Turner im Aufschwung: SRF überträgt die Kunstturnwettkämpfe des Eidgenössischen Turnfests

Das SRF überträgt erstmals die Kunstturnwettkämpfe des Eidgenössischen Turnfests. Der Aufwand ist gleich gross wie bei einem Spiel der Fussball-Nationalmannschaft.

Sébastian Lavoyer
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Der Turnverband Bern Mittelland Oberland während der Schlussfeier des Eidgenössischen Turnfestes 2013 in Biel. (Bild: KEYSTONE/Marcel Bieri)

Der Turnverband Bern Mittelland Oberland während der Schlussfeier des Eidgenössischen Turnfestes 2013 in Biel. (Bild: KEYSTONE/Marcel Bieri)

Noch nie hat das Schweizer Radio und Fernsehen SRF einen so grossen Aufwand für das Eidgenössische Turnfest (ETF) betrieben, wie es das dieses Jahr in Aarau machen wird. Eröffnungs- und Schlussfeier übertrug man auch früher zum Teil live. An dieser Tradition hält man fest. Genauso wie man das Vereinsturnen live verfolgen kann. Weil es nicht nur eine grosse Tradition hat, sondern «in der Schweiz auch ein ausserordentlich hohes Niveau ausweist», wie SRF-Sportchef Roland Mägerle sagt.

Mägerle muss es wissen. Zwar hat er erst mit zehn Jahren angefangen, aber über die Jugi fand er selbst zum Kunstturnen. «In diesem Alter hören sie heute auf, wenn sie den Sprung nicht schaffen», scherzt Mägerle. 1984 in Winterthur nahm er als Turner am ETF teil, sieben Jahre später in Luzern ging er in den Leichtathletik-Wettbewerben an den Start. Danach war die Aktivkarriere für ihn beendet, den Turnsport, insbesondere den Spitzensport aber verfolgte er weiter aufmerksam.

Dieses Jahr wird das SRF erstmals die Kunstturnwettkämpfe vom ETF live übertragen. «Wir sind in Aarau dabei, weil dieser Wettbewerb auch für die Spitzenturner eine besondere Bedeutung hat. Einen Festsieg am Eidgenössischen kann man nur alle sechs Jahre holen, schon das macht es speziell», so Mägerle. Und das in einem ohnehin wichtigen Jahr für die Turner. Die WM steht noch an, die Olympiaqualifikation.

Zugleich hat das SRF dieses Jahr erstmals in der Liveberichterstattung der Champions League abgebaut. Die Dienstagsspiele wurden nicht mehr im öffentlichen Fernsehen ausgestrahlt. Genauso wenig wie der ­Final in Madrid. Investiert man das Geld der Sternen-Liga also ins Turnen? Mägerle bestreitet einen Zusammenhang. SRF fokussiere im Sport auf drei Dinge: Schweizer Athletinnen und Athleten, Sportveranstaltungen in der Schweiz und internationale Top­events. Mägerle: «Es sind neue Sportarten dazugekommen. Man denke nur an den ganzen Freestyle-Bereich im Wintersport, das Mountainbiken, Unihockey. Kommt hinzu, dass wir sehr viele erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler haben, sodass wir in den letzten Jahren über 100 Sportarten in unseren Programmen hatten. Wir möchten die ganze Breite zeigen können, haben aber zugleich beschränkte Mittel. Alles geht nicht.» Deshalb der Einschnitt bei der Champions League.

Dafür gibt’s nächsten Samstag zwischen 19.30 und 21.45 Uhr die besten Schweizer Turnerinnen und Turner live im TV. Ein Aufwand wie bei einem Länderspiel der Nationalmannschaft. Mit sieben Kameras überträgt man den Wettkampf aus Aarau. 30 Leute sind im Einsatz, um das TV-Signal zu produzieren: Kameramänner, Technikerinnen, Regisseure oder Produktionsleiterinnen. Dazu kommen rund zehn Journalistinnen, Präsentatoren und Kommentatoren von SRF, RTS und RSI.

Giulia Steingruber muss passen

So gross der Aufwand, so bitter der Ausfall von Giulia Stein­gruber, dem grössten Star des Schweizer Turnens. Vor elf Monaten erlitt sie an einem Länderwettkampf in Saint-Etienne einen Kreuzbandriss. Seither arbeitet sie an ihrem Comeback. Doch das Eidgenössische kommt zu früh. «Leider kann sie nicht teilnehmen», sagt Ruedi Hediger, Geschäftsführer des Schweizerischen Turnverbands, «aber wir haben ja noch andere starke Turnerinnen und Turner. Allen voran Ilaria Käslin oder Oliver Hegi und Pablo Brägger.» Auch für das SRF ist der Ausfall von Steingruber ein Verlust. Aber Mägerle sagt: «Im Turnen muss man immer mit Verletzungen rechnen.»

Steingruber kommt nicht, das TV sendet in die Stuben der Nation – fürchtet man nicht, dass die Leute zu Hause bleiben? ETF-Geschäftsführer Stefan Riner sagt: «Wir rechnen mit rund 150000 Besuchern.» So viele wie in Biel vor sechs Jahren. Oder gar noch mehr. Wenn die Leute bei der Übertragung der Eröffnungsfeier plötzlich neugierig werden sollten. Riner: «Solche Anlässe leben ja vom Zusammentreffen der Menschen. Darum geht es nicht zuletzt.»

Rigorose Regeln bremsen Party-Stimmung auf dem Turnfest-Zeltplatz

Ein Grossanlass wie das Eidgenössische Turnfest in Aarau ist für die Organisatoren eine Herausforderung. Damit auf dem Zeltplatz alles rund läuft, gelten strenge Regeln. Vereine müssen Einschränkungen in Kauf nehmen – oder sie finden Alternativen.
Sandra Peter*