Tschagajew ist weg

Bulat Tschagajew hat die Schweiz verlassen. Sein Schengen-Visum sei abgelaufen, sagte Larisa Vasilievna, Direktorin einer Firma von Tschagajew, am Dienstag zu einer Meldung der Onlineausgabe der «Tribune de Genève». Der ehemalige Besitzer des Fussballclubs Neuenburg Xamax war von den Waadtländer Behörden weggewiesen worden.

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Trieb Xamax in den Konkurs: Bulat Tschagajew. (Bild: Keystone)

Trieb Xamax in den Konkurs: Bulat Tschagajew. (Bild: Keystone)

Der Tschetschene mit russischem Pass hatte den Fussballclub Xamax in den Konkurs getrieben. Seither laufen gegen Tschagajew verschiedene Strafverfahren in den Kantonen Genf und Neuenburg. Ihm werden ungetreue Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung vorgeworfen.

Erfolgloses Bemühen
Im April dieses Jahres wiesen die Behörden des Kantons Waadt Bulat Tschagajew an, die Schweiz bis am 10. Mai zu verlassen. Tschagajew hatte sich gegen die Ausweisung aus der Schweiz gewehrt. Die Begründung: Seine Anwesenheit in der Schweiz sei für seine Verteidigung notwendig.

Als erste Instanz hatte das Kantonsgericht die Beschwerde abgewiesen. Tschagajew könne jederzeit in die Schweiz zurückkehren, wenn seine Anwesenheit wegen des Prozesses notwendig sei, hatte das Gericht damals argumentiert.

Der ehemalige Clubbesitzer akzeptierte den Entscheid nicht und gelangte ans Bundesgericht. Dieses folgte der Argumentation der Waadtländer Behörden und wies die Beschwerde Anfang August ebenfalls ab. Damit wurde die Ausweisung rechtskräftig.

Riesigen Schuldenberg hinterlassen
Bulat Tschagajew war 2011 in Neuenburg von einigen als Heilsbringer und neuer Investor gefeiert worden. Unter seiner Führung ging der Traditionsclub allerdings Konkurs und verlor die Lizenz für die Super League. Tschagajew hinterliess einen Schuldenberg von rund 30 Millionen Franken. Gegenüber Westschweizer Zeitungen gab er damals an, sich im Prozess zum Debakel des Fussballclubs verteidigen und seine Unschuld beweisen zu wollen.

Tschagajew war am 27. Januar 2012 in Untersuchungshaft gesetzt worden. In der Haftzeit trat der Tschetschene in einen Hungerstreik. Über seinen Anwalt liess er damals verlauten, er geniesse nicht mehr die elementaren Rechte, die in einer Demokratie einem mutmasslich Unschuldigen zustünden. Nach vier Monaten Untersuchungshaft wurde er gegen eine Kaution auf freien Fuss gesetzt. Bis zu seiner Abreise lebte Tschagajew in St-Sulpice im Kanton Waadt. Wohin er ausreiste, ist nicht bekannt. (sda)