Über den Wolken

Der FC St. Gallen trifft heute um 17 Uhr Schweizer Zeit im Rückspiel des Europa-League-Playoffs auf Spartak Moskau. Nach dem 1:1 im Hinspiel will das Team den Exploit schaffen. Für Daniel Lopar ist ein Traum bereits in Erfüllung gegangen.

Patricia Loher/Moskau
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St. Gallens Reise (im Uhrzeigersinn): Dejan Janjatovic beim Boarding, Matias Vitkieviez als Flugbegleiter, Daniel Lopar und Mario Mutsch nach der Landung, Jeff Saibene im Training. (Bilder: Urs Bucher)

St. Gallens Reise (im Uhrzeigersinn): Dejan Janjatovic beim Boarding, Matias Vitkieviez als Flugbegleiter, Daniel Lopar und Mario Mutsch nach der Landung, Jeff Saibene im Training. (Bilder: Urs Bucher)

FUSSBALL. Kurz nach Mittag brachten die Piloten das Flugzeug mit dem FC St. Gallen an Board sicher auf russischen Boden. Aber eigentlich hatte während des dreieinhalbstündigen Fluges von Zürich nach Moskau auch gar nichts schiefgehen können. Mit Goalie Daniel Lopar verfügte ein St. Galler über beste Kontakte direkt ins Cockpit. Der Pilot auf St. Gallens erster Europacup-Reise seit zwölf Jahren war der Bruder von Lopars Freundin. Noch auf dem Rollfeld gab Patrick Beeler der Mannschaft die besten Wünsche für die Begegnung mit Spartak Moskau mit auf den Weg. Für Lopar war schon die Reise nach Moskau ein Höhepunkt. Er durfte Start und Landung im Cockpit miterleben. «Damit ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen», so der Torhüter, der seiner Mannschaft am vergangenen Sonntag beim FC Zürich das 0:0 festgehalten hatte.

Die Anreise nach Russland verlief ohne Zwischenfälle, die Pässe mit den Einreisebewilligungen bestanden die Prüfungen der gestrengen Zollbeamten, nur zwei Koffer von zwei Delegationsmitgliedern waren in Zürich vergessen gegangen. 20 Spieler hat der FC St. Gallen in die russische Hauptstadt mitgenommen, nicht aber Kristian Nushi, der wegen seines kosovarischen Passes keine Einreisebewilligung erhielt und sich während dieser Tage mit dem Nachwuchsteam in der Ostschweiz fit hält. Nushis verweigertes Visum war gestern an der Medienkonferenz in der Chimki-Arena noch einmal ein Thema. «Nushi wäre wichtig für uns. Es ist schade, dass Sport und Politik nicht getrennt werden», so St. Gallens Trainer Jeff Saibene.

Mit viel Enthusiasmus

Anscheinend reisen 350 Anhänger des FC St. Gallen auf unterschiedlichen Wegen nach Moskau, um ihre Mannschaft heute ab 17 Uhr Schweizer Zeit zu unterstützen. Das Stadion im Nordwesten von Moskau soll mit 18 500 Zuschauern ausverkauft sein. St. Gallen ist trotz des vielbeachteten 1:1 im Hinspiel noch immer der Aussenseiter. Die Ostschweizer dürfen beim russischen Rekordmeister nicht verlieren und müssen mindestens ein Tor erzielen, um sich für die Gruppenphase der Europa League zu qualifizieren. Die zuletzt guten Leistungen in der Meisterschaft und der starke Auftritt zu Hause gegen Spartak haben St. Gallens Selbstvertrauen gestärkt. «Wir werden das Spiel mit viel Enthusiasmus bestreiten», so Saibene. Der Respekt, den sich das zuvor unbekannte St. Gallen zumindest bei den russischen Journalisten erarbeitet hat, war gestern abend an der Medienkonferenz spürbar.

Anzunehmen ist, dass die Mannschaft von Trainer Waleri Karpin versucht, anders aufzutreten als noch vor einer Woche. Spartak Moskau ist unter Druck. Zuletzt hat der elffache Champions-League-Teilnehmer auswärts gegen Amkar Perm die erste Saisonniederlage kassiert. Der ehemalige russische Internationale Karpin war unzufrieden: «Ein Team wollte gewinnen, das andere lief ein bisschen auf dem Feld herum.» Ein Ausscheiden gegen einen Schweizer Club kann sich Spartak Moskau kaum leisten. Der letzte dunkle Moment liegt allerdings noch nicht weit zurück. Vor zwei Jahren scheiterte Spartak Moskau im Europa-League-Playoff an Legia Warschau. In Polen hatten sich die beiden Teams 2:2 getrennt, im Rückspiel gingen die Russen 2:0 in Führung, ehe Legia noch mit 3:2 gewann.

Die Schwäche beheben

«Wir wollen offensiv dagegenhalten», sagt St. Gallens Mittelfeldspieler Dejan Janjatovic. Steigern muss sich seine Mannschaft vor allem in bezug auf die Effizienz. Seit sechs Spielen in Super League, Schweizer Cup und Europa League sind die St. Galler unbesiegt. Sie liefern immer wieder starke Leistungen ab, belohnen sich dafür aber zu selten mit einem Sieg. Lopar hofft, sein Team möge diese Schwäche heute beheben. «Angst brauchen wir vor Spartak nicht zu haben.»