ÜBERRASCHUNG: Ferstls Exploit

Fast 27 Jahre nach Markus Wasmeier stellt Deutschland wieder einen Sieger in einem Super-G – dank Überraschungsmann Josef Ferstl.

Werner Eisenring (sda)
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«Weltcupsieg. Ich weiss gar nicht, wie man das schreibt», sagte Josef Ferstl nach dem Rennen. (Bild: MarcoTrovati/AP)

«Weltcupsieg. Ich weiss gar nicht, wie man das schreibt», sagte Josef Ferstl nach dem Rennen. (Bild: MarcoTrovati/AP)

Werner Eisenring (SDA)

Unerwartete Gewinner sind im Grödnertal nichts Aussergewöhnliches. Doch meistens ereignen sich die Überraschungen in der Abfahrt. Im Super-G jedoch waren in den vergangenen Jahren immer die Norweger das Mass aller Dinge. Seit dem Triumph von Beat Feuz, der vor sechs Jahren den Super-G von Val Gardena gewann, hatten sich Aksel Lund Svindal und Kjetil Jansrud die Siege aufgeteilt. Doch gestern wurde diese Serie beendet. Svindal wurde Neunter, Jansrud vergab seine Chance nach bester Zwischenzeit mit einem Fehler. So gewann schliesslich ein Fahrer aus Oberbayern, den die wenigsten auf der Rechnung hatten: Josef Ferstl, beileibe kein Jungspund mehr. Ende Dezember wird er 29 Jahre alt.

Wie der Vater, so der Sohn

Mit der frühen Nummer zwei stellte Ferstl eine Bestzeit auf, die bis zum verfrühten Ende hielt. Nach 38 Fahrern musste das Rennen wegen Nebels abgebrochen werden, da aber die besten 30 im Ziel waren, wurde dem Reglement entsprechend gewertet. «Weltcupsieg. Ich weiss gar nicht, wie man das schreibt», staunte Ferstl. Im März 1991 in Lake Louise war letztmals ein Deutscher in einem Weltcup-Super-G siegreich geblieben. Markus Wasmeier hiess der prominente Vorgänger, der für alle sechs bisherigen deutschen Siege in dieser Disziplin verantwortlich war. Dank dem neuesten Coup zogen die Ferstls auch mit den Neureuthers gleich. Der mit einem Kreuzbandriss abseits stehende Felix Neureuther war als Weltcupsieger in die Fussstapfen von Vater Christian getreten. Nun schaffte eine zweite Familie dieses «Double». Sepp Ferstl senior hatte 1978 und im Jahr darauf die Abfahrt in Kitzbühel gewonnen.

«Glück gehört dazu», bekannte Ferstl nach seinem Sieg sportlich. Denn letztlich war es sehr knapp geworden. Um nur zwei Hundertstel blieb der Deutsche vor dem Kärntner Max Franz, der in Val Gardena im Vorjahr die Abfahrt gewonnen hatte. Und auch der Dritte, Abfahrtsolympiasieger Matthias Mayer, lag nur einen Zehntel zurück. Ferstls bisheriges Bestergebnis im Weltcup war der fünfte Rang im Super-G im vergangenen Winter in Santa Caterina.

Enttäuschende Schweizer

Die Schweizer bezogen in Val Gardena eine Niederlage. Seit dem Super-G-Sieg von Feuz resultierten im Südtirol in Abfahrt und Super-G nie mehr bessere Ergebnisse als sechste Plätze. Diesmal landete Feuz als bester Schweizer im zehnten Rang. Er vergab mit der Startnummer eins in der Ciaslat die Chance auf ein Spitzenresultat. «Vor meinem Fehler lag ich nur elf Hundertstel hinter Ferstl. Immerhin habe ich diesmal – im Gegensatz zum Super-G in Beaver Creek – attackieren können», sagte Feuz. «Viel vorwerfen kann ich mir nicht, aber in der Ciaslat wurde ich von den Wellen überrascht.»

Auch dem Bündner Thomas Tumler wurde die Ciaslat zum Verhängnis. Der Samnauner lag lediglich vier Zehntel zurück, als er an derselben Stelle wie Jansrud schwer patzte.

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