Überflieger
Simon Ehammer nach dem Traum-Wochenende in Deutschland: «Auch im Zehnkampf will ich noch mehr»

Schweizer Rekord im Weitsprung, Schweizer Rekord im Zehnkampf, zudem die WM-Limite geschafft: Der 22-jährige Appenzeller Simon Ehammer brillierte am Wochenende am Zehnkampfmeeting in Ratingen, das er auch gleich gewann. Ehammer über seine nächsten Ziele, das Meeting in Götzis und sein Potenzial.

Jörg Greb
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Simon Ehammer hat allen Grund, sich zu freuen.

Simon Ehammer hat allen Grund, sich zu freuen.

Ulf Schiller/Keystone

Sie haben am Mehrkampf-Meeting in Ratingen in Deutschland mit Ihren beiden Schweizer Rekorden im Weitsprung und im Zehnkampf Einzigartiges erreicht. Ihre Gedanken zum vergangenen Wochenende?

Simon Ehammer: Diese 8,30 Meter im Weitsprung und die 8354 Punkte im Zehnkampf machen natürlich Freude. Für mich sind sie Wiedergutmachung für die verpasste Olympia-Teilnahme im vergangenen Sommer. Und mit diesen Resultaten habe ich die Saisonziele bereits erreicht, bevor die Saison richtig begonnen hat. Gleichzeitig bin ich nicht überrascht – in keiner einzigen der zehn Disziplinen. Aus meiner Optik war keine überragend, vielmehr waren sie insgesamt konstant und solid. Darauf lässt sich aufbauen. Und ein solch guter Saisoneinstieg macht neuen Hunger.

Inwiefern?

Jetzt habe ich mir noch höhere Ziele gesteckt. Ich will an der WM und an der EM performen. Doch vorher bietet das letzte Mai-Wochenende in Götzis die Möglichkeit, mich im Zehnkampf mit der Weltelite zu messen. Mein Saisoneinstieg vermittelt Sicherheit und Lockerheit. Im Weitsprung will ich als Nächstes den 8,30-Meter-Rekordsprung bestätigen. Vor allem denke ich an die WM in Eugene im Juli. Dort peile ich eine Medaille an. Und…

Bitteschön…

Ich nehme kein Blatt vor den Mund: Auch im Zehnkampf will ich noch mehr. Mehr als 8500 Punkte traue ich mir zu. An der EM im August in München will ich ebenso performen.

Wie sehen Sie es im Weitsprung?

Da denke ich an noch bessere Weiten – 8,50, 8,60, 8,70 Meter. Und dank meinem neuen Leistungsvermögen werden mir Startplätze an den Diamond-League-Meetings angeboten. In Rabat am 5. Juni und Oslo am 16. Juni habe ich bereits zugesagt. Diese Chancen will ich nutzen.

Zurück zum Zehnkampf: Haben Sie keine Bedenken, dass Sie in Götzis in weniger als drei Wochen noch zu wenig erholt sein werden?

Das schreckt mich überhaupt nicht ab. Jetzt, anfangs Saison, ist der Tank noch voll. Sonst hätten wir etwas falsch gemacht im Aufbau. Ratingen war für mich kein Zielwettkampf, sondern mehr ein Einstieg. Und was in diesem Zusammenhang wichtig ist: Die Anreise nach Ratingen, vor allem aber nach Götzis, ist kurz und somit kräftesparend. Im Sommer mit der WM und EM in einer ähnlichen Zeitspanne ist das anspruchsvoller. Nicht zuletzt die Zeitumstellung kommt hinzu.

Wie sehen Sie ihre Möglichkeiten mit noch grösserem Horizont?

Das Fernziel sind die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Ich weiss, was ich kann und ich weiss, was ich will. Bis dann soll sich die intensive Arbeit in den Würfen auszahlen: etwa vier zusätzliche Meter mit dem Diskus pro Jahr, drei Zusatzmeter mit dem Speer. Und ich wünsche mir mehr Konstanz. So soll sich ein Gesamtpaket bilden. So, dass ich über Medaillenpotenzial auch bei den Zehnkämpfern verfüge. (In der noch jungen aktuellen Weltjahresbestenliste figuriert Ehammer mit seinen 8354 Punkten an Position sieben, die Red.).

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