heydenreich sagte zu den Hintergründen der Tat: «Es sollte realitätsnah ein ernsthafter Anschlag dargestellt werden.» Mutmasslich wollte Sergej W. mit kreditfinanzierten Put-Optionen nach seiner Tat am sinkenden Kurs der BVB-Aktie verdienen. Laut Staatsanwaltschaft hätte er rund eine halbe Million Euro Gewinn erzielen können. Sergej W. soll in der Woche vor dem Anschlag für mehr als 26 000 Euro Optionsscheine gekauft haben, dabei hatte er auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie spekuliert.

Der Dortmunder Mannschaftsbus hatte das Hotel l’Arrivee am 11. April 2017 gerade Richtung Stadion für das Champions-League-Heimspiel gegen Monaco verlassen, als kurze Zeit später um 19.16 Uhr in einer Hecke drei Sprengsätze detonierten. In der Anklage heisst es: «Die fernzündbaren Sprengsätze sollen mit (...) einer Wasserstoffperoxid-Brennstoff-Mischung sowie mindestens 65 in Epoxidharz eingeschlossenen Metallbolzen mit einem Durchmesser von 6 mm und einer Länge von 74 mm (...) bestückt gewesen sein.» Einer der Bolzen schlug in Bartras Kopfstütze ein.

Im Landgericht Dortmund sind 18 Prozesstage angesetzt, dem Angeklagten droht eine lebenslange Haftstrafe. Mehrere BVB-Spieler haben sich dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen, der Verein lässt sich durch seine Anwälte vertreten.

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