TUDO BEM Er beisst nur in einem von 175 Fällen

Er hat wieder zugebissen. Der «Kannibale» wie ihn die Anhänger seines früheren Clubs Ajax Amsterdam nennen. Im Gruppenspiel gegen Italien nahm sich Uruguays Luis Suárez den US-Boxer Mike Tyson zum Vorbild und biss seinen Gegner Giorgio Chiellini.

Christof Krapf
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Er hat wieder zugebissen. Der «Kannibale» wie ihn die Anhänger seines früheren Clubs Ajax Amsterdam nennen. Im Gruppenspiel gegen Italien nahm sich Uruguays Luis Suárez den US-Boxer Mike Tyson zum Vorbild und biss seinen Gegner Giorgio Chiellini.

Die Chancen, dass der Stürmer zubeisst, berechnete ein Wettbüro mit 1:175. Gut für einen Norweger, der auf diesen Fall tippte: Für einen Einsatz von 4,60 Franken erhielt er satte 820 Franken – Kannibalismus ist ein einträgliches Geschäft. Diskussionen löste die Situation in den TV-Studios aus. Denn es gehört zum guten Ton, dass Sender Regelexperten beschäftigen. Meist sind dies ehemalige Schiedsrichter. Carlo Bertolini vom SRF und Urs Meier vom deutschen Fernsehen waren sich einig: Ein Rüpel, der beisst statt grätscht, gehört vom Platz gestellt. «Das Problem ist, dass der Begriff Beissen in den Regeln nicht vorkommt. Die Aktion war aber eine Tätlichkeit», sagte Bertolini. Meier war anderer Meinung: «Beissen ist in den offiziellen Regeln explizit aufgeführt.» Recht behielt Bertolini. Denn in den Fifa-Regeln ist nur von «Tätlichkeit» die Rede. Diese liegt vor, wenn ein Spieler einen Gegner übermässig hart und brutal angreift – da gehört Beissen dazu. Referees müssen zwar nicht einer Meinung sein. Treten sie aber als TV-Experten auf, sollten sie vielleicht vor der WM die Regeln studieren. Auch wenn Suárez nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:175 zubeisst.

christof.krapf@tagblatt.ch