«Turnen ist Turnen»

Warum werden die Frauen im Kunstturnen fast nur von Kampfrichterinnen und die Männer nur von Kampfrichtern beurteilt?

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Warum werden die Frauen im Kunstturnen fast nur von Kampfrichterinnen und die Männer nur von Kampfrichtern beurteilt?

Im Kunstturnen gab es über 100 Jahre lang ein ungeschriebenes Gesetz: Frauen beurteilen Frauen, Männer beurteilen Männer – zumindest an Grossanlässen. Das liegt wohl daran, dass Kunstturnen eine Ausnahme bildet. Im Fussball oder in der Leichtathletik gibt es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern – alle spielen nach den gleichen Regeln. Im Kunstturnen ist das anders. Die Frauen zeigen ihre Übungen an vier Geräten, die Männer an sechs. Nur die Disziplinen Boden, Sprung und Barren teilen sie sich. Doch auch dort grenzen sich die Turnerinnen von den Turnern ab. Die Bodenübung der Frauen ist eleganter und wird mit Musik untermalt. Am Sprung zeigen die beiden Geschlechter nur in den seltensten Fällen die gleiche Übung. Und der Stufenbarren der Frauen hat mit dem Barren der Männer kaum etwas gemein. Warum sollte also eine Richterin eine Ringübung beurteilen, die sie selbst nie zeigen könnte?

Dennoch ist die Tradition in den vergangenen Jahren ins Wanken gekommen. 2013 beurteilte erstmals eine Frau an einer WM die Übungen der Turner. Auch Männer haben mittlerweile ihren Platz im Frauenturnen gefunden. Von den Unterschieden lassen sie sich nicht beeindrucken. «Augen sind Augen und Turnen ist Turnen», sagte Kampfrichter Gordon Bennett trocken dazu. (rba)

Weshalb tun die das? Die Welt des Sports steckt voller kleiner Rätsel. Einigen zentralen und weniger zentralen Fragen aus der Welt der Profis geht die Sportredaktion in dieser Rubrik nach.