TUDO BEM Die heile Welt der Fifa

Es gibt an der WM keine Nebengeräusche. Die Welt des Fussballs ist heil. Der Fussball verbindet Völker. So sieht es zumindest die Fifa. Und so hat es auch die Welt zu sehen.

Patricia Loher
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Es gibt an der WM keine Nebengeräusche. Die Welt des Fussballs ist heil. Der Fussball verbindet Völker. So sieht es zumindest die Fifa. Und so hat es auch die Welt zu sehen. Als im Spiel Deutschland gegen Ghana ein Mann mit nacktem Oberkörper auf das Feld lief, war er für die TV-Zuschauer nur für den Bruchteil einer Sekunde erkennbar. Die Kameras hielten auf den Ghanaer Jordan Ayew.

Während der Eröffnungsfeier zeigte ein indigener Knabe ein Transparent mit dem Wort «Demarcação», was so viel bedeutet wie «Abgrenzung». Der 13-Jährige protestierte, weil die brasilianische Regierung weiterhin keine offiziellen Gebiete für die indigene Bevölkerung in São Paulo definiert. Die Fifa als Monopolist der TV-Bilder zeigte den Jugendlichen nicht. Trotzdem gehörten dem Brasilianer die Schlagzeilen, immerhin waren 61 000 Zuschauer und Hunderte Journalisten anwesend – und sie nutzen Facebook oder Twitter. Meldungen verbreiten sich heutzutage auch ohne TV. «So etwas wollen die nicht zeigen. Die wollen Frieden zwischen den Völkern zeigen, dass alles schön und toll ist. Aber die Situation hier ist eine andere», sagt der Anführer der indigenen Siedlung in São Paulo. Er und seine Mitstreiter dürfen der Fifa aber dankbar sein. Hätte der in mancher Beziehung unter Beschuss geratene Weltverband die Bilder unzensiert um die Welt geschickt, wären der Knabe und sein Anliegen weltweit wohl nur eine Randnotiz wert gewesen.

patricia.loher@tagblatt.ch

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