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Über die Wirklichkeit forschen

WARTH. Das andere Ausstellungskonzept: Nicht eine unübersehbare Monsterschau in grossen Hallen, sondern dezentralisiert wie der Thurgau selbst wird zeitgenössisches und einheimisches Kunstschaffen angeboten. Das ist die Werkschau TG.
Barbara Fatzer
Steffenschönis Installation «Core» (2012) auf Joseph Kosuths «Verstummter Bibliothek» im Kunstmuseum. (Bild: Donato Caspari)

Steffenschönis Installation «Core» (2012) auf Joseph Kosuths «Verstummter Bibliothek» im Kunstmuseum. (Bild: Donato Caspari)

Mutig ist dieses Vorgehen der Initianten und fordert Interessierten einiges ab an Eigeninitiative, um selbst nachzuvollziehen, was die Jury der Werkschau TG als lokales zeitgenössisches Kunstschaffen ausgewählt hat. Obwohl das nicht ihre Aufgabe ist, hat die Kulturstiftung (Klaus Hersche und Claudia Rüegg) den Anstoss gegeben zu einer solchen Werkschau.

Nach anfänglicher Zurückhaltung der Betroffenen zeigt sich die erfolgreiche Zusammenarbeit der fünf Kunstorte (Kunstmuseum, Neuer Shed Frauenfeld, Kunstraum Kreuzlingen, Galerie Bleisch und Kunsthalle Arbon) wie auch der beteiligten Künstler als Glücksfall. Das Ganze gestaltet sich nun nicht nur als abwechslungsreiche Reise zur Kunst, sondern gibt ein Beispiel des Gelingens, wie im Thurgau die voneinander abgekapselten Regionen doch ein gemeinsames Projekt verwirklichen können.

Auswahlkriterien unbekannt

Jeder Ausstellungsort hat von jeher seine Besonderheit und ist stark geprägt von der Persönlichkeit der Kuratoren. Das zeigt sich jetzt erneut, wer von den Kunstschaffenden wo ausstellen darf. Nur acht der gut sechzig Künstlerinnen und Künstler haben es (endlich!) ins Kunstmuseum geschafft, darunter Preisträger und Kunstgeförderte, also sichere Werte. Nach welchen Kriterien die Jury und nachher die Kuratorinnen Isabelle Fehlmann und Stefanie Hoch sich für die ausgewählten Werke entschieden haben, ist nicht bekannt. Interessant ist aber, dass eine Art Leitmotiv die jetzigen Ausstellungen bestimmt.

Galaxien und Antisärge

Im Kellerraum des Kunstmuseums könnte das Stichwort «Forschungsarbeit» heissen. Seit Jahrzehnten vertieft sich etwa Fredi Bissegger ins Zusammenspiel von Farben und deren Wirkungen auf unsere Wahrnehmung. Auch schon lange beschäftigt sich Rahel Müller mit Schichtungen und Auflösungen von Formen, geologischen Vorgängen ähnlich. Seit einigen Jahren dringt Helmut Wenczel aquarellierend ins Weltall vor, er bewegt sich immer weiter ins Unendliche hinein und erschafft strahlende galaktische Welten in tiefster Dunkelheit, aber eigentlich ist alles nur ein Schwarz-Weiss-Kontrast. Jetzt, da seine Grossformate im Kunstmuseum hängen, werden sie staunend beachtet.

Der Thurgau hat bedeutende archäologische Fundstellen, die schweizweit immer wieder einmal für Aufsehen sorgen. Spurlos bis jetzt an uns vorbeigegangen ist die Entdeckung eines römischen Kachelofens in Steckborn, und das im Ufersaum des Untersees. Das hat Judit Villiger derart fasziniert, dass sie sich in ihrer Forschungsarbeit ganz auf die Zusammensetzung der vorhandenen Scherben konzentrierte. Für den Wiederaufbau der Bildkacheln wurde sie gar vom Kantonsarchäologen unterstützt.

Auch steffenschöni (Karl Steffen und Heidi Schöni) wühlen sich immer wieder durch thurgauische Erde und fördern seltsame Reste und Zeichen daraus hervor. Jetzt haben sie Gefundenes wie Rekonstruiertes in Holzkisten versorgt, die wie Antisärge wirken: Damit wird nichts in die Erde versenkt, sondern im Gegenteil ans Licht geholt und als ästhetisches Arrangement zugänglich gemacht.

Kreativität bleibt aktiv

Mit ihrer eindringlichen Videoinstallation setzt Daniela Gugg ihrem alten Grossvater ein Denkmal, der einst als gewiefter Setzer die alte Schwarze Kunst beherrschte. Er versucht zu zeigen, was dieses nicht mehr existente Handwerk Hunderte von Jahren geleistet hat.

Während seine Hände die Lettern blitzschnell im Setzkasten finden und er sie spiegelverkehrt aufreiht, lässt ihn seine Erinnerung an den Text immer wieder im Stich. Er überwindet seine Gedächtnislücken und auch die nötigen Leerstellen in den Satzreihen. Tröstlich ist mitzuerleben, dass die menschliche Kreativität aktiv bleibt bis zuletzt.

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