ÜBERRASCHUNG: Der WM-Traum geht weiter

Nach dem schwachen Auftritt im Vorlauf steigert sich der Thurgauer Kariem Hussein deutlich. Damit schafft der 28-Jährige über 400 m Hürden den Einzug in den Final.

Raya Badraun, London
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Kariem Hussein freut sich über die Finalqualifikation. (Bild: Tim Ireland/AP)

Kariem Hussein freut sich über die Finalqualifikation. (Bild: Tim Ireland/AP)

Raya Badraun, London

Als Kariem Hussein gestern in die Mixed Zone kam, da strahlte er, scherzte gar mit seinen Gegnern. Gerade hatte er an der Leichtathletik-WM in London den Finaleinzug über 400 m Hürden geschafft. Das war ihm davor noch nie gelungen – und an diesen Titelkämpfen bisher auch keinem anderen Schweizer. Als Zweiter seines Halbfinals musste er dabei nicht einmal die restlichen Ergebnisse abwarten. «Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich vor dem Rennen 100 Prozent daran geglaubt hätte», sagte der Thurgauer nach seinem Auftritt. «So etwas geht nicht einfach so an einem vorbei.» Die Rede war vom Vorlauf, den er am Sonntag nur ganz knapp überstanden hatte. Sein Lauf war zwar kontrolliert. Er schaffte es allerdings nicht, anzugreifen, Akzente zu setzen. Danach war er ratlos, enttäuscht. Er wusste nicht recht, wie er dahin gekommen war und wie es nun weitergehen sollte.

Doch Hussein schaffte es, diesem Auftritt nicht zu viel Gewicht zu geben, ihn zu den Akten zu legen. «Ich habe auf mich eingeredet, andere haben auf mich eingeredet», sagte der 28-Jährige. Das hat ihm geholfen. Als er gestern über die Hürden lief, war er wie verwandelt. Er versuchte, sich auf die eigene Bahn zu konzentrieren, geduldig zu sein. Vor allem die letzten Hürden erwischte er perfekt. Mit einem Schlusssprint sicherte er sich schliesslich den zweiten Rang. Nur eine Hundertstelsekunde fehlte zum Sieg.

Weitere Steigerung ist nötig

Die Zeit von Hussein hingegen war nicht gerade berauschend. Im Vorfeld rechnete sein Trainer Flavio Zberg damit, dass es eine persönliche Bestleistung braucht, damit der Ostschweizer den Final noch erreicht. Nun schaffte er dieses Ziel in 49,13 Sekunden. Damit war er zwar eine Sekunde schneller als noch im Vorlauf. Doch unter den acht Finalisten ist er damit der langsamste. Schnellster über 400 m Hürden war gestern der US-Amerikaner Kerron Clement, der das Ziel nach 48,35 erreichte. Damit war dieser zehn Hundertstelsekunden schneller als Hussein bei seiner persönlichen Bestleistung, die er 2015 aufgestellt hatte. Um im morgigen Final vorne dabei zu sein, muss er deshalb eine weitere Steigerung schaffen. Der gestrige Auftritt hat Hussein jedoch Selbstvertrauen gegeben. Was er mitnimmt? Hussein lacht: «Dass ich es draufhabe.»