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«Vorfall hat mein Leben verändert»: Fraumünster-Posträuber will nach Schüssen in Altstätter Hanfanlage milderes Urteil

Am Montag hat am Kantonsgericht St.Gallen ein Berufungsprozess mit sieben Beschuldigten begonnen. Es geht um einen Überfall vom Februar 2015 auf eine Hanfplantage in Altstätten, bei dem zwei Bewacher mit Schüssen schwer verletzt wurden.
Claudia Schmid
In dieser Hanfplantage in Altstätten trug sich das Geschehen zu. (Bild: Keystone)

In dieser Hanfplantage in Altstätten trug sich das Geschehen zu. (Bild: Keystone)

Zum Prozessauftakt am Montag befragte das Kantonsgericht St.Gallen die sieben Beschuldigten. Als erster musste der Haupttäter Auskunft geben. Der heute 42-jährige Schweizer hatte auf die beiden Wachposten geschossen. Er wurde 2017 vom Kreisgericht Rheintal wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und anderer Straftaten zu einer Freiheitsstrafe von 10,5 Jahren und einer stationären Massnahme verurteilt. In der Berufungsverhandlung verlangt er Teilfreisprüche, eine mildere Strafe und den Verzicht auf die Massnahme. Im Gegenzug beantragt die Staatsanwaltschaft eine höhere Sanktion.

In der Befragung des vorsitzenden Richters kam das Vorleben des Haupttäters zur Sprache. Wie er erzählte, konsumierte er früh Drogen und verkehrte im Zürcher Milieu. Er ist mehrfach vorbestraft. Unter anderem war er 1997 am Überfall auf die Fraumünster-Post in Zürich beteiligt. Zusammen mit seinen Komplizen erbeutete er damals über 53 Millionen Franken. Für diese Tat sass er bereits mehrere Jahre im Gefängnis.

Munition verwechselt

Anfangs 2015 liess er sich für den Überfall auf die Hanfplantage anheuern. Die sechs Beteiligten sollen den Angriff gemeinsam geplant und ausgeführt haben, doch nur der Hauptangeklagte führte eine Waffe mit sich. Er machte am Montag vor dem Kantonsgericht geltend, die Munition verwechselt zu haben. Anstatt Gummigeschosse habe er kurz vor dem Überfall aus Versehen Flintenlaufgeschosse geladen. Überhaupt sei nicht geplant gewesen, die Waffe einzusetzen. Vielmehr habe man die Bewacher so rasch als möglich überwältigen und fesseln wollen. Bis zu jenem Tag habe er noch nie einen Menschen verletzt.

Dieser Vorfall habe sein Leben verändert, betonte der Mann, der sich zurzeit in einer Strafvollzugsanstalt befindet. Alle seien geschockt gewesen, dass zwei Menschen schwere Verletzungen erlitten hätten. Er sei bereit, eine hohe Haftstrafe für diese Tat abzusitzen, doch wehre er sich mit Händen und Füssen gegen eine stationäre Massnahme nach Artikel 59. Diese verbaue ihm jegliche Aussicht auf eine Zukunft mit seiner Familie.

Mildere Strafen beantragt

Die sechs weiteren Beschuldigten, die am Montag befragt wurden, sind zwischen 25 und 44 Jahre alt, teilweise Schweizer, teilweise Ausländer. Fünf von ihnen wurden von der Vorinstanz wegen qualifizierten Raubes und anderer Straftaten verurteilt, einer wegen schwerer Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und weiterer Delikte. Sie erhielten bedingte oder teilbedingte Freiheitsstrafen zwischen 22 und 36 Monaten, Geldstrafen und Bussen. Alle am Überfall Beteiligten wurden gegenüber den beiden verletzten Bewachern schadenersatz- und genugtuungspflichtig erklärt.

Fünf der Männer hatten gegen das Urteil der Vorinstanz Berufung eingelegt und eine mildere Bestrafung verlangt. Zwei der Beschuldigten zogen ihre Begehren vor der Berufungsverhandlung wieder zurück. Die Anschlussberufung der Privatkläger, die höhere Genugtuungssummen wollen, richtet sich allerdings auch gegen sie. Die Befragten waren am Montag grundsätzlich geständig, relativierten aber teilweise die Vorwürfe. So erklärte beispielsweise einer, er habe nicht gewusst, dass der Hauptangeklagte eine Waffe mitführe. Ein anderer machte von seinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern.

Die ganze Woche reserviert

Für den Berufungsprozess hat das Kantonsgericht St.Gallen bis und mit Donnerstag reserviert. Am Dienstag setzt es das Beweisverfahren fort. Es ist vorgesehen, fünf Auskunftspersonen zu befragen. Darauf folgen die Plädoyers von Anklage und Verteidigung sowie von den Rechtsvertretern der Privatkläger. Die Urteilseröffnung findet zu einem noch nicht genannten Zeitpunkt statt.

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