TURNIERDIREKTOR: Gastgeber mit Vorwärtsdrang

Seit bald 50 Jahren ist Roger Brennwald der Patron der Swiss Indoors. Der Chef packt gerne an und denkt gerne laut – und eckt damit immer mal wieder an.

Ralf Streule
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Es war im wörtlichen Sinn ein Versuchsballon, den Roger Brennwald 1969 steigen liess. Dank eines 40000-Franken-Kredits erstand er eine aufblasbare Tennishalle, eine sogenannte Ballonhalle. Darin erlebten die Swiss Indoors ihre Geburtsstunde. Lust auf Neues, Risikobereitschaft und ein grosser Vorwärtsdrang – diese Eigenschaften hat der inzwischen 71-Jährige Turnierdirektor seither nicht abgelegt. Längst sind seine Swiss Indoors mit rund 18 Millionen Franken Budget der grösste wiederkehrende Schweizer Sportanlass. Fast alle Weltstars der vergangenen Dekaden hat der Grandseigneur ans Turnier gelockt – oft im persönlichen Gespräch. Und weiterhin hält er gerne die Fäden selber in der Hand. Sogar, wenn es um das Programm des – natürlich von ihm initiierten – musikalisch umrahmten «Super Monday» geht. Welche Songs Amy Macdonald in der St.-Jakobs-Halle Anfang Woche zum Besten gab, hatte der Chef persönlich bestimmt. Ein Wunschkonzert im eigenen Zuhause quasi.

Ein Wunschkonzert ist das Tennisbusiness jedoch selten. Das merkte Brennwald, als er vor einem Jahr öffentlich den Vorschlag machte, aus den Swiss Indoors ein Turnier eines neu zu schaffenden 750er-Formats zu machen. «Eins auf die Finger» habe er von verschiedenen Seiten bekommen dafür, sagte Brennwald kürzlich in der «Basler Zeitung». Nicht nach Wunsch sind auch die vielen Absagen, die Brennwald jährlich hinnehmen muss – der Zeitpunkt des Turniers am Ende des Tennisjahrs spielt Basel nicht in die Karten. Dies steckt Brennwald locker weg, solange Roger Federer teilnimmt, sein «Sechser im Lotto». So bezeichnete Brennwald den Baselbieter kürzlich. Dies, obschon es Zerwürfnisse gab vor einigen Jahren zwischen den beiden Rogers. Von Federers Wunsch, das Turnier dereinst zu übernehmen, war damals zu lesen. Und von vertraglichen Fragen, in denen man sich uneins war. Alles vorbei, meint der Chef. Was er aber weiterhin gerne betont: «Das Turnier bleibt in der Familie.» Und wohl vorläufig unter seiner persönlichen Obhut. Ein schneller Abgang ist nicht abzusehen. Oder nutzt er 2018 die Hallen-Neueröffnung als Bühne für den Abschied? Oder verlassen die beiden Rogers am Ende die Bühne gleichzeitig? Bis 2019 hat Federer einen Vertrag in Basel. Vorerst.

Ralf Streule